Revenge of the Warrior



Originaltitel: Tom yum goong (2005)
Regie: Prachya Pinkaew Drehbuch: Napalee, Piyaros Thongdee, Joe Wannapin, Kongdej Jaturanrasamee & Prachya Pinkaew
Darsteller: Tony Jaa, Petchtai Wongkamlao, Bongkoj Khongmalai FSK: 16


Never change a winning team (and concept)! Dachte sich wohl Regisseur Prachya Pinkaew und setzte auf seinen Vorgänger ’Ong Bak’ gleich noch eins drauf. Wieder mit dabei: Tony Jaa, dessen Name unter Martial Arts-Fans dieser Tage sicherlich Programm ist. Als großer ’Ong Bak’-Fan (eine der ’erfolgreichsten’ Sneak-Previews, die ich jemals hatte!) befürchtete ich allerdings, hier würde ein Schnellschuss des schnöden Mammons wegen abgefeuert werden. Denkste! ’Revenge of the Warrior’ rocks! And here’s why:

Fathers & Sons
Der Film beginnt täuschend niedlich und friedlich. Wir sehen Tony Jaas Charakter, Kham, aufwachsen. Stets an seiner Seite: Sein fürsorglicher Vater, ein Elefant und dessen Junges. Mit der Ruhe ist’s vorbei, als der Dickhäuter dem König zum Geschenk gemacht werden soll. Voller Freude auf diese große Ehre, bemerkt Khams Vater bald, dass die angeblichen Botschafter ihrer Majestät ein krummes Ding planen. Er weigert sich, den Elefanten herzugeben und bezahlt dafür mit seinem Leben. Das Tier und dessen Junges werden ausgerechnet nach Sydney, Australien entführt. Kham packt seine sieben Sachen und reist hinterher. Kaum angekommen, gerät er auch schon wieder in Schwierigkeiten und diese verlangen seinen schlagkräftigen Körperteilen alles ab, was sie hergeben können…

Klar ist ’Tom Yum Goong’ nur ein Action-Film, dessen Story auch noch eine Eins-zu-Eins-Kopie von ’Ong Bak’ ist (diesmal ist es halt kein Buddha-Kopf, sondern ein Elefant… nee, sogar zwei). Allerdings ist dies durchaus ein Film, dem man das verzeihen kann, denn was innerhalb des beschränkten Rahmens geschieht, ist mehr als lebendig.

Tony Hawk? Pah... Tony Jaa!
Die Kämpfe sind schlichtweg atemberaubend. Was und wen Jaa hier alles mit seinem Knie aus Stahl von der Bildfläche fegt, ist kaum zu glauben. Man möchte fast meinen, seine Akrobatik und die schmerzhaft beeindruckenden Stunts stellen alles bisher Gesehene in den Schatten.
Die hervorragende Kamera-Arbeit kann mit der gezeigten Action durchaus mithalten. Das zeigt auch die exzellent eingefangene Boot-Verfolgung zu Beginn. Die Vielfalt der Set-Pieces kennt keine Grenzen. Ob Jaa in U-Bahn-Schächten gegen ganze Klopper-Gangs und ’Thugs on Rollerblades’ kämpft, oder in einem gefluteten Tempel einen Capoeira Fighter, einen Schwertkempen und den Wrestling-Brocken Nathan Jones hintereinander fettich macht: Der Mann zeigt, dass ’Martial Arts’ tatsächlich etwas mit ’Kunst’ zu tun hat!
Auf all diese fetzigen Einstellungen können Prachya Pinkaew und sein Hauptdarsteller trotzdem noch eins draufsetzen. Ich spreche von einem vierminütigen Take, in dem die Jaasche Verwüstung eines mehrstöckigen Club-Hauses komplett ohne Schnitte zelebriert wird. Unglaublich, wie der Mann seine Umgebung nutzt. Das muss man einfach sehen, um es zu glauben.

Knietief im Jaa
Dass sein Spiel nicht allzu nuanciert ist, dürfte bekannt sein. Was soll’s: Jaa passt in seine Rollen, wie sein Knie in die Fresse des Gegners. Und wer bitte kann einen Mann nicht mögen, der jeden seiner Auftritte mit einem gebrüllten “Wo ist mein Elefant!?“ einleitet?! Auch die Bösewichter sind nicht ohne. Vor allem eine gnadenlose, peitschenschwingende Femme Fatale, die auch nicht davor zurückschreckt, ihre gesamte Familie zu vergiften, um schließlich im Finale (mit Extra-Portion ’Kill Bill’) auf den Helden zu treffen. Ebenfalls mit von der Partie ist Petchtai Wongkamlao, dessen Rolle zwar nicht so groß ist, wie in ’Ong Bak’, der aber die Lacher wieder auf seiner Seite hat. (Auch wenn es schon ein bissel komisch ist, dass in Sydney so viele Thais rumlaufen. Aber was weiß ich schon?) Bleibt abzuwarten, wass Tony Jaa mit seiner Karriere anstellt. Ich hab da ein gutes Gefühl, solange er nicht auf das von links und rechts kommende ’Der neue Bruce Lee’-Gelaber achtet. (Leute: Bruce Lee war Bruce Lee, Jackie Chan ist Jackie Chan, Tony Jaa ist Tony Jaa und Jean-Claude van Damme ist …scheiße!)

Auch als Standbild imposant

Ihr habt mit ’Ong Bak’ gefeiert? Jetzt feiert mit ’Tom Yum Goong’! Der Film ist einfach glänzend choreographiert, temporeich inszeniert und atemberaubend fotografiert. Bitte, bitte, bitte mehr davon!

Hudson