Lost World - Die letzte Kolonie



Originaltitel: World Gone Wild (1988)
Regie: Lee H. Katzin Drehbuch: Jorge Zamacona
Darsteller: Bruce Dern, Michael Paré, Adam Ant FSK: 18


Endzeit, Baby!

Zu den furchtbar animierten und mittels Farb-Spielereien verschwommenen Credits wird uns mal wieder der Fortgang der Apocalypse per Voice Over geschildert. Dazu spielt ein Rocksong, dessen Refrain natürlich der Titel ist. (Nur um mal einen Vorgeschmack auf’s Niveau zu geben.)

Story:
Eine kleine Kommune, netter Endzeitmenschen lebt in den verseuchten Tag hinein, haust in alten Autowracks, pflanzt in radioaktiver Erde Obst, das selbst Holländer nicht essen würden und unterrichtet in alten Schulbussen die Kinder des Jüngsten Gerichts.

Ziemlich blöde Bibelbrüder
Wie in einem astreinen Barbaren-Fim, kommt plötlich ein Battallion, weißbekleideter Rambo-Jesuiten mit ausrasierten Nacken auf einem Helikopter (der von einem Panzer gezogen wird) herbei, welche die halbe Kommune niederschießen und die andere Hälfte verschleppt. Der überlebende Siedlungs-Präsi (Bruce Dern, ’Last Man Standing’) zieht daraufhin in die große Stadt (durch brennende Straßen, die mit Autowracks und eingestürzten Neubauten gefüllt sind, hüpfen und gröhlen die Freaks der Post-Apocalypse, also Endzeit-Stimmung Galore) wo er seinen alten Kumpi, den ’Helden’ Landon (Miachael Paré, ’Streets on Fire’) ausfindig macht. Es dauert nicht lange, bis die beiden eine waschechte ’Wild Bunch’ (Revolverheld, Brutalo-Rocker, schwarzer Riesen-Schamane und Kannibale) im Schlepptau haben, die unter dem Versprechen, soviel Wasser zu bekommen, wie sie haben wollen, in die belagerte Siedlung zurückgebracht werden, um die Hippies vor der Killer-Sekte zu beschützen.

Kenner haben’s längst erkannt: ’Mad Max 2’ meets ’Sieben Samurai’…

"Hau ab! Mutti hat zu tun."
… minus Talent und Spannung, möchte ich gleich hinzufügen. Denn ’Lost World’ ist sowohl dramaturgisch, als auch inszenatorisch Endzeit-Schund im typischen 08/15 Setting (Wüste, alles im Arsch, Wasser ist das höchste Gut, Freaks stromern durchs Land blablabla).
Zu schremmelnder Gitarren-Mucke, die sich mit unidentifizierbarem Keyboard-Gequäke abwechselt gurken unsere Protagonisten durch’s Bild, verwandeln die Siedlung in eine Festung (sie stapeln einfach die Autos, in denen die Menschen wohnen, mittels Gabelstapler übereinander), verteilen grobe Sprüche, kiffen und schlitzen und ballern, was das Zeug hält.
Michael Pare und Bruce Dern geben sich keine sonderliche Mühe, ihr ’Können’ unter Beweis zu stellen, für Unterhaltung sorgen immerhin Adam Ant (ja genau, der Pop-Star) als manischer Sekten-Führer und Julius Carry (’Lord Bowler’ aus ’Die Abenteuer des Brisco County Jr.’) als fluchender Kampf-Riese mit lila Nylon-Body und alberner Kettenhaube.
Die Kostüme sind überhaupt so dreist von ’Mad Max 2’ inspiriert, dass man schon automatisch überall nach dem ’Ayatollah aller Rock’n Roller’ Ausschau hält.
Immerhin gibt es neben der trashigen Action, die Fans durchaus zusagen könnte, hin und wieder witzige Momente (Stichwort: Radkappenkiller und brenndes Finale zum hart gerödelten ’Star Spangled Banner’ mit anschließendem Regen, oh Junge!), die das Geschen auflockern. Betonung liegt hierbei aber stark auf ’hin und wieder’.

Auf in den Endzeit-Urlaub!

“Nothing makes sense in a world gone wild!“ sagt Bruce Dern einmal, wenn andere Protagonisten ihm mit Konversationen a la “Go to hell!“ “We’re already there.“ nicht gerade das Wort stehlen. Sinn macht dieser Film überhaupt nur selten, sowohl im eigentlichen ’Sinne’ des Wortes, als auch im ’Sinne’ der Unterhaltung.

Hudson