Young Warriors


‘Meet the Ultimate Weapon in the Fight Against Crime’


Originaltitel: Young Warriors (1983) Regie: Lawrence D. Foldes
Drehbuch: Russell W. Colgin & Lawrence D. Foldes
Darsteller: Ernest Borgnine, Richard Roundtree, Lynda Day George FSK: 18


Es gibt eine Szene in ’Young Warriors’, die den Film, seine Prämisse und deren Generaldefekt prima zusammenfasst. Unsere Helden, eine handvoll College-Jocks um den Knallkörper Kevin, [MOTIV]dessen Schwester kürzlich von einer widerlichen Rockerbande vergewaltigt und ermordet wurde[/MOTIV], sitzen im Fickzimmer ihrer Studi-Verbindung und schwadronieren über Vergeltungsmaßnahmen:

Wo rohe Kräfte sinnlos walten...
"Wir waren uns doch alle einig, dass wir auf die Jagd gehen wollen, um Tiffanys Mörder zu finden. Knüpfen wir uns doch generell alle Gangster vor die wir finden!"
"Gute Idee aber ungesetzlich."
"Das ist albern! Wir helfen, das Verbrechen zu bekämpfen. Es gibt viele Gruppen die das tun. Die Guardian Angels in New York City. Sie helfen, beschützen und werden respektiert."
"Machen wir doch einen auf Don Quichotte. Das ist sicherer, weil wir nicht fliegen können. Aber woher bekommen wir weiße Pferde und Lanzen?"
„HALT DIE SCHNAUZE VERDAMMT! Ich meine es todernst."
"Okay, ich finde die Idee gut. Es ist besser, als herumzusitzen und zu warten, dass das Gesetz etwas unternimmt."

CloseUp - Überblende zu High-Hit-Synthiemucke, zu der unsere Jungs in Papas Geländewagen durch die Hood cruisen, direkt vor den ersten Tatort, an dem zwei Afroamerikaner zunächst einen Wagen ausnehmen, danach mit den Worten "Hey, schalt das Radio aus, du Idiot!" quasi die vierte Wand durchbrechen und sich schließlich eine Prügelei mit den selbstgerechten Jungs liefern. Natürlich ist keine zwei Minuten später die Polizei vor Ort und nimmt die Jungs in Gewahrsam. Die Verbrecher sind längst über alle Berge.

...
wird Mündungsfeuer nie erkalten.
Dass hier der knapp dreißigjährige James van Patten einen Highschool/College-Bengel spielt, klingt vielleicht nach dem üblichen Overage-Casting, macht, in Anbetracht der Tatsache, dass sein Vater vom knapp Siebzigjährigen Ernest Borgnine verkörpert wird, schon wieder Sinn. Auch wenn Mutti Lynda Day George (’Panik in der Sierra Nova’) wiederum dreißig Jahre jünger als ihr Filmgatte ist.
Borgnine spielt den hilflosen Cop, der sich an das Gesetz halten muss und das Gesetz verbietet nun mal vertiefende Ermittlungen im Mordfall seiner Tochter. Da nützt es auch nichts, dass er Richard Roundtree zum Partner hat. Ganz recht: Fuckin’ Shaft, folks! Aber der hatte in den Achtzigern wohl die Hoffnung kurzzeitig aufgegeben.

Derweil schmeißen sich die Boys in Tarnuniformen und belagern die Kneipe der vermeintlichen Übeltäter (’Palacio Azteca’). Mit Camou-Bandana über der Föhnfrisur und bauchfreiem Camou-Oberteil macht man sich auf in den Kampf gegen das Böse und verzettelt sich schneller, als das Publikum "Eskalation ahoi!" rufen kann.
Ein Pudel namens Butch (er trägt eine Camou-Mütze) wird erschossen, bald sind auch menschliche Kollateralschäden zu beklagen und wenn der Film sich zwischendurch tatsächlich noch die Zeit nimmt, Kevins emotionale Schwierigkeiten in Form von cholerischen Auseinandersetzungen mit seinen Uni-Profs darzustellen, muss man den Machern schon wahre Ambition bescheinigen. Dafür und für die obligatorische Besetzung des 80er-Vorzeige-Babes Linnea Quigley als eine hupende Hupfdohle namens Ginger.

"Das sind die Abiturienten von Malibu High und dies ist ihre Geschichte."

Eine Geschichte voller Missverständnisse, Gewalt und bunter Kleidungsstücke...

’Young Warriors’ ist ein Zugunglück von einem Film, dass den gewillten Zuschauer recht schnell in seinen Bann gezogen hat und von der bizarren Einführung (asozial alberne College-Pranks und widerlicher Gangrape parallel geschnitten) bis zum tragischen Zeitlupen-Shootout-Finale fesseln kann. Voraussetzung sind Vorlieben für die typischen Eighties-Tropes und die Bereitschaft, Drama, Kitsch und Action als erzählerische Einheit zu akzeptieren.


Hudson