Der weiße Büffel


‘Two legendary enemies unite
to fight the charging white beast!!’


Originaltitel: The White Buffalo (1977)
Regie: J. Lee Thompson Drehbuch: Richard Sale
Darsteller: Charles Bronson, Jack Warden, Will Sampson FSK: 6


1874 kehrt Westernlegende Wild Bill Hickock (Charles Bronson) unter dem Alias James Otis in den Westen zurück, um sich einem gigantischen weißen Büffel zu stellen, der ihm seit Langem einen Alptraum nach dem anderen beschert. Der Albinobüffel ist nach wie vor auf einer Chaostour und hat kürzlich erst ein ganzes Indianerlager plattgetrampelt, was den stolzen Krieger Crazy Horse (Will Sampson) das Leben seiner Tochter kostete. Weil er seine Trauer nicht unter Kontrolle hat, wird Crazy Horse von seinem Häuptling zunächst zum Wurm degradiert (harte Hunde die Indianer) und auf einen Rachefeldzug gegen den weißen Büffel und den weißen Mann geschickt, um die Seele seiner Tochter vor dem Fegefeuer der ewigen Jagdgründe zu retten.
Derweil begegnet Wild Bill nach seinem Eintreffen im Westernkaff Cheyenne alten Feinden, wie dem Army Arschloch Custer (Ed Lauter) und dem Revolvermann Whistling Jack Kileen (Clint Walker), sowie alten Freunden, wie der blonden Poker Jenny (Kim Novak) und dem zauseligen Charlie Zane (Jack Warden). Gemeinsam reiten Bill und Charlie in die Wildnis, wo sie bald auf Crazy Horse/Wurm treffen, der ihnen zunächst einigen Ärger bereitet. Doch als ihnen Schurken und Natur gleichermaßen einheizen, überbrücken Rothaut und weißer Mann ihre Differenzen und gehen gemeinsam auf die Jagd…

Mit den Jungs ist (fast) nicht zu scherzen.

Nach Moby Dick (dem weißen Wal), Bruce (dem weißen Hai) und Yeti (dem fast weißen, aber eigentlich eher gilblichen Schneemenschen) wollte 1977 kein anderer als Super Produzent Dino De Laurentiis (’Conan’) das Publium mit dem weißen Horror in Form eines Büffels schockieren.
Die animalische Mischung zwischen zotteligem Albino-Bettvorleger und Kneipen-Rodeostier auf maximaler Ruckelstufe ist kaum Grund genug, sich den Film anzuschauen.
Regisseur J. Lee Thompson, der nicht nur zwei ’Planet der Affen’-Filmen drehte, sondern fortan auch ständiger Wegbegleiter Charles Bronsons war, macht den großen Fehler, sein Biest (ein offensichtlich auf Schienen zuckelndes Ungetüm) von vornherein in voller ’Pracht’ auf den Zuschauer loszulassen und nimmt der potentiellen Bedrohung somit jeglichen Wind aus den Segeln.
Tatsächlich funktioniert ’Der weiße Büffel’ am besten, wenn die Biest nicht in der Nähe ist. Und dann funktioniert er sogar richtig gut. Das liegt neben den tollen Landschaftsaufnahmen, absonderlich-atmosphärischen Studiokulissen, einer abenteuerlichen Western-Stimmung und der hervorragenden Musik von John Barry (’Der mit dem Wolf tanzt’) vor allem an der hochkarätigen Besetzung.
Die Namen Charles Bronson (‘Die glorreichen Sieben’), Jack Warden (’Das Leben nach dem Tod in Denver’), Will Sampson (’Einer Flog übers Kuckucksnest’), Clint Walker (’Das dreckige Dutzend’), Slim Pickens (’The Wild Bunch’), Stuart Whitman (’Die Abenteuer des Brisco County Jr.’), John Carradine (’Das Tier’), Ed Lauter (’Death Wish 3’) und Martin Kove (’Stahljustiz’) sprechen für sich selbst.
Während letztere nur in Nebenrollen auftauchen (wie oft hat John Carradine eigentlich schon einen Bestattungsheini gespielt?), konzentriert sich der Film ab der Hälfte auf die Beziehung des Dreier-Gespanns Bronson (der äußerlich coole, innerlich getriebene Revolverheld), Warden (der rappelköpfige, engstirnige Zausel) & Sampson (der unerschütterliche, einsame Indianer), die sich perfekt ergänzen.
Dass dieser Film, der blutiges Aufspießen diverser Indianer, ein paar astreine Kopfschüsse und Ballerien en gros zeigt, von der FSK eine Freigabe ab 6 Jahrne bekommen hat, beweist einmal mehr die Willkür dieses Vereins.

Der Wilde Westen. Und mitten drin Rodeostier Rudolf.

’Der weiße Büffel’ hat von der Kritik jede Menge Stierdung kassieren müssen, umso mehr war ich überrascht, wie unterhaltsam der Film letztlich war. Wer auf Abenteuer-Streifen mit guter Besetzung und individueller Atmosphäre abfährt und sich nicht an einer Naturgewalt in Form einer Jahrmarkt-Attraktion stört, der findet hier ein zwar holpriges, aber auch einmaliges Stückchen Genre-Kino.


Hudson