Ein Haufen verwegener Hunde


‘Whatever the Dirty Dozen did they do it dirtier!’


Originaltitel: Quel maledetto treno blindato (1978) Regie: Enzo G. Castellari
Drehbuch: Sandro Continenza, Sergio Grieco, Romano Migliorini, Laura Toscano & Franco Marotta Darsteller: Bo Svenson, Peter Hooten, Fred Williamson
FSK: 18


“We got two choices, man. Either we get it in the ass from our own boys or from the Krauts.”

Und um ein hartnäckiges Gerücht einmal aufzuklären:
Den Deutschen erkannte man im Schlachtfeld immer am Kraut auf der Schulter.

Robert, Fred, Tony, Nick und Berle sind von der MP gefangene Deserteure und Kriminelle, die von Frankreich aus vors Kriegsgericht gebracht werden sollen. Als ihr Transport von deutschen Fliegern aufgerieben wird, gelingt den Schurken die Flucht und von nun an müssen sie sich vor Dauerfeuer von allen Seiten vorsehen. Als sie selbst einen deutschen Deserteur gefangen nehmen, verspricht dieser, ihnen den Weg zur Schweizer Grenze zu weisen, hinter der Immunität auf sie wartet. Doch alles läuft ein wenig anders als geplant, denn die Jungs laufen der französischen Resistance in die Arme und werden in den Untergrund-Kampf gegen die Nazis eingespannt…

“Okay, let’s trade these Apfelstrudels in for home made apple pies, shall we?”

Verwegene Hündin

Mit ’Inglorious Bastards’ (Alternativtitel) drehte Enzo C. Castelleri (’Sinbad – Herr der Sieben Meere’) ein spannendes Kriegsabenteuer, das sich deutlich am großen Vorbild ’Das Dreckige Dutzend’ orientiert, aber mit flottem Tempo, eigenen Ideen, coolen Typen und einer Überdosis Action punktet.
Wo bei Robert Aldrichs Epos noch das Zusammentrommeln und Training der Crew durchexerziert wurde, setzt Castellari von Anfang an auf fliegende Fetzen.
Hier herrschen das bereits erwähnte Dauerfeuer von allen Seiten, Explosionen im Minutentakt, Angriffe aus der Luft, aus dem Wald und aus dem Wasser (da tummeln sich nackte, blonde Nazi-Maiden!).

Mission gelungen:
Provence verwüstet
(Hier wachsen keine Kräuter mehr!)
Zu dem üppigen Krawumm-Kino, das von Musik aus der Feder Francesco De Masis (’The Riffs 2’) getrieben wird, gehören auch atemberaubende Stunts, bei denen sich vor allem Blaxploitation-Kampfmaschine Fred Williamson scheinbar nicht doubeln lassen wollte. Überhaupt stiehlt der hier als Bad Ass und Funnyman in einer Person jedem die Show. Während Bo Svenson (’Mrs. Lynch’) gepflegtes Leading Man-Charisma ausstrahlt, sorgt Peter Hooten (’Orca’) für Ärger und Michael Pergolani für zusätzliche Lacher. Raimund Harmstorff (’Nobody ist der Größte’) schlägt sich wacker als deutscher Deserteur Adolf Sachs, hat in der englischen Version beim Deutsch sprechen allerdings einen schlimmeren Akzent als Svenson. Wie kam’s?
’Inglorious Bastards’ scheint über die Bahnhofskinos und Videoschirme seines Publikums hinaus die Popkultur beeinflusst zu haben. Abgesehen von der Quasi/Aber-eigentlich-doch nicht-Neuverfilmung von 2009 (Hey, kein ’Inglorious Bastards’-Review ohne den obligatorischen ’Hört ma alle her, der Quentin hat’n Remake gemacht!’-Vermerk. Da ist eine Quote vertraglich festgelegt!), haben die Brüder vom ZAZ-Team in den frühen Achtzigern vor dem Dreh von ’Top Secret’ ganz sicher einen ’Haufen verwegener Hunde’ konsumiert. Die allzu dämliche Darstellung einiger Nazis und deren Vorliebe für Todesfesten und wissenschaftliche Geheimwaffen könnten genauso gut aus Castellaris Streifen stammen. Und wer erinnert sich nicht gerne an...

LATRINE!



Wer Filme vom Kaliber ’Stroßtrupp Gold’, ’Das dreckige Dutzend’ oder ’Der wilde Haufen von Navarone’ liebt, der kommt an ’Ein Haufen verwegener Hunde’ nicht vorbei. Das hier ist rasant spannende ’Men on a goddamn Mission’-Kost die immer in Bewegung bleibt, harte Jungs mit flotten Sprüchen und glühenden Schießeisen beheimatet und auch regulären Kriegsfilm-Verweigerern Spaß bereiten wird.


Hudson