The man who saves the world

aka

Turkish Star Wars



Originaltitel: Dünyayi kurtaran adam (1982)
Regie: Çetin Inanç Drehbuch: Cüneyt Arkin
Darsteller: Cüneyt Arkin, Aytekin Akkaya, Füsun Uçar FSK: ungeprüft



Kaum zu glauben, aber wahr...

... und wer mir nicht glauben will, dass die oben gezeigten Bilder tatsächlich zu einem Film gehören, der besorgt sich ganz fix ein Tässchen Kaffe und wird Zeuge meines Erfahrunsgberichtes in Sachen 'Turkish Star Wars'.
Dank der Erfindung des ’Untertitels’ erfahren wir in englischer Sprache (unter dem türkischen Voice Over während der Vorspann-Montage) was hier geschieht.
Das Weltraumzeitalter hat begonnen. Menschen und Außerirdische bekriegen sich. Die Außerirdischen scheinen die Oberhand zu haben doch…
“But in reality, how strong their weapons be, the enemies of the earth in the galaxy; did not have brains.”
Zu deutsch: “Aber in Wirklichkeit, wie stark ihre Waffen auch sind, die Feinde der Erde in der Galaxie, hatten keine Gehirne.“
Also vereinigten sich die Stämme der Erde und schickten die zwei stärksten und großartigsten türkischen Krieger aus, um dem Feind den Krieg zu erklären.
Und dann geht der Wahnsinn schon los.

Vorsicht hinter dir!
Ein Sternenzerstörer, der
... äh nach hinten fliegt!
Wir sind plötzlich im ’Star Wars’ Universum. Da wird der ’Rasende Falke’ im Kampf gegen die ’Tie Fighter’ eingeblendet, ein Schwarm ’X-Wings’ fliegt durch die Gräben des ’Todessterns’ und ’Sternenzerstörer’ versperren die Sicht. Und das alles, während unsere beiden türkischen Helden vor der Rückprojektion sitzen und so tun, als säßen sie selbst im Cockpit einer der Flieger, nur dummerweise mit dem Rücken zur Ausrichtung der anderen Raumschiffe. Nicht, dass das schon der Dämlichkeiten genug wären, nein, als Musik bekommen wir die ‘Kampfstern Galaktika’ und ‘Indiana Jones’-Melodien eingespielt.
Da ist eine Bruchlandung vorprogrammiert und die beiden Flieger-Asse crashen auf einen fremdartigen Wüstenplaneten. So schnell kann’s gehen: Eben noch auf dem Todesstern und jetzt schon auf unserer Showbühne mitten in Ägypten. Vielleicht sind sie ja durch ein Wurmloch geschlüpft, haben eine Teleporterrune geschluckt oder Scotty war so freundlich, sie rüberzubeamen. Wir werden es nie erfahren, stattdessen werden uns die Pyramiden als außerirdische Bauwerke und Hieroglyphen als Zeichen des Bösen verkauft.

Kommentiert wird die Situation von beiden wie folgt:
“Maybe we crashed on a planet only inhabited by women. They could be testing us, to check which one of us is more corageous.”
“Than I take the lead.”
“But don’t forget to inflate your chest.”
Leider weiß ich nicht, inwiefern die UTs korrekt sind, aber Dialoge wie dieser sind schon stark an der Grenze des Unglaublichen. In Anbetracht der übrigen Geschehnisse in ’The man who saves the world’ sind sie da allerdings in bester Gesellschaft.


Faces of Trash

Willkürlich erscheinende Monsterfratzen sorgen für fragende Blicke und Lachattacken. In Toilettenpapier eingewickelte Mummelmimen, die Papierdreiecke als Klauen angeklebt haben, geben sich die Klinke in die Pfote mit Fellmonstern, die aussehen wie Zottie das Urvieh aus Pappmaché. Und immer wieder Cheapo-Kung-Fu-Prügeleien unserer beiden Helden mit diesen Plüschgestalten, megalomanische Sprüche des Oberbösewichts (“The feeble ones are dying. The galaxy era is my immortality era.“) und Musik aus amerikanischen Kinohits. Die Mischung ist so absurd, dass selbst dramatisch angedachte Szenen durch ungewollte Komik völlig verhunzt werden(Stichwort: das gewürgte Kind). Eines der Knaller-Highlights in diesem denkwürdigen Stückchen Filmgeschichte ist sicherlich die Trainingssequenz unserer beiden Helden, die sich nach einer Niederlage wieder aufrappeln:


Yup, even this Film has a Montage!


“Wer bist du?“
“Ein alter Mann. Ein alter gläubig weiser Mann.“

Auf DVD und mit einer deutschen Synchro könnten hartgesottene Trashonauten es wagen, den Film im Stück zu konsumieren. In seinem derzeitigen Zustand ist ’The man who saves the world’ einfach schwer zu verdauen. Ich selbst konnte mir das Teil nur häppchenweise geben. Rechnet man Augenreiben, Brilleputzen, sich selbst in den Arm kneifen und das Auffrischen des Flüssigkeitsvorrates mit den absolut nötigen Verschnaufpausen zusammen, kommt man auf gute vier Stunden, bei einer eigentlichen Laufzeit von 90 Minuten. Denn dieses Exemplar hier ist Trash im Konzentrat und sollte nur von Fachleuten und in dosierter Form angewendet werden.


Hudson