Zeitsprung in die Tafelrunde



Originaltitel: A Connecticut Yankee in King Arthur's Court (1989)
Regie: Mel Damski Drehbuch: Mark Twain & Paul Zindel
Darsteller: Keshia Knight Pulliam, Jean Marsh, Rene Auberjonois FSK: unbekannt


Normalerweise vergreift man sich ja nicht an den Kleinen, aber heute ist einfach mal ein Kinderfilm mit dem schönen Original-Titel ’A Connecticut Yankee in King Arthur's Court’ (nach der gleichnamigen Geschichte von Mark Twain) dran, der ins Deutsche simpel ’Zeitsprung in die Tafelrunde’ übersetzt wurde.
Die Story wurde schon rund 55 mal verfilmt (es gibt sogar eine ’Looney Toons’ und eine russische Version), unter anderem mit Will Rogers und Bing Crosby, und zuletzt mit Whoopie Goldberg und Martin Lawrence in der Hauptrolle.
Bevor diese beiden afro-amerikanischen Stars die Titelfigur verkörpern durften, war 1989 die kleine Keshia Knight Pulliam dran, dem Fernseh-Publikum (und solchen, die von ihren kleinen Schwestern genötigt wurden, sich den Humbug anzuschauen) vor allem als kleine Göre ’Rudy Huxtable’ aus der ’Cosby Show’ bekannt.

Everybody was Kung Fu Fighting

Nach kurzer Einführung - die kleine Karen (Pulliam) will endlich selbstständiger sein, hat sogar schon etliche Karate-Stunden genommen, wird aber trotzdem immer noch von ihrer Mutter in die Obhut der großen Schwester zum Babysitten gegeben - kommt es auch schon zum berühmten Time-Shift, jenem sagenumwobenen Zwischenfall, in dem die Gesetze von Zeit und Raum außer Kraft gesetzt werden … und zwar als Karen bei der unautorisierten Reitstunde vom Pferd fällt.
Ähm… also schön, jetzt ist das Mädel im England des Jahres 528 und wird sogleich vom strengen Ritter Lancelot aufgegabelt, für einen Eindringling gehalten und nach Camelot gebracht.
Ihr erinnert euch sicher noch an folgenden Diaog aus ’Ritter der Kokosnuss’:

'Spinnenbein & Krebs & Fisch
Hurtig Kinder kommt zu Tisch!'
“Camelot!“ “Camelot!“ “Camelot!“ “Nur ’ne Atrappe.“ “Pscht!“ und sicherlich erinnert ihr euch auch an den Satz, den König Artus vom Stapel liess, als die ’Knights of the Round Table’- Gesangseinlage vorrüber war: “Gehen wir nicht nach Camelot. Der Fernsehempfang ist einfach zu schlecht.“ (im Englischen etwas besser ausgedrückt: “On second thought, let’s not go to Camelot. It’s a silly place!”)
Natürlich erinnert ihr euch! Stellt euch jetzt vor, die Pythons wären doch nach Camelot gegangen… nur dass sie nicht die Pythons sind, sondern ein kleines, afro-amerikanisches Mädchen, das mitten in die klassiche Intrige am Hofe Arthurs gerät.

“Niemand hat das recht, mich einfach so zu grillen wie ein Schweinerippchen!“

Und ich rede hier nicht nur von der lächerlich, pappigen Burg-Atrappe (it sure is a silly place!), die keinem noch so lauen Windchen standhalten könnte. Nein, auch von den guten Taten der (bald zur “Lady Sir Boss“ geschlagenen) Göre, die dem Hof dank moderner Magie (Poloraid-Kamera. Walkman, Schulbücher, Taschenspiegel) imponiert und nebenbei den Hofdamen Karate und Disco-Dancing beibringt und mit ihnen Kissenbezüge mit der Aufschrift “Save the Elephants“ stickt. Und dann sind da natürlich noch die deppschen Dialoge, die aber auch jede einzelne Minute aufgefahren werden:

“Der Mann mit der Krone da, ist das Arthur?“
“Ihr seid eine gute Beobachterin!“

“Das ist mein Schultornister, kein Buckel!“

und der Klassiker:

“Wenn du gehst, vergiss nicht die Telefon-Taube mitzunehmen.
Du weißt ja, wenn du sie brauchst spiel einfach auf der Flöte!“

Aber nochmal kurz zurück zur Story: Karen kommt dem finsteren Neffen des Königs, Mordred, und seiner Mutter Morgane auf die Schliche, die den König hintergehen, die Bauern schröpfen und demnächst den Thron übernehmen wollen. Und weil ein niederträchtiges ’M&M’ nicht genug ist, wird auch aus Merlin ein Bösewicht gemacht, der den beiden durch finsteren Hokus Pokus tatkräftig zur Seite steht, nicht zuletzt, weil er dank ’Sir Boss’ Karens Zaubertricks aus der Position des Hofzauberers gedrängt wird…

“Jetzt verstehe ich. Eine Zaubertaube. Ihr verwandelt sie in eine riesige Kreatur, und sie wird unsere Feinde zu Tode picken!“

Abjedampft

Ja, es stimmt: Das ist genau die Art von Fantasy-Doofheit, die normal denkende Menschen aufschreien lässt. Aber dumme Sprüche (“Clarence will unsere Schleier. Er plant bestimmt, uns damit zu befreien, glaub ich ...oder Clarence ist seltsamer als wir dachten!“), ’Knights on Bikes’ (müsst ihr selber sehen) und Camelot-Klischees versüßen uns grinsenden Flausköpfen nunmal den Tag. Ich mochte diesen Film. Er ist albern, kindisch und manchmal einfach zu blöd. Aber er tut keinem etwas und die Kleinen werden ihn lieben.


Hudson