Wolf Devil Woman



Originaltitel: Lang nu bai mo (1982) Regie & Drehbuch: Ling Chang
Darsteller: Ling Chang, Hsing Nan Ho, Chung Hu FSK: unbekannt


Zur Einstimmung...

Es ist mal wieder höchste Zeit, euch ein Stückchen taiwanesischen Filmwahnsinn näher zu bringen. Also hock' ich jetzt hier vor Flimmerkiste und Rechner, mit Broten und einem Teller Linsensuppe, um mir ein weiteres Mal Pearl Cheung Lings "Wolf Devil Woman" zu geben.
Alleine das Intro wäre es schon wert, dem kompletten Film direkt 5 Punkte zu geben. Ich meine: Ein dunkles Ritual, Dämonen, ein Typ wird gekreuzigt und per Voodoopuppe bearbeitet während Zeichentrickblut spritzt. Geil.
Ein großes Manko hier ist allerdings die unglaublich dumme englische Synchro (die konnten es nie und werden es nie können) und die qualitativ eher maue Vollbildversion... na ja, Taiwan halt. Mit Filmkonservierung hatte man es nicht so... eine Schande geradezu, wenn man bedenkt was für gnadenlos geile Streifen der Nachwelt verborgen bleiben.

Auch heute haben wir wieder
Wetter, Wetter, Wetter
Glücklicherweise gibt es ja für solchen Filmunsinn ein paar beherzte Bootlegger, die aus arg seltenen VHS einfach mal 'ne DVD machen, anders wäre es aber wohl auch eher weniger möglich an einen Film wie Wolf Devil Woman ranzukommen.
Weiter im Text, Pearl Cheung Ling (aka Ching Lang), Taiwans Actionheldin par excellence hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, ihre Karriere dem Verfassen von unglaublichen Scripten, sowie der noch unglaublicheren Umsetzung auf Zelluloid zu widmen. Anders kann man sich das nicht erklären. "Wolf Devil Woman" stammt jedenfalls komplett aus ihrer Feder, genauso wie der nicht weniger bekloppte Nachfolger "Matching Escort".
Und wahrlich, ich sage euch... WENN ein Film nach einem solchen Vorspann dann fortgesetzt wird mit einem Pärchen samt Baby, das von einer Horde Dämonenkrieger verfolgt und gestellt wird, sich dann selbst tötet um mit ihrem Blut das Kind zu wärmen während sie mit ihren Köpfen einen Berg rammen und so eine Lawine auslösen, welche das Paar samt Baby begräbt, DANN kann ich wirklich KEINEN Grund sehen warum man diesem Meisterwerk nicht wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Friedhof, Feuerbälle, Gehängte...
Ich bin dabei, wer noch?
Na jedenfalls wird unsere Heldin dann spontan von einem Rudel Wölfe (die übrigens auch von MENSCHEN synchronisiert wurden aber trotzdem bellen und knurren) aus dem Schnee gebuddelt und - ihr habt es sicherlich schon erraten - von eben jenen aufgezogen. So wächst unser Mädel heran, trägt Pelz, jagt gemeinsam mit den Wölfen und reißt auch gern mal ein Karnickel. Und wenn ich reißen sage, dann meine ich auch reißen... also... auseinander reißen. Als sie sich bei der Jagd verletzt, wird sie von den Wölfen durch eine Art Medizin (sah aus wie 'ne Kirsche, war aber wohl 1000jähriger Ginseng) fix geheilt und dadurch nahezu unverwundbar gemacht. Ist ja immer ziemlich hilfreich sowas.
Jetzt begegnen wir den anderen Protagonisten dieses Films, einem jungen Schwertkämpfer und seinem, öhm, dämlichen Sidekick, die man der Einfachheit halber in der englischen "Synchronisation" Rudy und Rudolph genannt hat. Die schießen das Mädel im Affekt erstmal per Pfeil über den Haufen und killen den angreifenden Wolf der sie beschützt. Das Mädel wird dann von den beiden gerettet... man fühlt sich ja schuldig und schließlich schießt man 'nem Menschen nicht einfach 'nen Pfeil in die Brust. Außerdem erfahren wir, dass es um den Ginseng geht, denn die beiden sind auch hinter eben jenem her...

