Der Große aus dem Dunkeln Teil 2 -
Allein gegen Korruption


‘Buford Pusser's own true story.’


Originaltitel: Walking Tall Part II (1975) Regie: Earl Bellamy
Drehbuch: Howard B. Kreitsek
Darsteller: Bo Svenson, Luke Askew, John Davis Chandler FSK: 18


Guess who's back with a brand new face!
Buford Pusser ist wieder da und zwar mit neuem Gesicht. Ich glaube nicht, dass die Macher damit implizieren wollten, dass der Unfall, der am Ende des Originals Pussers Frau das Leben kostete und ihn für acht Monate ins Krankenhaus schickte, den Protagonisten entstellte und er dank plastischer Chirurgie zu einem neuen Antlitz verholfen wurde. Auf die Idee kam man erst mit dem 'Knight Rider'-Pilotfilm und bei 'Johnny Handsome'.
Dabei sollte alles ganz anders kommen. Eigentlich war nämlich geplant, dass der echte Buford Pusser, der im ersten Teil noch als "technischer Berater' fungierte, sich im zweiten Teil selbst spielen sollte. Es war eine jener bekloppten Ideen Hollywoods, die von der Grausamkeit des echten Lebens eingeholt wurde, als Pusser im August 1974 bei einem Autounfall ums Leben kam. Und zwar am selben Tag, als er den Vertrag für die Rolle unterschrieben hatte. Life's a bitch and then your Corvette crashes into a tree.

Der zweite Teil der 'Walking Tall'-Saga, die vom Deutschen Verleih irrer Weise in 'Der Große aus dem Dunkeln' umbenannt wurde (also bitte, 'Der große Blonde mit dem dicken Knüppel' hätt ich ja noch verstanden) schließt direkt ans Ende des Vorgängers an. Nachdem Pusser sich von dem tragischen Unfall erholt hat, ist er mit seinen Deputies im Schlepptau wieder auf Achse, fegt die Bootlegger aus dem Wald (und macht dabei auch nicht vor Bekannten halt), überlebt diverse Mordanschläge und kommt einer Verschwörung auf die Schliche, die bis zu seinem tragischen Unfall zurückreicht.

Hecken fiese Komplotte aus:
United Criminals of McNairy County

"Es handelt sich hier um eine überregionale Verschwörung, deswegen ist die Bundesbehörde zuständig."

Aha. Na gut. Und während sich die regionalen Verschwörer in Sicherheit wiegen, packt Buford Pusser seinen gewaltigen Knüppel aus und ergänzt seine stürmische Haudrauf-Art durch methodische Polizeiarbeit, die ihn allmählich zu den Hintermännern der Branche und somit den Mitschuldigen am Tod seiner Frau führt.

Bo Svenson ist der neue Buford und mit dessen Gesicht wurden der Figur auch ein paar neue Persönlichkeits-Aspekte auf den Weg gegeben. War Joe Don Baker ein zunächst knuffiger Brummbär, der mit Phrasen und Pfosten in seiner Gemeinde für Ordnung sorgte, verleiht Svenson dem Sheriff eine kalkulierende Note, die durch eine flapsige Attitüde und gesteigertes Selbstbewusstsein ergänzt werden.

Buford Pusser: Arschtreter, Familienvater und Fußmodel für Dr. Shoe

Das hat der Yokel-Sheriff auch bitter nötig, denn wie schon in Teil eins ist sein Leben ununterbrochen in Gefahr und erneut muss er etlichen Attentaten, Mordversuchen und manipulierten Unfällen mit Glück und jeder Menge Schrammen entgehen. ("Der Mann hat leider außergewöhnliches Glück. Wir haben dafür gesorgt, dass er mit großer Geschwindigkeit von der Straße segelt, haben sechs Stangen Dynamit in einen Wagen gesteckt, die Lenkung angesägt, das Gaspedal und die Bremsen präpariert. Konnte ich denn ahnen, dass dieser Pusser seinen Deputy in den Wagen setzt?")

Svenson & Jaeckel im Dauerstress
Im Gegensatz zu Teil eins wird hier auch ein wenig mehr Betonung auf Action und Humor gelegt. Vor allem bei den heißen Verfolgungsjagden mit Genre-Nase Richard Jaeckel, der gleich zu Beginn in einer reichlich krawalligen Rennbahn-Szene vorgestellt wird. Jaeckel spielt den Rennfahrer/Trickbetrüger/Auftragsschmuggler Stud Pardee und bei der Berufung und dem Namen ist Dauerärger mit Buford Pusser vorprogrammiert. Die Konfrontationen der beiden dienen als Comedy-Futter für Backwoods-Fans (wenn Jaeckel das Weichei gibt) oder als Drama-Einlage für Auto-Liebhaber (wenn Svenson dessen geliebte Vintage-Karre zerdrischt).
Lediglich die sich zu oft wiederholenden Szenen, in denen Buford und Co mal wieder die Wälder raiden, trüben den Spaß ein wenig, werden aber durch die reichlich willkürliche Darstellung eines ansehnlichen Tittenpaares und einen Gastauftritt von Frank 'Sarge' McRae ('Last Action Hero') als Kneipen-Rowdy Steamer versüßt.

"Also wenn sie in der kommenden Woche zufällig von einem kleinen Unfall in der Zeitung lesen, den der Sheriff gehabt hat, dann schlafen sie bestimmt alle wieder sehr gut."
"Wenn das passiert, schicke ich ihnen einen ganzen Bus voller Nutten!"

Swing away, B.P.!
Während der erste Teil noch als verfilmter Schrei nach Gerechtigkeit eines zu weit getriebenen Bürgers daherkam, wirkt der Nachfolger um Einiges routinierter, was durch die furchtbare TV-Musik, die bei jeder beliebigen Cop-Show besser aufgehoben wäre, umso deutlicher gemacht wird. Das soll nicht heißen, dass wir es bei 'Der Große aus dem Dunkeln II' mit einem lahmen Nachzügler zu tun haben. Bei weitem nicht! Der Film unterhält trotz einiger Schwächen dank des Hauptdarstellers, der Action und einem Händchen für Inszenierung durchweg und gehört somit in die "Nicht schlechter im Geschmack, nur anders im Gefühl"-Kategorie.
Hier wie da bekommen wir Texttafeln zum Vor- und Abspann kredenzt, auf denen uns die alte 'Dieser Film basiert auf einer wahren Begebenheit'-Leier vorgegaukelt und gleichzeitig mit 'Naja, aber eigentlich haben die Leute hier nichts mit wirklich lebenden Personen, die sich davon auf den Schlips getreten fühlen könnten, zu tun' neutralisiert wird.
Hier sind es sogar echte Akten-Kopien, von Offiziellen unterzeichnet. Zum Finale leider jene, von der Todesursache des echten Buford Pusser. Die verpasst dem 'Case of the Week'-Finale des Films (das nicht an die Spannung des ersten Teils heranreichen kann) eine tragische Note und deutet an, dass das Finale im dritten Teil weitaus dramatischer ausfallen wird. Ich bin gespannt.


Hudson