Der Große aus dem Dunkeln Teil 3
- Das letzte Kapitel


‘Unfortunately, a man who walks tall makes an awfully good target.’


Originaltitel: Final Chapter: Walking Tall (1977) Regie: Jack Starrett
Drehbuch: Howard B. Kreitsek, Samuel A. Peeples & Howard B. Kreitsek
Darsteller: Bo Svenson, Lurene Tuttle, Forrest Tucker FSK: 18


"Wir haben nicht einen Spielautomaten, nicht eine Brennerei, nicht mal mehr eine einzige Prostituierte in McNairy County und bei dem Ärger, den Pusser uns macht, wollen wir dort auch gar nicht mehr investieren."

Gab's wirklich: Familie Pusser

Es scheint, als hätte Buford Pusser gewonnen. Die Gangster sind geschlagen, die Kriminalitätsrate gesunken, der Held in den Sonnenuntergang gedüst. Aber wie im echten Leben, geht auch in Sequels am nächsten Tag die Sonne wieder auf und mit der Veränderung des politischen Klimas passt sich auch die Meinung der Bürger zu ihrem einstigen Helden an.
Die Wahl zum Sheriff steht an und die Wähler lassen sich von Pussers Konkurrenten dessen Errungenschaften nur allzu bereitwillig als Resultate derber Brachial-Justiz vermiesen. Was ja nicht ganz der Unwahrheit entspricht. Außerdem sind vielleicht auch viele sauer, dass es weder Flipperautomaten noch billigen Fusel oder käufliche Frauen in der Gegend gibt.

Wer dolle austeilt...
Sheriff durch und durch, ist Pusser lieber auf der Straße unterwegs, als sich dem Theater des Wahlkampfes zu stellen. Schließlich ist auch der Drahtzieher der kriminellen Machenschaften (Logan Ramsey), die zum Tod seiner Frau führten, immer noch auf freiem Fuß und wird von Gesetzeslücken vor der gerechten Strafe bewahrt.
Entgegen seiner Trademark-Methoden, versucht Pusser zunächst, ihn auf legale Weise einzusacken, doch Sesselfurzer vom Tennessee Bureau of Investigation (TBI?) werfen ihm immer wieder Stöcke zwischen die Beine und Sprüche vor den Bug ("Ihre Sentimentalität der Verstorbenen gegenüber in allen Ehren.").
Als Pusser die Wahl tatsächlich verliert, hat er plötzlich nicht nur mit existentiellen, sondern auch mit materiellen Problemen zu kämpfen. Da kommt ein unerwartetes Angebot aus Hollywood...

"Also Himmel Arsch und Zwirn, wenn ich die Hosenscheißer in die Finger kriege! Die sollen mit meiner Vorderachse Samba tanzen, bis sie so lange Arme haben wie die Affen!"

...muss auch derbe einstecken.
Der Inhaltsangabe merkt man bereits an, dass der letzte Teil der 'Walking Tall'-Saga größtenteils auf der Gefühlsschiene einfährt. Das heißt im Klartext: Weniger Knüppel-aus-dem-Sack-und-auf-den-Kopp, mehr Gewicht auf Figuren, Emotionen, Familie, Drama.
Wer an dieser Stelle mit den Augen rollt, der lasse sich von mir eines Besseren belehren. Ich bin nicht nur der Meinung, dass der Fokus weg von der Action, hin zur Charakterentwicklung zugunsten des Filmes war, sondern, dass es sich hierbei um den besten Teil der Reihe handelt.

Gleich zu Beginn gibt es eine Szene, bei der einem das Herz aufgeht, wenn Sheriff Pusser dem kleinen Sohnemann eines Schwarzbrenners, der ihn hilflos mit einem Kartoffelmesser bedroht, beichtet: "Ich bin sooft mit dem Messer angestochen worden, das möchte ich nicht noch mal erleben." und darauf hin dessen Vater, der den Kurzen offensichtlich jahrelang mit der Rute malträtiert hat, in den Wald schleift, um ihm selbst eine Tracht mit der Naturpeitsche zu verpassen. Klassisches Pusser Punishment und ein passendes Paradebeispiel für sein Anliegen, das Übel an der Wurzel zu packen.

"Get offa my lawn!"

