Das Geheimnis des blauen Diamanten



Originaltitel: The Treasure of the Amazon (1985) Regie: René Cardona Jr.
Drehbuch: René Cardona Jr. & Jacques Wilson
Darsteller: Stuart Whitman, Donald Pleasence, Bradford Dillman FSK: 16


Ein Dschungel-Abenteuer mit ’ner Extra-Portion Gewalt und ein bisschen Sleaze gefällig? Wir wär’s mit Charakternamen wie Gringo the Hunter, Klaus von Blantz the Nazi und Dick the Geologist? Hugo Stiglitz spielt auch noch mit! Na, wusst ich’s doch. Kommt rein!

Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren,
müssen Männer mit Bärten sein!
Die Story in den nötigsten Grundzügen: Im Amazonas lungern diverse Gruppierungen von Schatzsuchern herum und suchen nach diversen Schätzen (Gold, der blaue Diamant, Öl, Schrumpfköpfe, die Viagra-Pfanze). Da ist Gringo (Stuart Whitman), ein gieriger und skrupelloser Abenteurer, der weder vor großen Sprüchen noch vor Gewalt zurückschreckt und sechs Jahre lang im Dschungel verschollen galt. Dann sind da Clark und Dick, ihres Zeichens Bruchpilot und Geologe und ihre Ische Barbara, die anscheinend beiden mit sexuellen Gefälligkeiten zur Verfügung steht. Wem das an Verruchtheit noch nicht genügt, dem stelle ich mit Vergnügen die dritte Partei vor: Klaus der Altnazi (Donald Pleasence in den letzten Zügen), der zwar in Begleitung einer reizenden barbusigen Dschungelführerin ist, aber mit den von ihm erhofften Schätzen das dritte Reich wieder beleben will. Diese absurden Gestalten machen sich auf einen Unheil verheißenden Trip in die grüne Hölle, in der Raubtiere, Kannibalen und die Konkurrenz warten…

“I killed many yanks with this gun.“
“Yeah, I know about your war record, Klaus. I also know what a big man you were in the concentration camp. Lemme tell ya. I never killed a nazi before, but it’s not too late to start.“

Und alle die ihre Brüste offenbahren,
sollten Damen mit Lendenschurz sein...
Wie sagte ich eingangs schon: Eine Extra Portion Gewalt und ein bisschen Sleaze! Und genau das sind die Argumente, auf die der Mexikaner René Cardona Jr. (’Birds of Prey’) bei ’Treasure of the Amazon’ setzt. In der ungeschnittenen Fassung wird gehackt und gesuppt was das Zeug hält. Jaguare fressen Hühner, Krokodile werden erschossen und aufgeschlitzt, Eingeborene und Schatzsucher verlieren die Rüben durch die Hände und Macheten wilder Kopfjäger.
Hier wird der ’Indiana Jones’-Boom mithilfe von Zutaten der damals längst abgeebbten Kannibalen-Welle ausgeschlachtet. Der Dschungel bietet dabei eine sehenswerte Naturkulisse. An jeder Ecke warten die Krokos auf Frischfleisch, hier und da gondeln ein paar nackte Hupen durchs Bild, ein Indio frisst eine Tarantel, später fressen Krabben einem anderen das Gesicht vom Kopf. Exploitation-Junkies werden entzückt sein.
Solche Filme benötigen eine Frontsau, einen Protagonisten und einen dazu passenden Hauptdarsteller. Das muss kein Star sein, aber etwas Charisma schadet nie. Western-Ikone Stuart Whitman (’Macabra - Die Hand des Teufels’), der hier im ’Grizzly Adams’-Look rumläuft, kommt dieser Beschreibung wohl noch am nächsten. Er hat den nötigen Schmiss, doch ist er wie alle anderen nur Teil eines Ensembles. In Nebenrollen sind John Ireland (’Miami Golem’) als redseliger Busch-Missionar und Hugo Stiglitz (’Die Killermaschine’) als ungleich stillerer Bootskapitän zu sehen. Den Vogel schießt einmal mehr Donald Pleasence ab. Der hat in den Achtzigern jeden noch so beschissenen Part angenommen (siehe auch ’Specters’, ’Bye Bye Vietnam’, ’Warrior Queen’, ’Der Kampfgigant’ und und und) und darf hier den irre murmelnden Altnazi geben, der mit seiner halbnackten Begleiterin unglaubliche Dialoge probt.

“…revive the glories of the Third Reich. You could be part of that Reich. You are obidient. Like a dobermann.“
“What’s a dobermann?“
“A very intelligent dog.“

KRABBEN GREIFEN MENSCHEN AN!

Schatzjäger, Raubtiere, Insekten, Dschungel-Horror, Blutgier, Nazis unter Kannibalen. ’Das Geheimnis des blauen Diamanten’ ist ein schundiger Haufen derber Exploitation, der zwar nicht ohne Längen auskommt, aber Fans solcher Ware das dreckige Grinsen aufs Gesicht zaubern wird. Ihr unmoralischen Ferkel.


Hudson