Transylvania Twist


‘You’ll laugh all the way to the blood bank!’


Originaltitel: Transylvania Twist (1989) Regie: Jim Wynorski
Drehbuch: R.J. Robertson & Jim Wynorski
Darsteller: Teri Copley, Steve Altman, Robert Vaughn FSK: unbekannt


Wer läuft da so ängstlich durch den Forst? Ist es Rotkäppchen auf der Flucht vor dem Horst? Nein, es ist die Monique Gabrielle (’Todesjäger 2’), dicht gefolgt von Jason, Leatherface und Freddy. Doch die angebliche Damsel-in-Distress entpuppt sich als Vampirbraut, dreht den Spieß um und lässt sich die Hämoglobin-Füllung der drei Slasher-Ikonen munden.

Willkommen bei Jim Wynorskis und Roger Cormans ’Transylvania Twist’, einem der letzten Horror-Spoofs der Achtziger-Jahre und einem, der vieles richtig macht.

Helloooooo Baby!

”Ulthar was a sorcerer. At a time before history. When all the world was in darkness and chaos prevailed.”
“Oh, yeah. I remember. The Reagan administration!”

Dexter Ward (Steve Altman) wird von seinem Onkel, einem weisen, alten und kürzlich fälschlicherweise fast beerdigten Bibliothekar, Spezialgebiet Okkultismus, auf die Suche nach dem ’Buch Ulthars’ geschickt. Dabei handelt es sich um ein dämonisches Werk, dass er dummerweise dem transylvanischen Grafen Orlock ausgeliehen hat, der mithilfe eines der dort enthaltenen Sprüche das Ende der Welt herbeirufen könnte. Der Weg zum Grafen führt Dexter über dessen Tochter Marissa (Teri Copley), die in Hollywood auf die große Karriere hofft, bis dahin jedoch erst einmal in schrottigen Musik-Videos die prallen Hupen vor die Linse drückt. Just als Dexter die junge Dame aufsucht, erhält Marissa Post von einem gewissen Victor van Helsing, der ihr vom Tod ihres Vater berichtet. Gemeinsam mit Dexter bricht die junge Dame und frisch gebackene Erbin auf nach Transilvanien, wo sie schon kurz nach der Ankunft auf Gepäckträger-Zombies (“Hey, New York has its junkies and we have zombies. What’s the difference? They all look like Keith Richards anyway.”) Lederhosen tragende Lynchmobs mit deutschem Akzent und schließlich Van Helsing persönlich treffen, den sie auf der Kutschfahrt zum Schloss Orlock erst einmal näher kennen lernen.
Auf dem Schloss erwartet die drei Graf Orlocks finsterer Bruder Byron (Robert Vaughn), ein nicht weniger finsterer Butler (Angus ’Tall Man’ Schrimm) und drei vollbusige Vampirbräute (eine davon Monique Gabrielle aus Szene eins), die allesamt nur eins im Sinn haben: Die ungewollten Gäste so schnell wie möglich loszuwerden und mittels des ’Buch Ulthars’ das ultimative Böse zu beschwören…

Agenten des Lokalkolorit

“Little in-house humor here, folks.“
“I think it’s funny.”
”You think trainwrecks are funny.”

Vom “Your Ad Here”-Gag im Vorspann, über Winke Winke-Gags, Running Gags, Sight-Gags, Cartoon-Humor, Traumsequenzen-Humor und Rückblenden-Humor (”I want you to write on the blackboard: I will not stake vampires in class. And I want you to do it 50 times!”), lässt Regisseur und Co-Autor Jim Wynorski kein Parodie-Element aus, das sich nicht schon einmal irgendwo mehr oder weniger bewährt hat.
Dabei bedient er sich zeitweise sogar direkt bei einigen Gags aus Spoof-Klassikern wie ’Airplane’ (“There’s no dying in the red zone.”), schüttelt allerdings auch selbst solche aus dem Ärmel, die Jahre später von anderen gemopst wurden (die ’Pflock + Vampirherz = Blutsprudel Deluxe’-Szene aus Mel Brooks ’Dracula’-Version).
Natürlich fällt ein beträchtlicher Anteil der Witze flach (beispielsweise die schrecklich alberne Hinterlassenschafts-Sequenz), was bei einem Film mit derartiger Gagdichte aber zu verschmerzen ist. Die Talente der Darsteller beschränken sich auf Goofy Acting bei den Herren der Schöpfung (Höhepunkt: Robert Vaughns überkandidelter Orlock) und Oberweite Presenting bei den Damen (Höhepunkt: Monique Gabrielle).
Da dies eine Roger Corman-Produktion ist, findet man bei ’Transylvania Twist’ mal wieder einige Unzen an Archivmaterial. Allerdings macht Corman hier aus der Not eine Tugend und bindet Szenen aus seinem Grusel-Klassiker ’The Terror - Schloss des Schreckens’ ein, in denen Hauptdarsteller Steve Altman (in Bester ’Tote tragen keine Karos’-Manier) sich mit Boris Karloff persönlich über das ’Für und Wider’ jenes Filmes unterhält.

Keep the silly comin'!

Ein klassischer Frankenstein-Mob kann sich nicht einigen, wie und wann man das Schloss attackieren soll und entscheidet sich nach langem Gezanke (der Abspann läuft schon), dass man lieber nach Hause gehen sollte. Angus Schrimm schickt fliegende, silberne Kugeln durch die Flure, die von den Protagonisten in voller Baseballmontur (und mit Sportkommentator an ihrer Seite) abgewehrt werden. Ein Pinhead-Lookalike kommt aus einem Akupunktur-Laden und beschwert sich über den Nadel-Schmerz. Und für's Finale holt Corman sein altes ’It conquered the world’-Gummimonster aus dem Bestiariums-Archiv. Ladies and Gentlemen, ’Transylvania Twist’! Eine Komödie, die (öfter als man es Jim Wynorski und Konsorten zutraut) erfolgreich um die Lacher seiner Zuschauer buhlt und meistens in die richtige Richtung kaspert. Heitere Horrorhumpen und Fans von Mel Brooks Quatsch-Eskapaden mit Verlangen nach Seitenhieb-Dauerfeuer dürften sich bei ’Transylvania Twist’ pudelwohl fühlen.


Hudson