Der Film nimmt sich Zeit für die Menschen, deren Geschichte hier zu Ende gebracht wird und die Fans der Vorgänger mittlerweile am Herzen liegen dürften. Bo Svenson gibt sich redliche Mühe, den Emotionen freien Lauf zu lassen, viel besser als es ihm im Vorgänger gelingen wollte. Ebenfalls bemerkenswert: Bruce Glover ('Big Bad Mama II') und Logan Ramsey, die alle drei 'Walking Tall'-Streifen mit ihrer Präsenz bereichert haben, wie auch der Rest der Pusser-Family (Forrest Tucker, Leif Garett, Dawn Gwyn), von denen Buford Trost und Unterstützung in schweren Zeiten erhält.

"Actually... stay and clean my lawn!"
’Final Chapter: Walking Tall’ schneidet diverse Themen an (das Älterwerden und der Verbleib ausgedienter Helden zu Friedenszeiten, Korruption, politische Manipulation und wie es klingt, wenn ein riesiger Holzpfahl auf Kammerton A gestimmt wird), nicht unbedingt alle konsequent und pointiert, aber als Sprossen auf der dramaturgischen und narrativen Leiter mehr als adäquat.

Auch wird hier eine meiner Hauptkritiken am ersten Teil ausgebügelt, die aufgesetzt wirkende “Wir-stehen-hinter-dir-und-zwar-nachdem-du-die-Verbrecher-mithilfe-diverser-Gesetzesübertretungen-verjagt-hast!“-Message am Ende. Hier sehen wir tatsächlich Pussers Einfluss auf den ihm loyalen Teil der Gemeinde in diversen amüsanten und ergreifenden Szenen, die uns zeigen, wie die Leute damit umgehen, dass er nicht mehr Sheriff ist.

Nachdem er Geschichte gemacht hat,
macht er die Geschichte nach...
Womit mich ’Der Große aus dem Dunkeln Teil 3’ letztlich komplett überzeugt und regelrecht begeistert hat, ist die Verschmelzung von Realität und Fiktion als konsequente Schlussfolgerung einer Reihe, die von Anfang an damit kokettierte, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Buford Pusser verschreibt sich und seine Geschichte an Hollywood und rettet somit seine Familie vor dem finanziellen Desaster.
Was in der Realität wie ein weiterer schlechter Scherz der Traumfabrik klang (und von mir im Review zum 2. Teil noch verspottet wurde), rettet dem Protagonisten und seiner Familie im Film den Hals. Leute, hier imitiert die Kunst das Leben, in dem selbiges die Kunst zum Wohle der Protagonisten assimiliert. Zeit, die Realitäten zu überdenken.
Wenn Svenson in der Pusser-Rolle (die der echte Buford in Teil 2 und 3 ursprünglich selbst spielen sollte, bevor es zu seinem tragischem Tod kam, no that’s not a spoiler) als technischen Berater bei den Dreharbeiten zum ersten Teil der Reihe zu sehen ist, sind große Emotionen vorprogrammiert. Pusser im Kino, als zerrütteter Beobachter der Szene, die den Tod seiner Frau zeigt? Heartbreaking!
Und wenn sich die Gangster in McNairy County darüber aufregen, dass Pusser jetzt Geld mit einem Film macht, in dem gezeigt wird, wie er sie in den Backwoods in die Enge gedrängt hat? Applaus! APPLAUS!

"Solange nicht jeder Mann öffentlich einsteht, für das, an das er glaubt, kann jedem das Gleiche passieren, was mir passiert ist."

Full Circle?

Es fing alles ganz harmlos an, mit einem Typen, der aus dem Militärdienst kam und nur einen Wunsch hatte: In aller Ruhe mit seiner Familie auf einer Farm zu leben. Es war nicht die Art von Farm, die Sergeant Apone meinte, als er sagte "Ein Tag bei den Marines ist wie Ferien auf der Farm", aber es wurde zur Zerreißprobe eines Mannes, der sich aufrecht hielt. He was Walking Tall.
Die Macher beenden ihre bewegende Backwood-Saga mit mehr Humor und Drama und ein bisschen weniger Haue und Dresche, zugunsten eines besseren Filmes, der dieser Geschichte um bürgerliches Engagement und selbstlosen Heldenmut ein würdiges Finale verpasst und sogar seine plakative “Das hier beruht wirklich auf wahren Tatsachen! Steht sogar in der Zeitung!“-Tour zu ungeahnter Pointe führt.


Hudson