Wolfen


‘Their hunting ground - New York City.
Their prey - the people.’


Originaltitel: Wolfen (1981) Regie: Michael Wadleigh
Drehbuch: David Eyre, Whitley Strieber, Eric Roth & Michael Wadleigh
Darsteller: Albert Finney, Diane Venora, Edward James Olmos FSK: 18


1981 war zweifellos ein Jahr voller Sternstunden des Werwolf-Filmes.
Neben John Landis’ ’American Werewolf’ und Joe Dantes ’Das Tier’, gelang es auch ’Woodstock’-Regisseur Michael Wadleigh mit ’Wolfen’ einen zwar eigentümlichen, aber sehr atmosphärischen Meilenstein dieses Sub-Genres zu setzen.

Vom Kater zu den Wölfen
Der Film beginnt mit dem bestialischen Mord dreier Menschen, unter ihnen ein reicher Industrieller. Die Polizei leuchtet von ’Psychopathischem Blutbad’ bis hin zu ’internationalem Terrorismus’ jedes mögliche Motiv aus, bleibt aber erfolglos. Der abgewrackte und soeben aus der Suspendierung zurückbeorderte Detective Wilson (Albert Finney, ’Big Fish’) kommt während Ermittlungen zwischen den abgerissenen Fassaden der Bronx auf eine ganz andere Spur. Mithilfe seines Partners (Gregory Hines, ’Cotton Club’) und einer Psychologin (Diane Venora, ’FX-Tödliche Tricks’) stößt er auf Wolf-Mythen einer uralten Indianer-Legende…

Die Stellung des Menschen als oberstes Glied der Nahrungskette wurde schon in manchen Filmen diverser Machart in Frage gestellt. ’Wolfen’ nimmt unter diesen eine ganz besondere Stellung ein.
Nach einem Roman von Whitley Strieber (der ja auch bekanntlich schon mal den einen oder anderen Außerirdischen zu Besuch hatte) wird hier der Horror ins Urbane verfrachtet, nämlich die brüchigen Slum-Ruinen des New Yorks der frühen 80er, die von einer bedrohlichen Stimmung heimgesucht werden.
Die titelgebenden Bestien bleiben vor dem Auge des Zuschauers zunächst verborgen, bekamen aber eine eigene visuelle Perspektive spendiert, die hier (im Gegensatz zu anderen Filmen, die dieses Feature ihr eigen nennen) tatsächlich konsequent eingesetzt wird. Überhaupt wird das Thema Wahrnehmung bei ’Wolfen’ zu einem zentralen Aspekt gemacht. Der Verlust der Sinne, so sagt eine der Figuren, sei dafür verantwortlich, dass der weiße Mann dem Tier letztendlich doch unterlegen ist. Selbst in dessen Großstadt, von deren Abfall (den Obdachlosen) sie sich ernähren, in deren Müll (den Slums) sie jagen.
“Für sie seid ihr die Wilden!“

In the Ghetto
Die spirituellen, indianischen Motive werden, sicher zum Unmut des einen oder anderen, nie ganz aufgeklärt. Zudem ist ’Wolfen’ mit knapp zweistündiger Laufzeit vielleicht doch 20 Minuten zu lang.
Obwohl mit Blut und derben Effekten nicht gegeizt wird, hält sich der Gewaltspiegel, zugunsten von Neugier und Spannung, in Grenzen.
Neben dem ausgezeichneten Albert Finney, werden die Nebenrollen mit Edward James Olmos (’Blade Runner’), Dick O’Neill (’Mosquito Coast’), Tom Noonan (’Manhunter’), James Tolkan (‘Zurück in die Zukunft’) und Reginald Vel Johnson (’Stirb Langsam’) von namhaften Darstellern übernommen. Sogar ein Cameo von Reibeisen-Gurgel Tom Waits gibt es zu bewundern (und ja, der hat auch schon 1981 so geröhrt!).
Fans von James Horner werden bemerken, dass sich dessen späterer ’Aliens’-Score hier eindeutig so mancher Noten bedient, was den gelungenen Klängen, die den Film begleiten aber nicht schadet.

’Wolfen’ ist interessantes, unkonventionelles Horror-Kino. Eine Klasse für sich, aber nicht gänzlich makellos. Mit seiner teils kunstvollen (beinahe surrealen) Optik, der originell-düsteren Stimmung und den hervorragenden Schauspielern ist er für jeden Grusel-Fan Pflichtprogramm.

Hudson