Das turbogeile Gummiboot

aka

Den letzten schnappen die Fische


‘Get set to get wet ... at the funniest, raciest, wildest white-water raft race ever!’


Originaltitel: Up the Creek (1984) Regie: Steve Barron
Drehbuch: Jeff Sherman, Douglas Grossman, Jim Kouf & Sandy Helberg
Darsteller: Tim Matheson, Jennifer Runyon, Stephen Furst FSK: 12


ACHTUNG! ACHTUNG! WARNUNG VORAUS:

Der folgende Film begleitete mich durch meine Jugend. Ihr kennt diese Zeit: Geht’s dir schlecht, schieb ’nen Film rein. Wo andere ’Bloodsport’, ’Missing in Action’ oder ’Dirty Dancing’ (hallo Mädels!) rauskramten, gab’s bei mir ’Das turbogeile Gummiboot’ (damals noch unter dem Titel ’Den letzten schnappen die Fische’).
Nun ist ’Das turbogeile Gummiboot’ kein Film, der auf irgendeiner Filmausstellung, einem Festival oder bei einer Award-Shows irgendwas gewinnt, außer dem Preis für die beste Abwesenheit. Er ist dämlich, sexistisch, voll von dummen Klischees, dämlich und heutzutage hieße er wahrscheinlich ’American Pie 9: Abrechnung am Coitus Creek’.
Ich weiß das alles und es ist mir schnurz wie schnuppe, denn ich liebe diesen Film und werde hier nur meine kindische, höchst subjektive Meinung ausbreiten und vertreten. Also deckt mich oder leckt mich, Freunde!

Deppenalarm!

1984: Orwells Dystopie ist nicht wahr geworden. Jedenfalls nicht an der ’Lepetomane’ Uni, dem versacktesten Campus in ganz Amerika. Hier herrschen Chaos, Lotterleben, Völlerei, Gier, Lust und noch ein paar andere Todsünden. Der Dekan (John Hillerman) hat die Faxen dicke. Seine Uni gilt als die schlechteste schlechthin. Kein einziger Preis wurde hier je gewonnen und die Durchfallquote ist höher als nach einem mexikanischen All-you-can-Eat. Das soll sich ändern und dafür müssen die vier miesesten Studenten sorgen. Bob (Tim Matheson) hat 35 Studentendarlehen unter 35 unterschiedlichen Namen aufgenommen, war schon auf 16 Unis, hat 25 mal das Fach gewechselt und sieht auch danach aus. Gonzer ist ein tumber Fettsack, hat nur das Futtern im Kopf und meistens etwas zwischen den Zähnen. Erwin ist ein alkoholkranker Nerd, der diese Bezeichung nicht etwa wegen seiner guten Leistungen, sondern nur seines Aussehens wegen verdient hat (Brille, Pullunder etc). Der letzte im Bunde ist Max, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde und somit der größte Loser von allen ist. Die Jungs bekommen folgenden Auftrag: Sie sollen den anstehenden Wildwasser-Rafting-Contest für ihre Uni gewinnen. Bei plichtbewusster Erfüllung des Auftrages winkt ein Doktor-Titel ihrer Wahl (!!!).

Ladies & Gents: Chuck the Dog
Zwar haben die Jungs keine Ahnung vom Rafting, gehen nach etwas Gezaudere aber darauf ein und machen sich mit ihrem Hund Chuck auf den Weg zum Creek. Natürlich sind sie nicht die einzigen, die mit der Ambition zum Sieg antreten. Zur Konkurrenz gehören ein Haufen dekadenter, reicher College-Schnösel, die Deppen-Einheit einer Militär-Akademie und ein Schwadron heißer Blondinen. Kaum an der ’Basis-Station’ (einem Campinglager der feucht-fröhlichen Art) angelangt, gibt’s auch schon den ersten Zoff zwischen Bob und dem Anführer-Affen der Yuppie-Bengel. Dazu wäre es früher oder später sowieso gekommen, denn die Frat-Boys sind genau so wenig mit der Absicht angetreten, fair zu paddeln, wie die Jungs von der Militär-Akademie. Ein wildes Rennen jenseits aller Regeln steht ihnen bevor und uns ein Paddel-Trauma des Schwachsinns…

Also schön, wir brauchen jetzt gar nicht erst mit Interpretationen, Hinterfragungen und analytischem Gefasel anzufangen (machen wir ja auch sonst nie!). Es gibt im Film eine Szene, in der bei einer feiernden Menschenmenge allmählich die Stimmung kippt. Als die zuständige Animateur-Blondine dies mitbekommt, lüftet sie mal kurz die Bluse, zieht blank und alle fangen an zu jubeln. Besser könnte ich die Essenz dieses Streifens, der von B-Film Legende Samuel Z. Arkoff (’Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes’) und seinem Sohn Lou produziert wurde, gar nicht zusammenfassen.

"Wolle ruder komme?"
Tim Matheson, dem die große Karriere leider versagt blieb (schon ärgerlich, wenn dir die Rolle von ’Indiana Jones’ durch die Lappen geht) glänzt hier als trocken-alberner Sprücheklopfer ohne Plan. Matheson und Jennifer Runyon (bekannt aus der herrlichen Elektroschock-Szene aus ’Ghostbusters’) sind (mal abgesehen von John ’Higgins’ Hillerman und Stephen ’Flunder’ Hurst) die einzig bekannten Gesichter im ganzen Film. Und ins Reich der Method Akteure wird auch keiner der Herrschaften gewandert sein, bedenkt man die schlüpfrige Natur der ganzen Angelegenheit. Die Mädels tragen alle Bikinis und wenn sie mal keinen Bikini tragen… ja mei, dann tragen sie halt nix. Die Lacher schießen glücklicherweise über die Grenzen von Furz- und Sex-Witzchen hinaus, schließlich gibt es noch Kneipen-Humor (man denke nur an das dekadente Yuppie-Zelt, in denen die Miezen den Whirlpool noch selbst anblasen), Haustier-Humor (die Scharade-Szene mit Chuck … ich sach nur ’Down by the Riverside’!), Handgranaten-Humor (jedesmal, wenn die Frats ein gegnerisches Boot mit immer neuen absurden James Bond-Utilities versenken wollen) und Synchron-Schwachsinn (“Du sag mal, der Vogel da oben. Ist das nicht ein grüner Nasendrüsling?“). Das mag jetzt vielleicht alles etwas abgeschmackt klingen (meinetwegen auch etwas mehr als ’etwas’), doch diese Mischung aus Sex, Bier und Wildwasser-Rafting wird einfach nie langweilig und wenn das Konzept mal kurz ins Stocken kommt, zieht auch schon die nächste Blondine blank.

Raft-o-mio!

Ja, ’Up the Creek’ (Orginaltitel) ist nicht ’Animal House’ und auch nicht ’Meatballs’, aber die Richtung stimmt. Nennt mich gehirngewaschen, nicht ganz bei Trost und was ihr sonst noch wollt, aber dieser Film gehört in das Motivierungsprogramm jeder Universität, jeder Rafting-Schule und ins Regal jedes Flauskopps. Dies zu verleugnen wäre Hochverrat an meiner Jugend. Und danach kann man sich ja beruhigt wieder der Ingmar Bergmann Edition oder einer David Lynch Retrospektive widmen.


Hudson