Die versunkene Welt


‘In the middle of the twentieth century,
you fall off the brink of time!’


Originaltitel: The Lost World (1960) Regie: Irwin Allen
Drehbuch: Arthur Conan Doyle, Charles Bennett & Irwin Allen
Darsteller: Michael Rennie, Jill St. John, David Hedison FSK: 12


"Let me tell you of the days of high plateaus!"

Als Professor Challenger von einem abenteuerlichen Amazonas-Trip in die Sesselfurzerwelt seines wissenschaftlichen Instituts zurückkehrt, ist die Aufregung groß. Presse und Kollegen staunen nicht schlecht, denn der zauselige Expeditions-Leiter faselt von Sichtungen lebender Dinosaurier in einer versunkenen Welt. Fieberhafter Forscherwahn? Alkoholisiertes Abenteuergarn? Too much TV?
Nein, es gibt sie tatsächlich: Die versunkene Welt. Nur trägt sie ihren Namen zu Unrecht. Schließlich handelt es sich dabei um ein gewaltiges Plateau, das sich aus dem Dschungel des Amazonas erhoben hat. Als Kollege Summerly seine Begegnungen in Frage stellt, fordert Challenger ihn und freiwillige Begleiter auf, eine zweite Expedition zu besagtem Plateau zu unternehmen. Summerly willigt ein und mit ihm der wohlhabende Lebeman Lord Roxton, der naseweise Reporter Ed Malone und die vorlaute Tochter dessen Arbeitgebers (die sich, typisch für jene Zeit, einschleichen muss, da sie eine Frau ist). Am Plateau angekommen, dauert es nicht lange, bis gefährliche Grapsch-Pflanzen, aufgebrachte Lendenschurz-Indios und gewaltige Einhorn-Echsen den Abenteurern die Hölle heiß machen…

PETA-Pioniere am Rande des Nervenzusammenbruchs

’Die versunkene Welt’ ist ein Remake des Genre-Klassiker ’The Lost World’ von 1925. Beide Filme, sowie unzählige spätere Neuinterpretationen (inklusive des dürftigen ersten ’Jurassic Park’-Sequels) basieren auf dem gleichnamigen Roman von ’Sherlock Holmes’-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle. Regisseur und Co-Autor Irwin Allen, der sich in den folgenden Jahren durch die Inszenierung diverser Katastrophenfilme wie ’Flammendes Inferno’ einen Namen machte, schickte eine illustre Schar versierter Darsteller in einen als ’Versunkene Welt’ ausstaffierten Dschungel und ließ Echsen mit aufgepappten Hörnern als Dinosaurier die Rückprojektoren heißlaufen. Ursprünglich hatte Allen vorgesehen, Stop Motion-Kreaturen zum Einsatz zu bringen, doch das Budget machte ihm einen Strich durch die Rechnung. So sind die vergleichsweise billigen Trickeffekte auch der größte Schwachpunkt des Filmes. Wenn geschminkte Reptilien sich balgen macht das einfach nicht viel her.
Schade eigentlich, denn die Charaktere, angeführt von Schauspiellegende Claude Rains (’Casablanca’) als kauziger Professor, sind anschaulich gezeichnet. Vom skeptischen Wissenschaftler, über den gierigen, feigen Dschungelführer, bis zum souveränen, hinterlistigen Großwildjäger gibt’s hier die ganze Bandbreite dramaturgischer Funktionen, die allerdings regelmäßig die Gestade typischer Genre-Klischees schleifen. So ist es vom feministischen Standpunkt her vielleicht auch etwas fragwürdig, dass Jill St. John zunächst die Klappe groß aufreißt (“Ich kann besser reiten und schießen als alle Männer die ich kenne.“), bei Eintreffen tatsächlicher Gefahr jedoch zur ’Damsel in Distress’ degradiert wird (eine erzähltechnische Methode, die bei derlei Abenteuergarn Standard war).

"Scheiß auf's Tierrecht! Keine Ken-Puppe stirbt während meiner Schicht!""

Die zugrundeliegende Abenteuer-Stimmung und einige ansprechend gefertigte Sets gleichen die übrigen Schwächen im produktionstechnischen Bereich beinahe aus. Und wenn zum Finale ein gewaltiger Leguan aus einem Planschbecken einer Lavahöhle gesprungen kommt, um Barbie-Zubehör zu verschlingen, werden Liebhaber kauziger Genre-Ware ... liebhaben.


Hudson