Top Line - Das Geheimnis des Azteken-Berges


‘Ein versunkenes Schiff. Ein sagenhafter Goldschatz. Ein außerirdisches Raumschiff. Das Abenteuer seines Lebens’


Originaltitel: Top Line (1988) Regie: Nello Rossati
Drehbuch: Roberto Gianviti & Nello Rossati
Darsteller: Franco Nero, Deborah Moore, Mary Stavin FSK: 16


Atzes Theke: Open 24/7
’Top Line’ ist die Geschichte des Schriftstellers Ted Angelo (Franco Nero), der in Kolumbien dem Alkohol frönt und das Schreiben vernachlässigt, bis seine Ex-Frau und Herausgeberin ihm ein Flugticket als Denkzettel für die fruchtlose Schaffensphase schickt. Doch als Angelos Freundin ihn mit einem seltenen Dolch aus einem Aztekenschatz überrascht, ist der Autor angepiekst. In Zusammenarbeit mit dem zwielichtigen deutschen Antiquitätenhändler Holzmann (George Kennedy) entdeckt er eine Höhle, in der direkt neben einer 500 Jahre alten spanischen Galeere ein außerirdisches Raumschiff geparkt ist. Im Folgenden sind Angelo allerlei finstere Gestalten auf den Fersen und selbst die Justiz ist plötzlich hinter ihm her. Dem Gehetzten bleibt nur noch die Flucht nach vorne. Doch da warten schon Cyborgs, Aliens und seine Ex-Frau auf ihn…

“Der CIA der KGB, diesmal stecken alle unter einer Decke.“
[…]
“Wie passen der alte Nazi Holzmann und der Kolumbianer da hinein?“
“Die Mafia!“

Öh, ich hätt's zur Aufpäpplung ja erst mal mit 'ner blauen Pille probiert.

’Top Line’, damit ist laut VHS-Backcover die Schlagzeile gemeint, allerdings glaube ich, dass hier eher eine Superstrecke von weißem Pulver des Pudels Kern war.
Autor und Regisseur Nello Rossati schlug zunächst in die Kerbe uninspirierter Schatzsucher-Streifen, die im Fahrwasser der ’Indiana Jones’-Filme aus Italien schwappten, nur um ab der Hälfte den kompletten Genre-Knick einzubauen. Von da an gibt es plötzlich eine Verschwörungstheorie nach der anderen, eine Verfolgungsjagd mit einem waschechten Cyborg aus der ’Terminator’-Gedächtnis-Abteilung, die in der Vernichtung des zweibeinigen Gerätes durch einen wilden Stier endet und zum Finale sogar den unglaublichen Auftritt der außerirdischen Verursacher dieses ganzen Tohuwabohus.

Frage an's Feuilleton: Darf man
George Kennedy als Nazi zeigen?
Für die Hauptrolle holte Rossati seinen ’Django kehrt zurück’-Star Franco Nero mit ins Boot. Der hatte sich bis dato in unzähligen Rollen als harter Kerl bewiesen, ist als saufender, verwirrter, schnurrbärtiger, zauselhaariger Autor jedoch eher auf der peinlichen Flanke unterwegs. Roger Moores Tochter Deborah fällt an Neros Seite kaum auf, aber mit ’Guest Star: George Kennedy’ haben wir nicht nur einen der vielversprechendsten aller Vorspann-Credits, sondern tatsächlich einen reichlich erheiternden alten Hollywood-Sack als Nazi-Opa Heinrich Holzmann am Start.
Die abstruse Story wird durch ein paar herrlich knautschige Effekte, wie den schmelzenden Italo-Cyborg (mit heraushängendem Zoom-Glupschauge) und dem finalen FX-Gag aufgelockert. Der Alptraum eines jeden Mannes wird wahr, wenn aus Teds Exfrau ein unglaublich groteskes Alien mit Peitschenzunge wächst, das nach ihm schlabbert und seinen Geschmack lobt.

“Ich schreibe eine Dissertation. Die weiße Sklaverei unter der Regierung von Isabella der Katholischen.“
“Hört sich faszinierend an.“
“Es freut mich, dass sie das sagen.“

Uuuuuh, SPOILER WARNING!

Fazit: Unermessliche Aztekenschätze, durchgeknallte Roboter und schleimige Aliens. Drum herum haarsträubende Theorien und Zusammenhänge, die sich nur den paranoidesten Verschwörungstheoretikern erschließen, abgerundet durch ein Finale, das mehr Fragen aufwirft, als beantwortet. Vielleicht ein Erlebnis für hartgesottene Genre-Freaks, wissbegierige Trash-Azubis und unbelehrbare Erich von Däniken-Fans. Für Menschen, die noch ein bissel gesunde Grütze im Schädel haben, eher abtörnend.


Hudson