UFOs zerstören die Erde


‘See! the world doomed by an invading wild sun 6000 times bigger than earth!’


Originaltitel: Yosei Gorasu (1962)
Regie: Ishirô Honda Drehbuch: Takeshi Kimura & Jojiro Okami
Darsteller: Ryo Ikebe, Yumi Shirakawa, Takashi Shimura FSK: 12


Der Weltraum, das wissen wir alle, ist voller Geheimnisse.
Und auch Mr. Voice Over des vorliegenden Filmes erklärt uns im Vorspann, dass Besuche und Beobachtungen von Aliens durchaus wissenschaftlich bewiesen sind, schließlich haben genug Leute unidentifizierte Flugobjekte fotografiert.
Im Jahre 1993 haben sich alle Staaten der Erde zur Förderation der Vereinigten Republiken zusammengeschlossen, auch die Streitkräfte sind vereint, um den eventuellen außerirdischen Bedrohungen zu trotzten.

Das Ding links sieht aus,
wie ein Affen-Baby... oder?
Zu blöd, dass es bei ’UFOs zerstören die Erde’ gar keine Außerirdischen gibt. Es gibt noch nicht einmal UFOs! Sondern einen Kometen namens ’Gorath’, der auf die Erde zusteuert. Gewissermaßen ’Armageddon’ meets TOHO… 35 Jahre zuvor.
Nachdem erste Aufklärungsmissionen zum Planetoiden scheitern, bzw. direkt an dessen Oberfläche zerschmelzen (großes Drama mit Ansprache vom Käptn und emotionaler Musik), kommen die hellsten Köpfe der Welt (natürlich Japaner) zu einer ’außergwöhnlichen’ Lösung, die sogleich auf einer Erd-Konferenz ausposaunt wird:

“Wir haben zwei Möglichkeiten, meine Herren. Die erste wäre, dass wir den Planeten ’Gorath’ vollkommen zerstören… oder wir verschieben die Erde!“

Und da sich Gorath als unzerstörbar erweist, wird tatsächlich auf Option zwei gebaut. Ein Journalist erklärt es seinem Verleger am Telefon wie folgt: “Raketen-Brennstoff-Rohre werden angebracht. Hydrogen wird benutzt Sie wollen die Erden um zwei Drittel verschieben.“
’Zwei Drittel was?’ Fragt jetzt vielleicht der Laie. Zwei Drittel der Erde? Zwei Drittel des Sonnensystems? Zwei Drittel von der Rügenwalder und vierhundert Gramm Hack? Egal: Die Erde muss weg! Die Erde muss weg!
Also auf zum Modellbau-Südpol und die Vorrichtung konstruiert. Doch das Unternehmen läuft nicht ohne Komplikationen. Gelingt es den tapferen Wissenschaftlern, die Erde zu retten?

"Shuttle an Basis:
Wir brauchen mehr Helme!"
’Gorath’ (Alternativ-Titel) entstand unter der Regie von TOHO-Legende Ishirô Honda (’Godzilla und die Urweltraupen’), der allerdings in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen G. Welles genannt wird.
Ihm gelingt es zwar, beachtliche Trickaufnahmen und emotionale Situationen auf den Schirm zu bannen und mit Akiro Kubo (’Befehl aus dem Dunkel’) hat er auch einen beliebten TOHO-Star an vorderster Front, doch birgt das Desaster-Vehikel unzählige Mankos, die sich nicht nur auf die mondgroßen Logiklöcher beschränken.
So kommen zum Beispiel zwei Wissenschaftler nach knapp einer Stunde Spielzeit auf den Trichter, dass das ja gar keine so tolle Sache ist, wenn die Erde von ihrem eingesessenen Kurs abkommt.
Aus der Bahn geworfen wird des öfteren auch der Zuschauer, nämlich immer wenn die ohrenbetäubende Sound-Kulisse zuschlägt. Diese erinnert an gurgelndes Baby-Geschrei, Gießkannen-Röhrerei und Kamm-Gebläse. Dazu unablässiges Piepen, Rauschen und schnell gesprochene Dialoge der Marke:
“Die Anziehungskraft ist zu stark!“
“Moment mal. Nach meinen Berechnungen ist dieser Planet kleiner.“
“Glaubst du, die Bodenstation irrt sich?“
“Aber dieser Computer hier hat sich noch niemals geirrt.“
“Die Anziehungskraft beweist das Gegenteil.“
“Gleich werden sie etwas Erstaunliches sehen. Gorath ist nur halb so groß, wie die Erde, entspricht aber der 600-fachen Masse.“
“Jetzt versteh ich, nur eine handvoll von dieser Materie würde schon eine Tonne wiegen.“ Zudem wird hier die ’Alle Erdenmächte halten zusammen’-Fahne dermaßen standhaft in den Wind gehalten, dass es bald käsig riecht.

The Sinking of Japan

Fazit: ’UFOs zerstören die Erde’ zwar nicht, aber trotzdem macht der Film irgendwie Spaß. Nette Tricks prallen auf eine nervige Geräusch-Kulisse und werden von hanebüchener Story und nett gemeinter Message flankiert.


PS: In der japanischen Fassung erscheint übrigens ein riesenhaftes Walroß, dass die Expedition gefährdet. Quasi ein Südpol-Godzilla mit Stoßzähnen und Schnurrbart (Wer in der deutschen Fassung genau hinkuckt, sieht noch die blutende Leiche des Viehs). Ihr könnt euch sicherlich denken, dass wir diese Version bevorzugt hätten!

Hudson