Planet des Grauens


‘Beneath a blood-red moon, the dream, electric. The planet, futuristic. The nightmare, animalistic.’


Originaltitel: Vicious Lips (1987) Regie & Drehbuch: Albert Pyun
Darsteller: Dru-Anne Perry, Anthony Kentz, Gina Calabrese FSK: 16


Was hat mich bloß so ruiniert?
Ich kann’s euch genau sagen: Es war das Titelbild von ’Planet des Grauens’.
Das war eines der ersten Dirty-Movie-Cover, das ich je zu Gesicht bekam. Irgendwann im Otto-Katalog, vielleicht war’s auch Quelle, ich jedenfalls war sehr jung und vollauf begeistert. Solche Filme wollte ich auch mal sehen, wenn ich mal groß bin.

20 Jahre später (endlich habe ich ’Planet des Grauens’ gesehen, einen Film dessen Vorspann eine astreine Eighties-Juckel-Pop-Nummer liefert und dessen erste Szene einen eingeölten Scheitel-Musklor zeigt, der halbnackt durch Neon-Gänge latscht), weiss ich mal wieder: ’Never judge a tape by it’s cover.’

Irgendwann in der Zukunft (schätze ich jedenfalls, denn es gibt Raumschiffe und Nutten mit drei Brüsten):

Haare
Die Hairspray-Band ’Vicious Lips’ wartet schon seit Ewigkeiten auf den Durchbruch, doch alle Räder, die Manager Metti bislang ins Rollen brachte, kullerten in Richtung Oblivion. Als Matty jedoch endlich eine neue Sängerin engagiert, lässt ein lukrativer Gig nicht lange auf sich warten. Der Haken: Die Band muss per Weltallschaukel auf einen anderen Planeten tuckern. Gut, in dem Raumschiff ist auch ein psychopatischer Massenmörder eingesperrt, aber der dürfte nur gefährlich werden, wenn man abstürzt. Was ja niemals, unter keinen Umständen, überhaupt nicht passieren kann. Dann wird zu weiterer Pop-Sülze (“Lightyears awayayayayaaaaayyyy“) ins All geschrammelt und dort weitergeträllert. Doch es kommt, wozu es nicht hätte kommen können (Hold your breath!): Das Schiff stürzt ab! Mächtiger Baddabumm! Man landet auf einem Wüstenplaneten und Matty wird in die Wüste geschickt, um Hilfe zu holen. Dieser clevere Plan trägt keine Früchte nur Gemüse des Wahnsinns und der gute Matty schmust bald mit zwei nackten Blondinen in den Dünen herum (womöglich Fata Morganas?). Natürlich dauert es nicht lange bis der Killer aus der dem Sack ist und die Dinge noch verrückter werden…

Aber so verrückt? Nee, das war wirklich ein bissel viel.

Zähne
Zuerst staunte ich noch, dass dieser Film in Sachen ’80er-Kolorit’ sogar ’Radioactive Dreams’ Konkurrenz machen kann, da lese ich in den Credits auch schon den Namen des Regisseurs: Albert Pyun also. Nun, bei Bruder Pyun gibt’s ja sowohl unterhaltsame B-Perlen wie ’Talon’ und ’Nemesis’ als auch jede Menge versiebte Sequels. Leider hatte Pyun hier abgesehen von der Neon-Optik, dem Frisuren-Overkill und der SciFi-Trash-Ausstattung nur überkandidelte aber schrecklich uninteressante Reißbrett-Charaktere und ein verhaktes Wirrwarr-Final-Drittel (inklusive Twist) zu bieten, bei dem das Mitfiebern weder gefördert wird noch erwünscht zu sein scheint.

Dass das Cover auch nur Schmonsens ist und soviel mit dem Film zu tun hat wie Roseanne mit dem Playboy-Titelblatt, war im reifen Alter keine Überraschung mehr für mich. Dass der Film nach einem unterhaltsam trashigen Start dann derartig in die Binsen ging, war schon eine Enttäuschung und irgendwie auch ein Beweis, dass es in den Achtzigern auch ganz schöne Scheiße gab.

Blaues Licht


PS: Spinn ich oder hieß der Song den sie am Ende trällern ’Luder Madness’?

Hudson