Wizards of the Lost Kingdom


‘Magier der verlorenen Welten’


Originaltitel: :) (1985) Regie: Héctor Olivera Drehhbuch: Tom Edwards
Darsteller: Bo Svenson, Vidal Peterson, Thom Christopher FSK:12


„Das Zeitalter der Schwarzen Magie, der Hexenkünste und des Terrors!“

Und der Schrecken ereilt mich auch schon gleich, als ich sehe wie im Vorspann doch tatsächlich Szenen aus dem Trash Knüller ’Der Todesjäger’ eingefügt wurden, die eine Art Vorgeschichte für den folgenden Streifen bilden.
Aber anstatt dem B-Film Pabst Roger Corman eine solche Verwurstung übel zu nehmen, lehne ich mich zurück, und rede mir ein, dies sei endlich die (von mir) langerwartete Fortsetzung meiner Lieblings Sandale (die offiziellen ’Todesjäger’ Sequels hatten ja nichts miteinander zu tun).

"Das macht der schon den
ganzen Tag! Es nervt!!"
Wie sich herausstellt, wurde der Jäger schwupps umbenannt und heißt jetzt Tylor, König Tylor, dessen Volk in Frieden und Wohlstand lebt. Da ein solcher Zustand in Fantasyfilmen aber nie von Dauer ist, kommt nach dem Vorspann auch schon eine finster bemantelte Armee herbei. Sie greifen die Burg an, stürmen den gut besuchten Marktplatz und metzeln alles nieder (ausser natürlich den Kindern, die versaklvt werden…kennt man ja!). Es stellt sich heraus, dass die Königin ihren Mann hintergangen hat und mit Hilfe des bösen Zauberers (Achtung, jetzt kommt’s) Shurka die Macht an sich reißen will. Dieser finsterer Geselle befehligt nicht nur die Invasion, er trägt auch ein güldenes Fledermaus-Käppi und befehligt kleine Helferlein, die Corman scheinbar aus der Armee der ’Munchkins’ ( ’Zauberer von Oz’) abgeworben hat. Shurka tötet den betrogenen König (adieu, Todesjäger) und steckt seine Tochter in den Kerker.
Da aber jemand die Kohlen aus dem Feuer holen muss, stellen uns Corman und Regisseur Olivera (der auch für die weniger spassige ’Barbarian Queen’ verantwortlich war) den jungen Zauberer Simon zur Seite. Dessen magisches Schaffen beschränkte sich jedoch bis dato auf Botengänge für seinen Vater und trällernde ’Rattenvögel’ (muss man gesehen haben).

GULFAX!!!
Mit Hilfe eines magischen Ringes entkommt Simon den Bösewichtern und macht sich auf, das Königreich zu befreien. Zu seiner Unterstützung hat er ein yeti-ähnliches Wesen namens Gulfax dabei, das aussieht wie eine Mischung aus Chewbacca und Zotti, dem Urvieh.
Die beiden treffen bald auf den Abenteurer Kor (Bo Sevenson, ’Kill Bill’), der sich ihnen nach anfänglichem Zögern anschließt.
Shurka und die Königin haben selbstverständlich (Das sind die Regeln der Fantasy!) eine ’Magische Badewanne’, durch welche sie die beiden beobachten können und schicken ihnen allerlei arge Gestalten auf den Pelz.
Da gibt es eine verführerische Nymphe, die sich in einen Riesenkäfer verwandeln („Das ist Akasia, meine Insektin!“) und einen mysteriös behelmten Hünen (erinnert an Monthy Pythons Schwarzen Ritter) der scheinbar alle Sprüche von Darth Vader auswendg gelernt hat und fast noch alberner aussieht als der Yeti. Und um die Zombie-Welle Mitte der 80er zum Überschwappen zu bringen, packte Corman auch noch ein paar lebende (und nuschelnde) Tote in den Film:

Shurka von der Schurkeninnung
“Wer erweckt uns? Wer stört die Toten? Wer? Wir sind des Grabes Mühle. Wir sind sehr einsam. Sehr einsam. Kommt mit uns. Komt mit den Toten. Wir brauchen frisches Blut. Frisches Blut.“
Und während Shurkas Schergen munter weiter im Königreich plündern, brandschatzen und morden (Die Jungs sind echt fleissig. Schön mal eine böse Armee zu sehen, die sich nicht nur auf ein Dorf im Vorspann konzentriert!) versucht der finstere Lord selbst, die junge Prinzessin zu hypnotisieren, auf dass sie ihn baldigst ehelicht und seinen wilden Gelüsten möglichst willenlos zur Verfügung steht.

