Zwei wilde Companeros - FilmFlausen.de
                          




Zwei wilde Companeros


‘A redheaded Irish girl, A Russian prince, A Mexican bandit-They turned a fun filled fight for gold into a riotous revolution’


Originaltitel: ¡Viva la muerte... tua! (1971) Regie: Duccio Tessari
Drehbuch: Massimo De Rita, Günter Ebert, Arduino Maiuri, Juan de Orduña & Lewis B. Patten Darsteller: Franco Nero, Eli Wallach, Lynn Redgrave FSK: 12


“Als ich 13 Jahre alt war hat mir irgendein Schwein eine Tortilla gestohlen, aber ich hab sie ihm dann wieder weggenommen.“
“Das ist doch keine Sünde.“
“Ich hab die Sau erschossen.“
“Das zählt zu den kleinen Sünden.“

Drei Ärsche für ein Halleluja
Dimitri Vassilovich Orlowski (Franco Nero) ist ein ganz ein Schlimmer. In Pfaffen-Verkleidung reist der selbsternannte Prinz durch den wilden Westen, haut Gutgläubige über’s Ohr und schießt Schlechtgläubige über’n Haufen. Als er von einem seiner Opfer, einem alten, blinden Mann, von einem Goldschatz erfährt, ist Dimitri ganz Ohr. Um an das Edelmetall zu gelangen, muss er jedoch erst den mexikanischen Häftling Lozoya (Eli Wallach) befreien. Gesagt, gesägt, getan. Doch bevor das Prinzchen dem Kleinganoven das Geheimnis um den Schatz aus der Zwiebel pressen kann, ist auch schon Journalistin Mary O’Donnell zur Stelle. Die junge Dame will der mexikanischen Revolution auf den Weg helfen und schlägt Lozoya vor, sich als Volksheld El Salvador auszugeben, um exklusiv darüber berichten zu können. Während die zwei lustigen Drei auf ihrer Mission sind, werden sie vom bösartigen Cousin des Prinzen (Horst Janson) und einem skrupellosen General verfolgt…

“Warum sind sie eigentlich aus Russland wegegegangen?“
“Ich hab was gegen Schneeschippen.“
“Ist das der einzige Grund?“
“Das russische Roulette stört mich auch.“
“Sie hätten da bleiben sollen. Russland braucht sicher Männer wie sie.“
“Hier wird ich aber mehr gebraucht, das seh ich doch an ihnen. Sie sind ja schon ganz wuschig.“

Was meint ihr? Woll'n wir uns
die ’Sesamstraße’-Witze sparen?
Es soll ja Leute geben, die jenen Schnodder-Synchronisationen aus der Feder des legendären Rainer Brandts nichts abgewinnen können und ihre Western lieber bierernst und grob haben. Aber erstens sind wir hier bei ’FilmFlausen’, zweitens ist ’Zwei wilde Companeros’ immer noch fies genug und drittens ist überhaupt alles besser, wenn Rainer Brandt mit seinen Schnodder-Alumnis die Zotenkeule auspackt.


“Hey, Großfürst. Was heißt Presseeule? Ist das auch wieder ne Sauerei?“
“Das hat bloß was mit lutschen zu tun. Die saugt’s sich aus den Fingern und verkauft’s an die Zeitung.“

In den Siebzigern seilte sich der Italo-Western allmählich von den ernsthaften und gemeinen Schweiß-Epen eines Sergio Leone ab und Corbucci und Co., deren Filme bis dato die Wege mit Leichen pflasterten, setzten nun vornehmlich auf Lacher.

Ich denke nicht!
"Samson, Tiffy, Lilo, von Bödefeld
helft mir, ich wurde metallisiert!"
Zwar humpeln Franco Nero und Eli Wallach als ’Zwei wilde Companeros’ immer noch durch ein episch angelegtes Szenario, stellen sich Tod und Teufel und sind Spielfiguren im Kampf um Freiheit und Revolution, doch hier gibt zweifelsfrei der komische Ton den Takt an.
Nero (’Django’) und Wallach (’Die glorreichen Sieben’) agieren zuweilen dementsprechend albern und werden von der Blödel-Synchro (“Du musst dir den Pony da oben bürsten, sonst hält man das für ‘ne Lokus-Bürste!”) nach allen Kräften unterstützt. Auch Horst Janson aus der ’Sesamstraße’ ist hier in einer Nebenrolle als Racheengel in Eisenkragen zu sehen, die lediglich für ein paar Lacher gut ist.
Da wir es hier aber eindeutig nicht mit ’Zwei glorreiche Halunken’ zu tun haben (von dem der Film allerdings mehr als ein paar Hinweise stiebitzt), sollte sich auch kein Westernfan auf die Stiefelspitzen getreten fühlen.
Vorwerfen kann man der amüsanten Pferdeoper, die zwar mehr Sprüche als Tote, jedoch auch Unmengen an Action zu bieten hat, höchstens die arg strapazierte Laufzeit von 105 Minuten und die eher seichte Mucke, die es keinesfalls mit den Werken von Lauschlappen-Verwöhner Ennio Morricone aufnehmen kann.

“Wir Mexikaner sind richtige Männer. Merk dir das! Und einem richtigen Mann fasst man nicht an den Arsch. Der hat gar keinen. Ist das klar?“

Frei nach dem Originaltitel: Es lebe der Tod!

Is’ klar, Herr Getränkevorsteher. Ich mach schon mal das Fass zapfklar. Wenn’s hier Schulnoten gäbe, bekäme der Film eine 3 + und die Synchro eine 1-. Meine Empfehlung geht an alle Spaßvögel, Sattelschlepper und Sprücheklopfer. Es wird schon keiner an Gehirnmauke sterben.


Hudson