Der Vampir aus dem All


‘Traci Must Battle Forces From Another Galaxy!’


Originaltitel: Not of This Earth (1988) Regie: Jim Wynorski
Drehbuch: R.J. Robertson, Jim Wynorski, Charles B. Griffith & Mark Hanna
Darsteller: Traci Lords, Arthur Roberts, Lenny Juliano FSK: 16


So sehr die Kritik an ihnen heutzutage überhand nimmt, so wenig sind Remakes ein Phänomen unserer Zeit. Wenn man zurück in die Geschichte des Films blickt, sieht man bereits in den frühen Anfängen immer wieder Neuinterpretationen bekannter und beliebter Stoffe. Roger Corman, Legende des Filmgeschäfts und bis dato immer noch aktiver Teilnehmer im B-Movie-Karussell, drehte in den 50er Jahren etliche Genre-Klunker, denen er Jahre später von diversen seiner Protégés eine Neuverfilmung verpassen ließ.

Nein, Knoblauch-Atem hilft bei
dieser Art von Vampir nix, Lady
’Not of this earth’ aus dem Jahre 1957 war einer davon und das vorliegende Remake von 1988 sollte noch nicht einmal das letzte sein.
Wie viele von Cormans frühen Science-Fiction-Streifen, basiert ’Not of this earth’ auf einer recht angestaubten, aber nicht unulkigen Idee: Ein Abgesandter einer vampirischen Alien-Rasse wird auf die Erde geschickt, um die Lebensbedingungen zu verifizieren. Sprich: Checken, ob Blut der Menschen genießbar ist. Es stellt sich heraus, dass es dabei jedoch Probleme gibt. Das rote Zeug gerinnt zu schnell in den Alien-Venen, der lokal angeheuerte Doktor mit Mad Scientist-Diplom muss weitere Tests durchführen und eine privat angeheuerte Krankenschwester soll sich um Mr. Johnson (so nennt sich das stets sonnenbebrillte und reichlich emotionslose Alien) auf dessen Anwesen kümmern, kommt aber bald dahinter, dass etwas gewaltig faul ist.
Okay, okay, das klingt bis dahin wirklich etwas dolle angestaubt. Was Exploitation-Wieselchen Jim Wynorski (’Drei Engel auf der Todesinsel’) aber im vorliegenden Remake daraus macht, ist vergleichsweise kurzweilige, wenn auch zuweilen wenig kohärente Nonsens-Unterhaltung und dank guter Besetzung, ulkiger Genre-Querverweise, einer handvoll witziger Ideen und jeder Menge nackter Haut für das Klientel dieser Seite eine willkommene Alternative zum öden Genre-Driss unserer Lieblingsdekade.

Neulich im Atomic Café
Trash ist ’Not of this earth’ schon von Natur aus, schließlich ist die Neuverfilmung das Resultat einer Wette zwischen Corman und Wynorski, den Film innerhalb von höchstens zwölf Tagen runterzukurbeln. Dabei sind sich Produzent und Regisseur auch nicht zu fein, etliche Szenen aus früheren Corman-Produktionen in den Streifen hineinzuschneiden, so dass bereits im Vorspann ein ’Best of’ von Szenen aus ’Mutant’, ’Piranha’ und ’Sador’ dem Zuschauer falsche Hoffnungen machen.*
Ich persönlich hab ja nichts dagegen, Doug McClure als Gaststar dieses Filmes in einem Freezeframe aus ’Humanoids from the Deep’ begrüßen zu können, aber all die kultigen Kreaturen in die Credits zu packen und dann lediglich den schlürfigen Alien-Onkel mit blauen Laseraugen als Antagonisten zu liefern, hat schon etwas Sadistisches.
Okay, mittendrin sieht man die Bodencrew aus meinem Lieblings-’Alien’-RipOff ’Planet des Schreckens’ in ihrer zweckentfremdeten Funktion als ’Alien-Dudes from Vampire Planet’ über die düsteren Matte Paintings des Grusel-Planten Morghantus laufen, aber das ist für einen echten ’Galaxy of Terror’-Fan auch eher ärgerlich. Auf der anderen Seite ist’s für die Macher natürlich eine preisgünstige Art, außerweltlichen Kokolores auf’s Bild zu zaubern. Aber wollen wir nicht weiter die dürftigen Effekte und den typisch Comanschen Raubbau am eigenen Archivmaterial kritisieren, kommen wir zum Eingemachten:

Traci Lords, y'all!

Ganz recht, Freunde: Traci Lords, bis dahin Star diverser Pornofilme (gehen wir nicht näher drauf ein, dass sie zu ihrer aktiven Zeit sogar noch minderjährig war…), gab bei ’Vampir aus dem All’ ihr Spielfilm-Debüt und scheiß die Wand an, die Traci hat’s drauf. Klar, ab und zu hapert’s mal beim Vortragen eines Standard-Dialoges, aber wenn’s an den verbalen Schlagabtausch mit dem ebenfalls höchst amüsanten Lenny Juliano (’Lethal Weapon’) oder den Culture Clash mit Fish-out-of-water/Alien-out-of-space Arthur Roberts (’Shopping’) geht, blitzt echtes Talent durch. Natürlich ließen es sich Corman und sein Regisseur auch nicht nehmen, Tracis offensichtliche Talente auf jede nur erdenkliche Art und Weise in den Streifen einzubauen.
Da gibt’s Traci in heißem Fummel, Traci in Strapsen, Traci in 'nem Krankenschwester-Outfit, Traci im Bikini, Traci im Pool, Traci komplett nackt... sagen wir einfach, wenn ihr zum illustren Kreis hormonbedürftiger Traci Lords-Fans gehört, dann seid ihr hier nicht verkehrt.

„I have brought a specimen. She is typical for the earths subhuman.“

By the Power of Wooza!

Ich könnte jetzt argumentieren, dass ’Der Vampir aus dem All’ dank seiner absurden Handlung, der humorvollen Verarbeitung von Horror-Tropen und seiner provisorischen und improvisatorischen Machart ein Musterbeispiel exploitiven Indepence Kinos sei, aber ich will uns allen nichts vormachen.
Das hier ist die Softporno-Version eines längst abgekurbelten und eingemotteten Science-Fiction-Stoffes und ja, eigentlich hätte sich unser Spooner dieses Materials annehmen sollen, aber der Junge dreht gerade selbst einen Film und ihr müsst jetzt mit meiner eher moderaten ’Buncha, lotsa T&A don’t make slackness go away’-Attitüde Vorlieb nehmen. Aber wir verstehen uns hier alle ja mittlerweile ganz gut und darüber bin ich auch sehr dankbar, Freunde. ’Der Vampir aus dem All’ mag nicht die granatigste aller Trash-Perlen der Achtziger sein, zu viel Geschleppe, zu viel Gehebe, aber die durch das permanente Augenzwinkern entfachte Brise alberner Freizügigkeit weht allzu kritisches Gebrubbel in alle vier Winde und hinterlässt ein gefälliges Grinsen.



* Wenn man nach fast sieben Jahren Flausendasein allein die Produzenten nur anhand der aus anderen Filmen geborgten Szenen erkennen kann, weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat. Lasst mir die Illusion, Kinder.


Hudson