Reise zurück in der Zeit


‘Stop On By And Give Afterlife A Try.’


Originaltitel: Waxwork (1988) Regie & Drehbuch: Anthony Hickox
Darsteller: Zach Galligan, Deborah Foreman, Miles O'Keeffe FSK: 18


“Darling? Ich hörte, dass du neulich wieder mit dem Butler getrunken hast. Du weißt, solche Dinge führen zur Anarchie.“

Sie sind jung und haben das Geld.

Mark (Zach Galligan aus den ’Gremlins’-Filmen) hat die Nase voll von dem Schnösel-Dasein und der Langeweile, welche die Idylle in der Vorstadt mit sich bringt. Zusammen mit seinen bratzigen Yuppie-Freunden besucht er das neue Wachsfiguren-Kabinett in der Nachbarschaft. Dieses verfügt allerdings über ein recht einmaliges Feature. Kommt man den dargestellten Szenarien (von Zombies, über Jack the Ripper und Dr Hyde, bis hin zum Phantom der Oper) zu nahe, wird man wortwörtlich in deren Bann gezogen. Will sagen: Wenn du die Absperrung überquerst, schlonzt dich das Grauen direkt in die ’Begebenheit’ hinein. So geschieht es auch mit James, der zum Werwolf wird und prompt vom ’Förster vom Silberwald’ erschossen wird und China, die von Dracula und seinen Bräuten vernascht wird.
Mark und Freundin Sarah gelingt gerade noch die Flucht, von der Polizei ernten sie natürlich nur Spott und Hohn. Zum Glück gibt es Sir Wilfred, den kauzigen Experten für Übersinnliches, der weiß was hinter der ganzen Sache steckt…

“Sie haben einen Film über das Phantom der Oper gesehen?“
“Ja sicher, einige.“
“Die Menschen verfilmen heutzutage aber auch wirklich alles!“

Enchanté

’Reise zurück in der Zeit’ aka ’Waxwork’ war seiner Zeit ein recht beliebtes Horrorflimchen, der Erstling des zukünftigen Genre-Regisseurs Anthony Hickox (’Prinz Eisenherz’), der das Skript angeblich in nur 3 Tagen verfasst hat. Bis auf einige Ausnahmen (das erste ’Indy’-Abenteuer zum Beispiel) ist so etwas einem Film meist auch deutlich anzusehen. So auch hier, doch fällt die Story bei einem solchen Querverweis-Gewitter und B-Spaß nicht unbedingt ins Gewicht.
Munter wird hier drauflos ’hommagiert’, zitiert, persifliert und abkopiert, bis die Genre-Barrieren unter dem Wust-Gewicht aus Splatter, Grusel, Teenie-Sülz, Spuk-Klamauk und Liebe zum Horror-Film eingedrückt werden. Als deutlicher Minuspunkt muss hier die Optik erwähnt werden. Die Beleuchtung, bzw. die Film-Qualität lässt zu wünschen übrig und erinnert an Fernseh-Filme, was wahrscheinlich auch auf die eine oder andere Art mit dem Direct-to-Video Release zu tun hat.
Die ’jugendlichen’ Darsteller erinnern manchmal selber ein wenig an Wachsfiguren, das machen aber die tollen Nebendarsteller wett. Es geben sich die Ehre: David Warner (’Der Mann mit zwei Gehirnen’) als schräger Kabinett-Besitzer, Patrick Macnee (’Mit Schirm, Charme und Melone’) als altkluger Stichpunkt-Geber, Miles O’Keefe (’Ator’), kaum wieder zu erkennen als Graf Dracula und vor allem ohne Spray in der Frisi, sowie John Rhys Davis (’Quatermain’) der für Geld ja bekanntlich auch eine Litfass-Säule spielen würde, natürlich eine hervorragende!
’Waxwork’ scheint von vielen Genre-Fans geliebt und als ’Kult-Film’ gefeiert zu werden. Anschließen kann ich mich dieser Meinung nicht , dazu fehlt dem Film einfach das vielzitierte ’gewisse Etwas’ (da hilft auch nicht das ober-trashige Knaller-Ende!). Ein Jahr später bewies Hickox dann allerdings mit der Vampire-Groteske ’Sundown’, dass er tatsächlich das Zeug zum Vollblut-Spaß hatte. Leider verschwand der vielversprechende Regisseur nach Werken wie dem ’Waxwork’-Sequel ’Spaceshift’ und ’Full Eclipse’ in der Video-Versenkung der Lundgren und Seagal-Actioner.

“Warum wollen sie diese Welt vernichten?“
“Jemand muss es tun.“

Mir gehen die Sprüche aus...
Ähm, 'Schief gewickelt'?

Fazit: Kunterbunte, kurzweilige und leider reichlich zusammengewürfelte Horror-Sause in gewöhnungsbedürftiger TV-Optik, dafür aber mit ansehnlichen Effekten und drolligen Gast-Stars. Also definitiv kein Muss, aber müssen tut man ja bei Filmen auch meist selten tun.

Hudson