Zipperface


‘Blutjunge Frauen sind seine Opfer’


Originaltitel: Zipperface (1992) Regie: Mansour Pourmand
Drehbuch: Barbara Bishop, Ralph Lucas, Mansour Pourmand & Mark Troy
Darsteller: Dona Adams, Bruce Brown, David Clover FSK: 18


Der Tag ist gerettet: Die Honks
von der Zipper-Sitte sind da!
’Zipperface’ ist so etwas wie eine lokale Legende. Nicht etwa die Figur, sondern das Videocover. Wann immer man als heranblühender Erwachsener nicht wusste, was man aus der Videothek ausleihen sollte, brachte irgendeiner scherzhaft den ’Zipperface’ zur Sprache. Alle lachten und man griff zu allem außer dem Zippertape.
Nun wurde FilmFlausen damals unter anderem aus dem Grund ins Leben gerufen, all die feinen und groben Schundperlen der Vergangenheit zu würdigen und da war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis mir das Tape mit dem Reißverschlussmund-Cover in die Hände fiel. Kein Lacher rettet mich heute, keine Alternativen sind zur Hand. Heeeeeeeeeere’s Zippa!

Die junge Polizistin Lisa Ryder wird nach einem erfolgreichen Einsatz von der Bürgermeisterin persönlich befördert und an die Seite eines alteingesessenen Cops auf einen brisanten Serienkiller-Fall angesetzt, dessen Täter es auf blutjunge Frauen, vorzugsweise Prostituierte abgesehen hat. Kurz darauf lässt sich Lisa mit dem Aktfotografen Michael Walker ein, der schon bald auf der Liste der Verdächtigen steht. Ist er der eiskalte Zipperface? Und wenn ja, ist es nicht ziemlich heiß unter der engen Lederkluft?

“Hier ist nichts. Was haben sie?“
“Ein Blasenproblem. Aber mein Arzt sagt, das kommt in Ordnung, wenn ich auf den Kaffee verzichte.“

"Hey Baby, ich muss dir was
gestehen. Ich hab vor 'ner
halben Stunde eingepullert."
’Zipperface’ ist nicht etwa ein Vollkorn-Slasher, wie es das Cover samt Tagline (Blutjunge Frauen sind seine Opfer!) andeutet, sondern viel mehr ein Whodunit-Thriller im S/M-Milieu mit Erotikanleihen und einem unfreiwillig komischen Täter, dessen wahre Identität halbwegs aufmerksamen Zuschauern recht schnell in den Schoß springt.
Schon beim ersten Auftritt der Titelfigur (er schleicht aus den Schatten und schwingt eine Machete gen Kamera, während der Titel zu billiger Synthie-Gruselmucke über sein Gesicht gepappt wird) liegt man (je nach Bierkonsum) für geschlagene 2 Minuten auf dem Boden und hält sich vor Lachen die Plauze, nur um gleich nach den Credits wieder fit für den nächsten Lachanfall zu sein. Es folgt nämlich die obligatorische ’Zipperface zips himself up’-Montage. Leider ist das genau der Punkt, an dem der langweilige Hauptplot um die Polizistin und ihre Arbeits- und Liebesbeziehungen einsetzt und dem Film den ganzen Spaß und erwartungsvollen Zuschauern den letzten Nerv raubt.
Abgeschmackte Polizei-Klischees wechseln sich mit blutleeren Slash-Attacks und grottigen Dialogen ab (“Sag mal, bist du etwa ganz nackt unter dem Ding? Ich komm ungelegen was? Weißt du was, ich geh besser wieder. Ööööh, kann ich dich anrufen?“), das Schauspiel und die Optik lassen jegliche cineastische Professionalität vermissen und die schreckliche Frühneunziger-Mode samt Frisurverbrechen wäre vielleicht zu ertragen, wenn Zipperface (der übrigens in einem irren Heizungskeller-Hideout wohnt, komplett mit blau ausgeleuchteten Riesenboilern und einem riesigen Spinnennetz und ähnlich perversem Bondage-Kram) mehr als nur ein Gaststar in seinem eigenen Film wäre.

Warm Up für's Showprogramm der Blue Öyster Bar

Fazit: Sleaziger Erotik-Krimi mit miesen Darstellern, zahmen Kills und Dialogen, denen ein Reißverschluss über den Sabbel verpasst gehört. Filme wie ’Zipperface’ wurden in den seligen Neunzigern im Dutzend billiger gedreht und genau so wurden sie bis vor kurzem auch von den Videotheken auf dem Grabbeltisch ausrangiert. Nicht mal für umme, Leute.



PS: Zuletzt wurde Zipperface, der sich mittlerweile ’Hinkebein’ aka ’The Gimp’ nennt, im Keller von Maynards Laden gesehen, wo er von Bruce Willis eins aufs Maul bekam.

Hudson