Witchboard


‘This game could be fatal. Don't play it alone.’


Originaltitel: Witchboard (1986)
Regie & Drehbuch: Kevin Tenney
Darsteller: Todd Allen, Clare Bristol, Burke Byrnes FSK: 16


Was machen, wenn die Party stinkt? Mehr saufen, Heavy Metal hinzufügen oder einfach abhauen wären 3 Optionen.

W-e-r-d-a-s-l-i-e-s-t-i-s-t-d-o-o-f!
Im Film ’Witchboard’ wird von einem oberschlauen Partygast das sogenannte Ouija-Board rausgekramt und alle sind ganz Ohr und Auge. Das Ouija-Board ist eines jener dämlichen Hexen-Spielbretter, das paranormale Weihrauch-Smoker oder verzweifelte Jugendliche aus dem Nachttisch kramen, wenn sie gerade wieder einmal in einer spirituellen Phase stecken (Sorry folks, ist nicht böse gemeint. Ich liebe euch alle!). Hausdame Linda und jener Partygast, ihr Ex-Lover Brandon, spielen das ’Spiel’ und versuchen, zum Spott von Lindas neuem Freund Jim, den Geist des kleinen David herbei zu rufen. Dies gelingt zuerst tatsächlich, doch Jims Frotzeleien erzürnen das Geistlein und es lässt zornig Brandons Autoreifen zerplatzen. Tolle Nummer, alle lachen und gehen dann nach Hause. Linda jedoch ist fasziniert von dem Board und benutzt es, entgegen Brandons Warnungen, auch alleine und nimmt neuen Kontakt zu David auf.
Das ist normalerweise die Stelle im Review, in der steht: Es kommt zu merkwürdigen Begebenheiten. Und, machen wir uns nichts vor, wozu sonst sollte es in solchen Situationen kommen? Zum Pokerabend? Zum Mexican StandOff? Zum Abspann? Nein, es kommt zu merkwürdigen Begebenheiten.
Seltsame Träume. Jemand stirbt. Die Polizei schaltet sich ein. Ein schräges Medium nimmt Kontakt mit David auf. Linda übt sich in wilden Zuckungen. Und Brandon und Jim räumen ihre Vergangenheit auf und sprechen sich endlich aus:

"Das soll 'ne Axt sein?"
“When she reaches this stage, the Spirit changes. He starts to frighten and terrorize her. Gradually breaking down her resistance And once this is done… he’s able to possess her.”
“So what you’re telling me is, that I’m living with Linda Blair?”

Heheheh, ja, der war nicht schlecht.
Und auch ’Witchboard’ ist weit davon entfernt, ein schlechter Film zu sein. Und das, obwohl er sich um ein dämliches ’Hexen-Spielbrett’ dreht. Versteht mich nicht falsch, liebe Ouija-Board nutzenden Randgruppen, aber in die Welt des Gläserrückens, des Beschwörungen-Murmelns und des Seancen-Abhaltens bin ich einfach nie eingetaucht und zwar, weil ich sie für absolut dämlich halte. Dass Regisseur Kevin Tenney (’Anthony 2’) einen spannenden, verdammt gut inszenierten Gruselfilm um das Thema herum gesponnen hat, ehrt ihn. Tenney, der auch füt das stimmige Drehbuch verantwortlich war, bedient sich visueller Kniffe, die vielen Beiträgen im Genre-Kino der Achtziger leider abgingen. Einige fast hypnotische Kamerafahrten sind schon eine Klasse für sich. Darüber hinaus gibt’s hier endlich mal wieder begabte (wenn auch eher unbekannte) Schauspieler, die ihre Charaktere mit Respekt behandeln und dem Zuschauer eine (in ihren besten Minuten mitreißende) Show der Zwischenmenschlichkeiten bieten. Genau so täuscht man über ein schmales Budget hinweg. Denn auf große Effekte darf man hier nicht hoffen, der Einsatz von Kunstblut hält sich dezent in Grenzen. Dafür gibt’s einen (für seine Verhältnisse) gelungenen Synthie-Score.

"DAS ist 'ne Axt!!!"

Bis zur etwas schwächelnden Auflösung ist ’Witchboard’ spannendes Gruselkino, das sich seinen Platz außerhalb der Tinnef-Horror-Kramkiste durchaus verdient hat. Für die respektablen Darsteller, die Kamera-Arbeit und den witzigen Schlussgag gibt’s von mir ein klares ’YES’.


Hudson