The White Monster


‘There are things on God's Earth that we can't explain and we can't describe. From the depths of Hell comes...’


Originaltitel: The Unnamable (1988)
Regie & Drehbuch: Jean-Paul Ouellette FSK: 18
Darsteller: Charles Klausmeyer, Mark Kinsey Stephenson, Alexandra Durrell


H.P. Lovecraft, einer der wahren Großmeister des Grauens, lieferte schon die eine oder andere Steilvorlage, für verdammt gute Horrorfilme. Ob nun mit Komödien-Touch a la ’Re-Animator’, wissenschaftlichem Wahnsinn in ’From Beyond’ oder dem guten alten Inselkult bei ’Dagon’; seine Geschichten über das unbeschreibliche Böse aus einer anderen Dimension, inspirierten Regisseur Stuart Gordon zu einigen seiner besten Werke.

Ja wo bluten sie denn?
Dass Lovecrafts Name auf dem Quellmaterial nicht gleich funktionierender Horror ist, belegt ’The White Monster’ leider nur allzu deutlich.
Im 17. Jhd wird eine monströse Kreatur aus dem Schoße einer neuenglischen Landbesitzerin geboren, bringt kurz darauf seine gesamte Familie um und lauert nun im Herrenhaus, tief in den Wäldern Maines auf die Dinge, die da kommen werden. Jene Dinge sind eine handvoll College-Studenten des Jahres 1988, die um die Legende des Hauses erfahren und ihr nachgehen, bzw. ein paar Torten dorthin abschleppen wollen. Im Spukhaus angekommen, dauert es nicht lange, bis das unbeschreibliche Ungeheuer aus der Kommode gekrochen kommt und die Studniks 90 Minuten lang durch die Gänge scheucht, bis der Abspann alle Beteiligten erlöst…

“Weißt du, nichts turnt eine Frau mehr an, als ein richtig guter Schauder. Die brauchen das um heiß zu werden und dann machen sie uns an. Wir lehren sie das Fürchten und sie werden butterweich.“
“Das ist eine ziemlich perverse Psychologie.“
“Aber sie funktioniert, glaub mir.“

"Du solltest hier nicht abruhn,
dieser Ort ist verfluuuuucht!"
Wie viele Filme, in denen geschlechtsreife Kids/Dudes/Studenten auf der Flucht vor etwas Bösem (Bööööööösem!) durch ein Spukhaus hechten, kann es möglicherweise geben? Fragt die Fünfziger, die Siebziger, die Achtziger und die Neunziger und ihr kommt auf eine Zahl, die selbst Fans solcher Filme das grobe Gähnen beschweren wird.
‘The White Monster’ aka ’The Unnamable’ gehört in die Abteilung ‘Unnötige Randnotiz’, wie kaum ein zweiter Streifen dieser Art. Durch ein in Blaufilter getünchtes Bild und zu unerträglich leiernden Orgel-Klängen latschen die eeewig gleichen Klischeefiguren von der Stange (zwei College-Studs mit gelben Pullovern über die Schulter geschlungen, das Nerd-Pärchen – Standardnerd & Supernerd, sowie Erstsemester-Tittenmäuse mit viel zu hoher Stimme) von einem Buh!-Moment in den nächsten.
Das Monster-Design (Mann im Latex-Anzug, mit netten Dämonen-Applikationen) ist recht anständig, kann sich aber im direkten Vergleich mit Horror-Größen wie ’Pumpkinhead’ nicht behaupten. Die direkte Aussicht auf das Biest sparen sich die Macher genre-typisch für das Finale auf, in dem dann endlich mal auf die Tube gedrückt wird und ein wenig Fahrt in den verstaubten Streifen gerät.

"Komm schon! Nur'n bisschen fummeln!"

Dennoch ist ’The Unnamable’ nichts anderes, als eine lieblose Aneinanderreihung gurkig inszenierter und farblos gespielter ’Mates in a Monster-Mansion’-Szenen, in denen viel gelabert, viel gekreischt und etwas geblutet wird. Ich möchte bezeweifeln, dass sich Meister Lovecraft die visuelle Verwirklichung seines Werkes dermaßen dilettantisch vorgestellt hat. Wahrscheinlich rotiert der Gute in seinem Grab, wann immer jemand das ’Weiße Monster’ auf seinen Bildschirm los lässt. Tun wir ihm einen Gefallen und lassen seiner Seele wenigstens ein bisschen Frieden.


Hudson