Der Große aus dem Dunkeln


‘He was going to give them law and order or die trying.’


Originaltitel: Walking Tall (1973) Regie: Phil Karlson
Drehbuch: Mort Briskin, Stephen Downing & John Michael Hayes
Darsteller: Joe Don Baker, Elizabeth Hartman, Leif Garrett FSK: 18


Buford Pusser (Joe Don Baker) kehrt nach einer Karriere beim Militär und Wrestling (nicht zu verwechseln mit Military Wrestling) mit Kind und Kegel in seine Heimat Tennessee zurück, um auf der Farm seiner Eltern ein neues Leben zu beginnen. Nachdem Pusser mit örtlichem Abschaum in Konflikt gerät, von ihnen aufs Übelste zugerichtet und nach der zur Schau gestellten Inkompetenz der örtlichen Behörden selbst für Gerechtigkeit sorgen muss, entschließt er sich, dies zum Beruf zu machen. Buford Pusser stellt sich für die Wahl zum Sheriff, gewinnt und bringt sich und seine Familie erst Recht in Gefahr…

Buford breaks bootleggin' bitches

"Guten Morgen. Es gibt für uns zwei Regeln. Nur die zwei. Aber die schärft euch ein. Nummer 1: Wir wenden das Gesetz an, ohne Unterschied der Person. Nummer 2. Wer sich von euch bestechen lässt, dem wird der Schädel eingeschlagen. Von Mir."

Buford Pussers Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, aber dass sich das niemand zu Kopf steigen lässt. Der Film ist eine Dramatisierung der Ereignisse, kombiniert einige Fakten zu Szenen reißerischen Ausmaßes, lässt andere weg und macht eine kinotaugliche Geschichte daraus, wie wir es von Hollywood gewöhnt sind. Für Realitätsnähe waren adaptierte Werke der Traumfabrik schon Anfang der 70er nicht bekannt, aber das ist auch das Letzte, das ich Filmemachern je vorwerfen würde.

Buford busts bloody badges
Zunächst mal möchte man meinen, dass man eine Art Polizei-Ausbildung braucht, um Sheriff zu werden, aber in den Backwoods scheint eine Wahl ausreichend zu sein. Eine Uniform trägt Pusser genau so wenig wie eine Dienstwaffe. Anstelle letzterer hat er einen gewaltigen Holzprügel dabei. Sogar im Gerichtssaal. Selbst als seine Frau ihm nach einem Attentats-Versuch einen Revolver aufdrängt, benutzt er diesen als Prügel. Seine Motorhaube ist sein Büro, seine Gegner korrupte Beamte, Schnapsbrenner und schikanierende Strolche, die ihr Hauptquartier in einem Gebäude aufgeschlagen haben, das mich an unsere alten Judobaracken zu DDR-Zeiten erinnert. Angeführt wird die Mischpoke von einem Schurken-Gremium, dessen Vorstand eine in die Jahre gekommene, ständig angetrunkene Theken-Schlampe für sich beansprucht. Kurz gesagt: Wir haben es hier nicht wirklich mit High Rollern zu tun, sondern mit Spackenpack aus der Gegend, in der Don Dohler normalerweise seine Filme dreht.

Bufords beats bad boys
Die Action "beschränkt" sich auf ein paar vereinzelte Shoot-Outs und Verfolgungsjagden und natürliche jede Menge Geholze mit Pussers Knüppel. Solche Prügeleien sind von herber Natur, die Gewalt nicht etwa spaßig auf Spencer/Hillschem 'Klatschbumm'-Niveau, sondern nicht ohne Konsequenzen und fordert ihren Tribut.
Bufords rabaukige Art und Weise verschafft ihm natürlich immer wieder Ärger mit der Obrigkeit. Um den Richter zu zitieren: "Gesetzeshüter zu sein, erfordert mehr, als einen dicken Knüppel zu schwingen und Türen einzuschlagen." Leider hat er da Recht. Und auch wenn Pusser die Bürokratie zwischendurch mit eigenen Mitteln schlägt, kehrt er immer wieder zu seinen Methoden zurück ("Haben Sie'n Durchsuchungsbefehl?" "Ja, den hab ich im Schuh!")
Überhaupt hat hier jeder irgendwelche cleveren Weisheiten ("Ideale und Realitäten sind weit voneinander entfernt.") oder alberne Sprüche (die fiese Nachtclub-Besitzerin heizt eine ihrer schwarzen, drallen Tänzerin an, ihre "finsteren Keulen zu schwingen") parat.

Buford burns bushwhackin' bastards
Ich gebe zu, es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn der Richter schließlich zu Pusser meint: "Sie kennen ja nicht mal den Unterschied zwischen Recht und Gesetz." Ob sich der Film dieser Ironie bewusst ist, bleibt fraglich. Zu sehr wird hier auf die Methoden des Protagonisten gepocht, auch wenn die Sympathie des Publikums klar auf Pussers Seite ist (ich mag den Kerl). Das ist nicht zuletzt Joe Don Bakers menschlicher Darstellung der Lokal-Legende zu verdanken. Baker verleiht der Figur einen fast unschuldigen Zorn. Wenn er beispielsweise zu Beginn in einer Spielhölle/Bordell/Kneipe mit den Lastern und Verlockungen der Unterwelt konfrontiert wird, spiegelt seine Figur ein befangenes Unverständnis wider, das als rechtschaffenes Fundament für den Rabatz, der in den folgenden 90 Minuten zelebriert wird, durchaus herhalten kann. Vielleicht. Je nachdem. Heikles Thema.
Aber ich komm auch nicht voran, wenn ich immer nur über Barbaren-Filme schreibe.

"Warum willst du Fremde einspannen, für eine Arbeit, die ich schon ein halbes Dutzend mal gemacht habe."
"Du hast ja auch nur vier Jahre dafür absitzen müssen."
"Aber der Kerl ist noch immer tot."

Denn daran ist auch immer die Gesellschaft schuld...

Buford Pusser ist wie sein Holzknüppel. Stur, rabiat und nicht kaputt zu kriegen. Und auch wenn der Film auf einer bitteren Note endet, die durch eine recht eigentümliche Szene unterwandert wird, in welcher ein Mob von rechtschaffenen Menschen den Gangsterschuppen zu einem Song namens "Why can't we stand, joined hand to hand" demoliert und ausräuchert (The fuck?!) und die Moral im Rauch der Trümmer von Selbstjustiz, Zivilcourage und Hybris verweht, bleibt dem Genre-Freund gehobene Hicksploitation mit einem Protagonisten, der neben Harry Callahan gut und gerne als das Vorbild der Schwemme von Racheengeln in den 70er Jahren herhalten kann.


Hudson