Wolfmen


‘Just When You Thought It Was Safe To Go Down Under’


Originaltitel: Howling III (1987) Regie: Philippe Mora
Drehbuch: Gary Brandner & Philippe Mora
Darsteller: Barry Otto, William Yang, Imogen Annesley FSK: 16


Nach der unglaublichen, aber wahren Supertrash-Lachnummer ’Das Tier 2’ ließen die (Un)Verantwortlichen den Regisseur Phillipe Mora tatsächlich ein Sequel drehen. Dass dabei etwas wie ’The Marsupials’ herauskommt, hätte dennoch niemand ahnen können. Wer könnte schon so viel Bullshit auf einmal vorhersagen?

Raiders of the lost Beutelwolf

“Werwölfe bedrohen die Sowjetunion!“ heißt es zu Beginn, als Prof. Beckmeyer, ein anerkannter Lycantrophopopolologe, ein Video sieht, auf dem Eingeborene einen sichtlich schlecht hergemachten Werwolf am Marter-Pfahl den Rest geben. Das bedarf natürlich einiger Nachforschungen, doch wenden wir uns erst einmal ins australische Outback-Dorf Flow (Flow!), wo eine Werwolf-Hippie-Commune haust. Die junge Werwölfin Jerboa hat keine Lust mehr auf ihren dumm brabbelnden und lästig grabbelnden Papa und verlässt entgegen dessen Warnungen und Versprechungen (“Ich kauf dir einen Sony-Walkman, wenn du dich benimmst!“) die Gemeinde, um im Stadtpark von Sydney vom Assistenz-Regisseur Donny aufgegabelt zu werden.

Blasphemie!
Donny ist der Meinung, Jerboa würde sich prächtig vor der Kamera eines Horrorfilmes machen, an dem er gerade arbeitet. Kurze Zeit später haben sich die beiden verliebt und gepaart und Jerboa mutiert bei einer Strobo-Party zum wölfischen Wesen, läuft vor ein Auto und landet im Krankenhaus. Dort wird entdeckt, dass sie gar kein Mensch ist. Noch bevor genauere Untersuchungen durchgeführt werden können, flieht Jerboa aus dem Spital zurück nach Flow (!). Während sich Donny auf die Suche nach ihr macht und Prof. Beckmeyer eine Spezialeinheit in die Werwolf-Kommune führt, verwandelt sich auf einer Theaterbühne die russische Ballett-Tänzerin Olga in ein Fellknäuel…

…und wenn ihr glaubt, dass diesem Schwachsinn nicht viel folgen kann, dann habt ihr euch geschnitten! Denn der Film geht einfach weiter und weiter und weiter und weiter.

Drehpause
Nach der Attacke auf das Dorf Flow (habt ihr’s endlich gerafft?), wandern unsere Protagonisten erst einmal ins Outback aus, wo sie eine andere kleine Kommune errichten und ihr Kind aufziehen. Ganz recht, Freunde, ihr Kind. Jerboa und Donny bekommen nämlich recht bald kleinen Werwolf-Nachwuchs. Wie praktisch, dass sich im Laufe des Filmes herausstellt, dass die Lycanthros nicht irgendwelche Wölfchen sind, sondern (Achtung!) Beutelwölfe! Jup, oder was dachtet ihr, warum die Macher Australien mit ins Spiel brachten. Ist doch klar Werwölfe sind Beuteltiere und sie tragen ihren Nachwuchs in einer kleinen Felltasche direkt vor der Wampe. Auch verwandeln sich die Hoschis nicht etwa bei Mondlicht, sondern nur bei Strobo-Effekten. Erst einmal in Wolfform, können sogar ihre verbrannten Skelette noch angreifen, aber eigentlich wollen sie das gar nicht. Sie wollen in Frieden leben, ins Kino gehen, um den Film ’It came from Uranus’ zu sehen und auch einfach mal menschliche Nähe zu spüren.

W.E. Coyote auf Roadrunner-Entzug
Die Herangehensweise von Mora ist hier deutlich selbstreferenzieller und (versucht) humorvoller als in ’Das Tier 2’, allerdings nicht nur zum Vorteil des Streifens.
Dass die schauspielerischen Leistungen eher dürftig sind und keinerlei namhafte Präsenz auf dem Schirm zu sehen ist, die Effekte denkbar mies sind und die Message plemplem ist (der Papst leitet schließlich Friedensverhandlungen ein), stört Trashliebhaber sicher wenig. Dass der Film dabei zu viele Schlenker nimmt, keine narrativen Grenzen kennt und nach dem eigentlichen Höhepunkt dann noch etliche Minuten braucht, um schließlich zum Finale den Schlussgag aus dem ersten Teil noch einmal zu kopieren, ist hingegen unverzeihlich.

“Ich will nicht zurück nach Hause!“
“Wieso nicht?“
“Mein Stiefvater hat versucht mich anzufassen und er ist ein Werwolf.“

Üärghs...

’Howling III’ aka ’Wolfmen’ beschreibt die allumfassende Chronik einer depperten Begebenheit (Werbeutelwölfe), weiß nur leider überhaupt nicht wie das einigermaßen stringent anzustellen ist. Es gibt ein Wort für Filme wie den hier. Es lautet ’Träsch’.



PS:

Is klar, ne?













Hudson