Wir sind die Stärksten



Originaltitel: Noi non siamo angeli (1975) Regie: Gianfranco Parolini
Drehbuch: Abronio Corti & Gianfranco Parolini
Darsteller: Paul L. Smith, Michael Coby, John Ireland FSK: 12


Ich hatte schon von diversen Spencer/Hill-Ripoffs gehört, mich jedoch anständig und ehrenhaft von diesen Schinken ferngehalten. Im Dienste von FilmFlausen ist mir nach langjähriger (und immer noch ungebrochener) Treue dem Original-Duo gegenüber nun endlich ein solches Exemplar in die Finger geraten und was blieb mir anderes übrig, als den Streifen mit leichter Skepsis und schwerer Hoffnung in den Player zu schieben, die Zähne zusammenzubeißen und … ma’ kuck’n.

Auch wenn's von Weitem so aussieht...

Toby und Butch sind Partner und waschechte Halunken der gewollt liebenswerten Art. Mit dem Gewinn eines Preisboxkampfes kaufen sie sich ein fesches Automobil und düsen nach Nevada, wo sie in einem typischen Westernkaff ein Transportunternehmen (“Pendelverkehr mit Autos“) gründen wollen. Bald geraten ihre Fäuste in die Machenschaften örtlicher Krimineller, ihre Hände an die Ärsche der Dorfschönheiten und ihre übrigen Körperteile in zwei Paraglider, in welchen sie ein Autorennen austragen. Fragt nicht.

“Die beiden bauen einen ausrangierten Wagen auf, den die Strattons als Hühnerstall genutzt haben.“
“Sofort zu Klump schlagen!“

Man sollte skeptisch bleiben, wenn bei solch einer Juxkopie nicht einmal der Name Rainer Brandt unter dem ’Deutsche Fassung’-Credit blinkt. Traurig aber wahr, hier wird vom Stil, über den Humor, die Musik und die Story, bis hin zur Synchro zu kopieren versucht, was die Spencer/Hill-Streifen groß gemacht hat, ohne jemals auch nur annähernd dessen Klasse zu erreichen. *
Das fängt schon bei den beiden Hauptdarstellern an, die ihre überlebensgroßen Vorbilder vom Scheitel bis zur Sohle nachäffen. Dazu sei gesagt, dass ich tatsächlich ein großer Paul L. Smith-Fan bin und seine massige Präsenz in Filmen wie ’Gor’, ’Dune’, ’Popeye’ und ’Pieces’ durchaus zu schätzen weiß. Doch die ’Klebste ’nem dicken Typen den Sauerkohl auf die Mundwinkel und fertich’-Masche, die hier angeschlagen wurde, stößt nicht nur beinharten Spencer/Hill-Fans mehr als sauer auf (Selbst Mama Leone war außer sich).

...it just aint the real deal!
Während Smiths brummbärige Art, gepaart mit seiner gewaltigen Statur und einigen Aushilfs-Schnoddersprüchen (“Nimm mir die Zähne aus’m Bart, bevor mir schlecht wird.“), die übrigens von Bud Spencer-Stammsprecher Wolfgang Hess von der Lippe geblasen werden, tatsächlich noch zu unterhalten weiß, fällt sein Kollege Antonio Cantafora (’Der Commander’) nur noch negativ auf. Der wurde scheinbar auch lediglich aufgrund seiner extrem blauen Augen und blonden Haare gecastet und lässt sowohl jeglichen Charme, als auch den Witz von Terence Hill und selbst die Synchro von Thomas Danneberg vermissen. Hinzu gesellen sich ein paar ulkige Charaktere, wie ein zahnloser Opa namens Professor Drillbohrer, ein dicker Metallkopp-Boxer, zwei putzige Kids zu denen Paul L. Smith hin und wieder bedenklich nett ist (seriously, what’s with the kinky music, you pervs?), die schwarze Kampfglatze Woody Strode (’Spiel mir das Lied vom Tod’), die für politisch korrekte Zeitgenossen womöglich die eine oder andere rassistische Anmerkung zu viel ablässt und John Ireland (’Spaceshift’) als fieser Bösewicht Mr. Shark.
Während die Sprüche niemals über Bodennebel-Niveau hinausgehen (“Das ist nichts für euch, Kinder! Dieser Film ist nur für Erwachsene, über 18!“), sind die Prügeleien und Slapstickeinlagen (abgesehen davon, dass sie vom Muster her 1:1 geklaut sind) recht amüsant und mit der (genau so dreist geklauten) passenden Musik-Mische aus Blasorchester, Ragtime, E-Gitarren und Orgelsounds untermalt.

Warum höre ich 'Flying through the Air' wenn ich das sehe?

’Sabata’-Regisseur Gianfranco Parolini (auch unter den Namen Frank Kramer, Robert F.Atkinson, John Eastwood, J. Francis Littlewords und weiteren amerikanischen Fantasy-Synonymen bekannt) hat sich mit dieser Klamaukschote kaum mit Ruhm bekleckert. Wer das Original will, muss zum Original greifen. Wer sich mit weniger zufrieden gibt und überhaupt jeden Sprüche-Schwachsinn und alle Kloppkalauerklitschen konsumiert, der darf hier ruhig mal reinschauen. Ein bissel putzig ist’s schon.

* Und, ja, verdammt noch mal, Klasse hatten die Filme des Prügelduos zweifellos. Wer das in Frage stellt, kann gleich zur Strafe zweimal um den Block rennen und zwar nackt!


Hudson