Ganz im Ernst... Wer macht
solche Kostüme und sagt,
"Ey, das is 'ne echt geile Idee"?
Warum trägt die Wolfsfrau eigentlich dickes Makeup? Und wer zum Teufel glaubte, es sei eine unglaublich geile Idee, ihr als Mütze einen Plüschköter auf die Omme zu binden? Fragen über Fragen, denn es sind natürlich auch die beknackten Kleinigkeiten die dieses Meisterwerk in den Olymp taiwan'scher Filmkunst hieven. "Wonderful, i think you can learn to speak!", und damit sind wir auch schon beim sprechen lernen. Rudolph spielt Flöte, Rudy verhält sich dämlich wie immer und das Wolfsgirl erhält den Namen "Snow Hibiscus", lernt sprechen und lesen. Und immer immer wieder diese unglaublich beschissene Synchro...
Rudolph und Rudy kehren zurück in die Heimat, Wolf Woman bleibt wo sie ist.
Es kommt wie es kommen muss, Rudolph wird vom Bösewicht entführt, und das Wolfsgirl eilt to the rescue. Mit neuem Style und 3 langen Federn im Haar macht sie sich auf den Weg und schwingt sich von Baum zu Baum um ihren Wohltäter und Loveinterest zur Hülf zu eilen. Währenddessen hat sich Rudolph bereits vom Bösen verführen lassen und "rekrutiert" jetzt selbst die Lords in der Gegend für die böse Sache. Unser Wolfgirl benimmt sich derweil in einem Gasthaus daneben und säuft sich die Hucke dicht wodurch sie erstmal zur weißhaarigen Wolf Devil Woman mutiert und erstmal den kompletten Gasthof zu Klump haut.

Zeichentrickblut, ohne Scheiß!
Ich hab' mehrmals zurückgespult.
Vom wütenden Mob gefangen genommen geht's erstmal ab in den Brunnen denn, so 'ne ordentliche Folter muss ab und an schon sein. Zufällig kommt Rudy des Wegs und versucht zu helfen, wird aber gleich mitversenkt. Plötzlich treiben die beiden im Fluss an Rudolphs altem Meister vorbei, yeah... well... soll ja vorkommen. Der zieht die beiden dann per Angel an Land. Dort erfährt Wolf Woman dann erstmal von ihren Eltern, und laut ihm is dat aaaaalles Schicksal und sie hätte 'ne Mission. Schwupps - Racheengel ist am Start. Mit weißem Kleid und weißem Haar geht's auf Teufeljagd. Da werden auch schon mal per Wolfspeitsche (zusammengebundenes Fell mit Krallen) ein paar Köppe entfernt. Der folgende Rachefeldzug ist liebenswürdig, blutig und mit den gnadenlos geilsten Effekten gespickt. Ein Fest!!! Im Ernst, wenn man auch nur ein kleines bisschen auf Easterntrash steht, dann MUSS man das Ding hier gesehen haben. Da wird im Finale echt einiges ab- und auseinander gerissen. Dazu noch die teilweise echt fantastischen Plastikkulissen und der geile rote Piraten-Totenkopp auf dem Glitzerspitzhut des Bösewichts, der so aussieht als wäre er von einem fünfjährigen aus Pappe ausgeschnitten worden.

"Who are you???"
"20 years ago, i was the baby of steel sparrow!"
"Whaaaaaaaaat??? You were the baby in the snow??"
"Now is the time for revenge!!!"

Da kann die Freiwillige Feuerwehr in Taiwan noch ordentlich wat lernen -
So wird's gemacht wenn mal einer mit Zeichentrickfeuer brennt.

Und als wenn der Streifen ohnehin nicht schon genial genug gewesen wäre, wird natürlich im Finale noch eins draufgesetzt. Vampire, Zombies, Dämonen, Kopf-Ab-Gags und Zeichentrickeffekte. Supergeil wird's dann wenn Rudolph mit magischem Zeichentrickfeuer brennt und Wolf Woman sich in den Arm beißt und das herausschießende Blut ihn löscht. Ehrlich, da konnte ich nicht mehr. Fantastisch!
Der zweite Teil ist übrigens nicht weniger genial. Ich meine mich zu erinnern, dass sie sich da am Ende zwecks Hilfe den Arm komplett absäbelt.
Eigentlich 'ne deutliche 4-5er Tendenz, aber da das Teil hier absolut hilarious und partytauglich ist gibt's folgendes:


Goatscythe