Der Zauberbogen



Originaltitel: The Archer: Fugitive from the Empire (1981)
Regie & Drehbuch: Nicholas Corea
Darsteller: Lane Caudell, Belinda Bauer, Victor Campos FSK: 12


Die Achtziger Jahre waren ein Quell etlicher Fantasyfilme. Es erschienen zeitlose Klassiker wie ’Conan - Der Barbar’ und ’Die Braut des Prinzen’, wunderschöne Kinderfilme, wie ’Die Gebrüder Löwenherz und ’Ronja Räubertochter’, fantasievolle Puppentrick-Spektakel wie ’Der dunkle Kristall’ und ’Labyrinth’ und natürlich unzählige, trashige Barbarenfilme wie ’Thor – Der unbesiegbare Barbar’ und ’Ator - Der Herr des Feuers’.
Recht früh in diesem Wust aus Wäldern & Wiesen, Bergen & Burgen, Helden & Prinzessinnen, Schurken & Schwertern, Zauberern & Zauseln, Drachen & Kerkern entstand ’Der Zauberbogen’ aka ’The Archer: Fugitive from the Empire’, ursprünglich der Pilotfilm einer Serie, die leider nie den Äther erreichen sollte.

Echs & Axe gesellt sich gern

“Einstmals in einer Welt die war oder niemals war, in einer Zeit die gewesen sein mag oder auch noch immer sein könnte, einer Zeit, als Magie und Hexerei so wirklich waren wie Tag und Nacht, Mensch und Bestie, Teufel und Engel waren gleich.“

Das Land Malvil:
Brakus, Anführer des ’Clan der Falken’ vereint bei einem Treffen alle Clans des Landes unter seiner Standarte und beschließt nach langem Tohuwabohu einen Pakt, der sie gegen die Horden der einfallenden Draikian-Dynastie vereinen soll.Doch Brakus’ Neffen Sandros und Riis (“…der eine ein Dummkopf, der andere ein Schakal…“) planen einen Putsch gegen den neuen König und verbünden sich mit dem Anführer der Draikianer, dem grausamen Gar. Währenddessen lernt Brakus’ Sohn Toran vom Bogenmeister Mak die Künste des Kampfes und begegnet in einer Höhle der jungen Magierin Estra, die ihm feindlich gesonnen scheint und deren herbeigezaubertes Trashmonster (ganz groß!) Toran erst einmal aus den Kulissen fegen muss. Als er heimkehrt, ist die Feier schon im Gange, Brakus und die Clansgenossen trinken und zechen ausgelassen, nur Sandros macht Stunk und versucht Toran gegen seinen Vater aufzuhetzen. Da platzt diesem der Kragen und er verwemst seinen Cousin vor allen Gästen und stößt im Handgemenge aus Versehen auch seinen Papa um.

Der große Verziehminenix
Dieser (ein stolzer, blonder, dicker Krieger mit Obelix-Zöpfchen und Asterix-Schnurre und gespielt von ’Nackte Kanone’-Partner George Kennedy) ist erzürnt über die peinliche Erniedrigung, zerbricht das Schwert seines Sohnes und verweist ihn des Zeltes. Doch all das war vom hinterlistigen Sandros geschickt eingefädelt. So wird ein Attentat, das ein draikianischer Krieger des nachts auf den König verübt, schließlich dessen eigenem Sohn in die Schuhe geschoben und die Allianz der Clans zerbricht. Einige Clanführer versammeln sich dennoch unter Sandros und krönen diesen als rechtmäßigen Bluterben Brakus’ zum neuen König. Bevor Toran seinem Schicksal durch das Richtschwert erliegt, rettet ihn sein Meister Mak und flieht mit ihm in die Berge, verfolgt von den Draikianern. Toran hat von nun an nur eins im Kopf: Die letzte Bitte seines sterbenden Vaters “Finde Lazar-Sa!“. Dieser soll Toran angeblich den rechtmäßigen Platz auf dem Thron verschaffen können. Mit Maks Zauberbogen ’Elbe’ und dem Gauner Slant im Gepäck verbündet sich der Erbe Malvils mit der undurchsichtigen Magierin Estra (genau, die mit dem Trashmonster!) und macht sich auf die Suche nach dem mysteriösen Lazar-Sa…

’Der Zauberbogen’ war einer der letzten Fantasyfilme der Achtziger, die ich bis vor kurzem nicht kannte, ja noch nicht einmal davon gehört hatte. Da es sich bei diesem speziellen Sub-Genre um meine absolute Lieblingskategorie in Sachen Film und Unterhaltung allgemein handelt, kam die Entdeckung eines bislang unbekannten Exemplars einem zweiten Weihnachten gleich.

