Die verwegenen Sieben


‘Seven men with one thing in common...’


Originaltitel: Uncommon Valor (1983) Regie: Ted Kotcheff
Drehbuch: Joe Gayton & Wings Hauser
Darsteller: Gene Hackman, Robert Stack, Fred Ward FSK: 16


Mean Gene -
The Raushol-Machine
1972, Vietnam: Frank Rhodes Einheit wird komplett vom Vietcong aufgemischt. Als der Rest schon im Chopper sitzt, rettet Frank noch einen angeschossenen Kameraden. Doch zu spät: Der Chopper hebt ab und Frank bleibt mit vielen amerianischen Soldaten zurück.
Zehn Jahre später: Franks Vater Cal (Gene Hackman), selbst hochdekorierter Colonel der US Army, ist überzeugt, dass sein Sohn noch am Leben ist und in einem Kriegsgefangenenlager in Laos auf seine Rettung harrt. Nachdem er über Jahre hinweg etliche Beweise für seine Hoffnung gesammelt hat und ihm die Sesselfurzer der Regierung immer noch keinen Einsatz zur Rettung seines Sohnes gewähren, stellt er schließlich mit Hilfe eines wohlhabenden Freundes (Robert Stack), selbst ein Team aus Franks ehemaligen Kameraden zusammen, die sich nach einem harten Training in die grüne Hölle stürzen und dort auf mehr Probleme stoßen, als sie befürchteten…

“Ich glaube, ich hab in dieser Scheißwelt schon nichts mehr zu tun. Ich krieg Energie aus der Luft. Ich rede mit Polarbären, spreche mit Pantoffeltierchen. Man ich bumse schon Atommüll!“

Ah, ’Raushol’-Filme sind mir doch die liebsten Kriegs-Actioner. Die funktionieren alle mehr oder weniger nach dem selben Muster. Erst gibt’s die Ausgangssituation (wer gerät wie und wann in die Scheiße hinein), dann das Aufraffen eines oder mehrerer Beteiligter (Infos sammeln), dann das Zusammentrommeln eines schlagfertigen Teams (alle bereits im Ruhestand, einer meist depressiv, ein anderer bekloppt, ein weiterer von Phobien gepeitscht etc. und alle mehr oder weniger erst einmal an der der Ehre gepackt werden müssen) mit allerlei Fertigkeiten (Scharfschütze, Pilot, Sprengstoff-Experte, Tunnelratte oder auch alles in einem – das wäre dann Chuck Norris), dann das Training (meist in Form klassischer Montagen, oft kombiniert mit körperlichen und emotionalen Zusammenbrüchen mit anschließenden Fistpump-Patriotismus-Ansprachen zur Wiedererweckung des guten Geistes) und schließlich die tatsächliche Mission (Action, Drama, Abrechnung, Erfolg).

Sieben Höllenhunde auf dem Weg
zum ’All you can shoot up’-Buffet
Am Ende kommen meist Klassiker (’Das dreckige Dutzend’) und käsige Action-Feuerwerke (’Missing in Action’) oder eben irgendwas dazwischen heraus, so wie ’Die verwegenen Sieben’ von ’Rambo’-Regisseur Ted Kotcheff.
Herzstück des Films ist ganz offensichtlich die tolle Besetzung aus diversen Genre-Haudegen. Die solige Leistung von Gene Hackman als zu allem entschlossener Vater wird durch überzeugende Darstellungen vom bärbeißig, durchgeknallten Randall ’Tex’ Cobb (’Blinde Wut’), dem lebensfrohen Surfer-Dude Reb Brown (’Einer gegen das Imperium’), der coolen Sau Tim Thomerson (’Trancers’), dem emotional durchgeschüttelten Fred Ward (’Tremors’), dem unerfahrenen Neuling Patrick Swayze (’Steel Dawn’) und Al Bundys Schuhladen-Kollege Harold Sylvester als mauliger Pilot ergänzt.
Neben der nötigen Portion Drama, gestützt durch typisch patriotisches Heldengeschrei und hinterlistige, feige Regierungsschnösel und einer satten Kelle Action (vor allem beim Finale wird in mächtig großen Bildern die pyrotechnische Zerstörung gefeiert), kommt auch der Humor nicht zu kurz. So gibt es einen Abstecher in eine repräsentative Schwitz-Kaschemme, in der unsere Helden aus einem als Speisekarte getarneten Waffenmenü gebrauchtes Kriegswerkzeug erwerben (“Dieses Gericht müssen sie allerdings 24 Stunden im Voraus bestellen.“)
Wahren Kennern diverser Filmsoundtracks und deren Komponisten fordere ich hiermit heraus, ohne zu googlen rauszuhören, wer hier für die Musik verantwortlich ist. Versteht mich nicht falsch, der Score ist toll, jedoch in Auszzügen so oder so ähnlich auch in späteren Kreationen des Maestros zu hören (der Mann klaut bei sich selbst wie kein zweiter).

“Wilkes, wir brauchen ein Fahrzeug.“
“Vierrradantrieb?“
“Wenn möglich ja.“
“Kaufen oder mieten?“
“Klauen, was sonst!?“

Schaut her, Männer:
Wenn Gene Hackman heulen kann, dann können wir das auch!

Trotz mächtigem Krawall-Finale ist der von Kriegsnarr und ’Conan’-Regisseur John Milius produzierte ’Uncommon Valor’ (Originaltitel) weniger ein Action-Feuerwerk der Marke ’Rambo 2’, denn ein unterhaltsam-spannender, wenn auch nicht allzu origineller ’Men-on-a-Mission’-Flick mit Gefühl und Patrick Swayze am Bügelbrett.



PS: Wer den Cameo von Michael Dudikoff als Reb Browns Assisstent findet... darf ihn behalten.


Hudson