Ach Du grüner Gummidrache! Was uns Roger ’Low Budget’ Corman hier wieder auftischt ist beinahe nicht in Worte - oder überhaupt zu fassen!
’Wizards of the Lost Kindom’ ist Trash-Fantasy-Kost in Reinkultur. Will heißen, ’rein’ gar nichts deutet hier auf ernstgemeinte, professionelle und handwerklich perfekte Kunst hin.
Da wird der Wald hinter dem Grundstück zum Drehort erklärt, bierwampige Chargen als Barbaren ausgegeben und Zeichentricks als Spezialeffekte verkauft.

Überbiss und Sichtprobleme,
aber volles Haar
Aber mal im Ernst…Moment mal. Nix da! Ernst ist bei dieser Produktion so angebracht wie ein lauter Furz auf Omas Beerdigung.
Denn, kommt auch alles aus der untersten Schublade (Tricks, Schauspieler, Soundeffekte, Buch etc. etc.), so ist doch der Spassfaktor bei dem Streifen (teilweise aus eben jenen Gründen) enorm hoch. Der Film unterhält und macht Spass und ich kann mir den Vergleich mit einer ordentlich durchgeschüttelten Dose Bier nicht verkneifen. Wer sie öffnet, bekleckert sich zwar, hat aber ordentlich was zu Lachen!
Es ist schwerlich vorzustellen, dass auch nur ein ’Schauspieler’ hier nicht wusste, in was für einer Produktion er mitwirkte. Dementsprchend trashig sind dann auch die Leistungen eben jener Akteure. Die charmante Frivolität von Svenson sticht besonders hervor und dessen witzige Sprüche wissen durchaus zu gefallen (Die Szene mit dem Zyklopen, dessen Schwester er heiraten soll ist zum -gewollten- Schieflachen!).

Das ist doch der Trick aus
Lords of Magick’!
Und Corman präsentiert eine wunderbar alberne Vielfalt an Gummimonstern und Wesen, die ihren Ursprung in allen möglichen Mythologien und Märchen haben. So treffen unsere Helden unterwegs einen lustigen Zauberer im Gartenzwergformat, der in einem Pfefferkuchenhäuschen lebt und ihnen folgenden Tip gibt: „Der schnellste Weg führt durch die Selbstmörderhöhle. Ein grauenhafter Ort.“
Das kraftvolle Hauptthema des Musikalischen Scores (von dem ich mir fast sicher bin, dass er schon in etlichen anderen Corman Produktionen verwendet wurde) verliert troz mehrfacher Verwendung nie ganz ihren Reiz, wird jedoch zwischendurch von eher durchschnittlichen Kompositionen ergänzt.
Angeblich soll der Film auch für das jüngere Publikum gemacht worden sein. Aber einen solchen Film, dessen Anfangssequenz aus diversen Schlachtszenen des ’Todesjägers’ (FSK 18) editiert wurde, kann ich nun wirklich keinem Sechsjährigen empfehlen. Dafür geht es hier ein wenig zu martialisch vor.

The Cutest Bunch in Town!

Es gibt immer Leute, die Filme wie ’Wizards of the Lost Kingdom’ verteidigen und solche, die sie als ’Schlechteste Filme aller Zeiten’ etikettieren. Ist das Werk unterhaltsam genug, tendiere ich eher dazu, mich der erster Fraktion anzuschließen. Und unterhaltsam ist ’Wizards of the Lost Kingdom’ allemal.
„Wir haben alle das Gefühl, wir brauchen jemand. Aber ich frage mich; ist dieser jemand nicht schon in uns selbst?“ sagt Bo Svenson am Ende und verschwindet in das letzte Fantasy Panorama des Films. Welch grandioses Fazit, von einen Söldner namens Kor, der soeben eine Armee von Pappkameraden und Gummimonstern ins Jenseits befördert hat!

Hudson