"Nen Zehner wenn ich den
Piepmatz vom Himmel hol!"
Schaut man sich die Story von ’The Archer: Fugitive of the Empire’ an, fallen einem sicherlich sofort diverse Parallelen zum ’Krieg der Sterne’ ein, in dessen Fahrwasser das Konzept der geplanten Serie sicherlich entstand.
Mittlerweile hab ich den Streifen dreimal gesehen und darf behaupten, dass er mir mit jedem Mal besser gefiel. ’Der Zauberborgen’ hat nicht nur alles, was ein zünftiges Fantasy-Spektakel benötigt (sympathische Helden, fiese Schurken, scheppernde Schwerter, eine Zauberwaffe, Monster aller Art), sondern kombiniert seine Einzelteile und Schauwerte in einem recht detaillierten Universum, mit einer verhältnismäßig epischen Geschichte zu einem kurzweiligen Abenteuer, das Jung und Alt gleichermaßen unterhalten dürfte.
Die Macher gaben sich sichtlich Mühe und sponnen mit dem Genre-typischen Garn eine Welt, die sowohl in den Dialogen (Fantasy-Namen ferner Königreiche und exotischer Stämme galore!), als auch in Bildern (die verschiedenen Clans und Völker, mitsamt Rüstungen und MakeUp) eine gewisse erzählerische Tiefe durchblicken ließ. Auch in punkto Naturkulissen und Sets ließ man sich nicht lumpen: Das Lager des ’Clan der Falken’, die Stadt ’Kamar’, die ’Fluss-Klippen’, die Höhle ’Lazar Sa’s’; alles mit Liebe zum Detail (und häufig auch zur Nebelmaschine) versehen und gefilmt. Wenn die Schlangenkrieger auf weiter Steppe ihre Kriegspfeifen ertönen lassen, während Blitze einschlagen und ihre Horden zu Felde ziehen, dann ist das schon ein Anblick, der sich im Auge des Genre-Fans festbrennt.
Musikalisch stützte man sich hier komplett auf einen Syntheziser-Soundtrack. Was bei anderen Genre-Filmen dieser Art in die Hose ging, funktioniert hier allerdings erstaunlich gut.

Kein Fantasy-Schinken
ohne voluminöse Hüte!
Zwar fanden sich hier keine bekannten Namen ein (von Kennedy und einem komplett unter Kuh-MakeUp verschwundenem Richard Moll mal abgesehen), doch die Darsteller passen in die Fantasy-Welt wie Arsch auf Eimer. Der indische Schauspieler Kabir Bedi (der neben Peter Ustinov und Michael Caine in ’Ashanti’ spielte und später auch im Bollywood-Boom untergekommen ist) gibt einen ausgezeichneten Bösewicht ab und selbst George Kennedy wirkt trotz schiefer Perücke nicht fehl am Platz. Vor allem aber Victor Campos (’Schwarzer Sonntag’) als liebenswerter Halunke ’Slant’, eine Art super-schuchiger, Sprüche klopfender ’Han Solo’-Verschnitt, dürfte die Sympathien des Publikums schnell gewonnen haben.
Auch MakeUp und Effekte sind (für eine TV-Produktion) nicht von schlechten Eltern. Das Design der reptilienartigen Draikianer ist sehr gelungen, das erwähnte Trashmonster lässt Creature-Freaks in B-Stimmung das Herzerl höher schlagen und Richard Molls lustiges Kuhmonster ist zum Schreien. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die visuellen Effekte beim Abfeuern des Zauberbogens. Da knallt man dem Zuschauer nämlich einen mächtigen Farbfilter auf die Linse, der wohl als Signal “Achtung: Magie im Einsatz!“ zu deuten ist. Wegen mir, solange es beim Aufprall des Pfeiles eine gewaltige Explosion gibt, die alles vom Bildschirm fegt! Da kann Rambo seinen ’Composite Bow’ echt einpacken und nach Hause gehen.
Das einzige, was hier wirklich sauer aufstößt, ist das abrupte Ende, das leider nie eine Fortsetzung finden sollte, was womöglich daran liegt, dass der Film viel zu früh im noch sehr jungen Fantasy-Boom ausgetrahlt wurde.

Nebelmaschine voraus!

Für alle Liebhaber actionreicher, atmosphärischer Fantasy aus den Achtziger Jahren ist ’Der Zauberbogen’ ein Muss. Natürlich haben wir es hier nicht mit einem Meisterwerk a la ’Conan’ oder ’Excalibur’ zu tun, dennoch steht der Film in bester Tradition von ’High Fantasy’ und ’Sword & Sorcery’ und muss sich vor keinem der anderen Vertreter dieser beliebten Genre-Schublade verstecken. Wer ’Krull’ und ’Hawk the Slayer’ mochte, wird den ’Archer’ lieben!


Hudson