Wolfhound



Originaltitel: Volkodav iz roda Serykh Psov (2006)
Regie: Nikolai Lebedev Drehbuch: Nikolai Lebedev & Mariya Semyonova
Darsteller: Aleksandr Bukharov, Oksana Akinshina, Igor Petrenko FSK: 16


Erinnert ihr euch an die genervten Dorfbewohner zu Beginn von Mel Brooks ’Robin Hood – Helden in Strumpfhosen’, die sich beschwerten, dass in jedem verdammten ’Robin Hood’-Streifen ausgerechnet ihr Dorf abgefackelt würde? Nun, diese Bauern sollten froh sein, dass sie nicht Statisten eines Barbarenfilmes sind, denn wenn es irgendwo angekokelte Strohhütten, erschlagene Väter und verwaiste Söhne gibt, dann in diesem Sub-Genre der Fantasy.

A man & his bat

Ein klassischer Barbarenfilm ist ’Wolfhound’ zwar nicht, bedient sich (neben zottiger Frisuren, Schwerter und Zauberei) dennoch des klassischen Auftaktes, der Genre-Fans aus dem ’Sword & Sorcery’ Primus ’Conan - Der Barbar’ bekannt ist.
Hier reichen Stichpunkte: Friedliches Dorf, Vater Schmied, Mutter Dorfschönheit, Sohn der ganze Stolz der Eltern, um sie herum schlurfige Dörfler, ein paar Stohhütten und im Unterholz lauert schon die Armee des Bösen, um dem Frieden ein Ende zu bereiten. Nachdem das Dorf abgebrannt, die Eltern feige ermordet und der Junge in die Minen zum Schuften geschickt wurde, gibt es einen Zeitsprung.
Der Knabe von einst ist nun ein stattlicher, bärtiger und haariger Mann, dessen Herz von Rache erfüllt ist. Er ist nun frei, reist allein, sein einziger Gefährte ist eine behinderte Fledermaus, die nicht mehr fliegen kann, ansonsten aber recht putzig ist.

Wir mussten lange warten:
Der neue Schuppen-Skeletor!
Auf der Suche nach dem Mann, der seine Eltern tötete, verschlägt es den ’Wolfshund’ (so nennt er sich) zunächst in die Festung des ’Menschenfressers’, eines lokalen Schurken der mitverantwortlich für seine Versklavung war. Von dorther befreit er einen greisen, blinden Heiler und eine junge Sklavin. In Begleitung eines kleinen Treks, dessen Anführer ein Diener der Prinzessin Helen ist, gelangt Wolfshund in die Stadt Galirad. Hier gerät er nach weiteren Abenteuern und der Bekanntschaft eines jungen Gelehrten, den er ebenfalls aus der Sklaverei befreit, in die Dienste der Prinzessin selbst. Als ihr Leibwächter begleitet er Helen durch zahlreiche Gefahren zu ihrer Hochzeit mit dem Sohn des ’Menschenfressers’, um den Frieden zwischen den Königreichen endlich wieder herzustellen. Doch der finstere Kriegsherr Zhadoba, Mörder von Wolfshunds Eltern und Träger der tierischen Totenkopfmaske in Elfenbein hat andere Pläne. Er will die Todesgöttin Morana erwecken und er benötigt das Blut der Prinzessin dafür…

Sowohl erzählerisch, als auch visuell ist ’Wolfhound’ eine Melange aus diversen Elementen, die wir bereits aus den Genre-Kronen ’Herr der Ringe’ und ’Conan’ (und darüber hinaus auch aus ’Excalibur’ und einigen weiteren Fantasy-Hauern der Achtziger) kennen- und lieben- gelernt haben. Abgesehen davon, dass auch diese Filme ältere Sagen geplündert haben, hält sich der russische Beitrag zur Epic-Fantasy an die eiserne Regel: ’Wenn du klaust, dann klau bei den besten und mach es besser gut!’

*Insert random Manowar Lyrics*
Natürlich reicht selbst das meist nicht und genau hier kommt ’Wolfhound’ die recht eigene Stimmung zu Gute, geprägt von russischen Mythen, ausgestattet mit erdigem Fantasy-Kolorit und grandios fotografiert. Die Story führt den charismatischen Helden, sympathisch finster gespielt von Aleksandr Bukharov, durch klassische Fantasy-Szenarien wie den dunklen Forst, den gefährlichen Sumpf, die schattige Festung, vorbei an vermummten Schergen, hinterlistigen Verrätern und Nebelmonstern, bis hin zum unglaublichen Finale, in dem er das wohl längste Lichtschwert der Welt gegen … aber das kuckt euch lieber selbst an.
Stets an seiner Seite: Seine Fledermaus, die tatsächlich einen ausgezeichneten Sidekick abgibt und in dem sonst eher ernsten Szenario für einen Hauch Comic Relief sorgt (das Vieh erinnert entfernt an die Eule Bubo aus dem ’Kampf der Titanen’). CGI-Technik kommt nicht nur bei dem kleinen Begleiter zum Einsatz. Beim Finale (logisch), einigen Feindbegegnungen und vor allem bei besonders weitreichenden Far-Out-Shots werden computergenerierte Bilder zu Hilfe genommen, die auch aus US-amerikanischen High Budget Produktionen stammen könnten (’Wolfhound’ selbst ist einer der teuersten russischen Filme aller Zeiten).

Star Trek war gestern.
Heute ist Sea Trek!
Und auch die wunderschöne Landschaft der Slowakei mit ihren Seen, Bergen, Wiesen und Wäldern kann sich in den besten Momenten mit Neuseelands ’Mittelerde’-Pracht messen (wo wir gerade dabei sind: die Stadt Galirad erinnert sicher nicht von ungefähr an ’Edoras’). Obwohl der Fokus auf der Titelfigur bleibt, gibt es unzählige Nebencharaktere, die mal mehr mal weniger ausgereift sind, jedoch von anständigen Schauspielern verkörpert werden.
Neben dem platt gemopsten Anfang ist es lediglich die unglücklich inszenierte, bzw. zuweilen schlecht geschnittene Action, die mir missfiel. Der Rest reiht sich beinahe nahtlos in die tollen Fantasy-Schinken der Achtziger-Jahre ein. Mit seinen klassischen Themen wie Rache und Verrat, der tollen Ausstattung, dem grimmigen Helden und den epischen Ausmaßen wird ’Wolfhound’ auch bei westlichen Fans Anklang finden. Jetzt schaff mir bitte irgendwer eine Fortsetzung ran, aber bitte genauso gut geklaut!


PS: Einer kleiner Blick auf's Finale sei euch gewährt...

Bolschoi, Baby!














Hudson