Die Frauen, die man Töterinnen nannte


‘Hell hath no fury like 10,000 women!’


Originaltitel: Le amazzoni - donne d'amore e di guerra (1973)
Regie: Alfonso Brescia
Drehbuch: Mario Amendola, Bruno Corbucci & Fernando Vizcaíno Casas
Darsteller: Lincoln Tate, Lucretia Love, Paola Tedesco FSK: unbekannt


“Ich gedenke, das Dorf Leukos angreifen zu lassen. Es gibt junge Männer dort und ich brauche euch ja nicht zu sagen, dass wir welche nötig haben.“
“Nein, nicht die Männer haben wir nötig. Wiir brauchen nur ihren Samen. Es ist keine Frage, dass Männer die minderwertigsten Kreaturen auf Erden sein. Es ist bedauerlich geaug, dass sie für unseren weiteren Fortbestand unerlässlich sind. Doch sollten wir unter keinen Umständen unvernünftig handeln.“

Kurzfristige Titeländerung:
Die Frauen, die man Selbsttöterinnen nannte
Unvernunft wäre auch kaum denkbar, bei so aggressiv ausgeübter weiblicher Intuition. Als Leukos schließlich überfallen wird, müssen die unbarmherzigen Powerbräute vom Amazonen-Stamm schnell feststellen, dass nur die Alten, Frauen und Kinder vor Ort sind. Die Männer haben sich nämlich auf den Feldern versteckt. Dumm für die Hinterbliebenen, die ohne viel Federlesen über den Haufen geknüppelt werden. Als die Herren der Schöpfung aus den Büschen zurück gekrochen kommen, entschließen die Überlebenden der Attacke, sich zu wehren (vorher, mit mehr Leuten zur Verfügung, wär’s auch zu einfach gewesen). Die Tochter des Dorfältesten übernimmt nach dessen Tod schließlich das Kommando über Leukos und engagiert eine Gruppe von raubeinigen Wegelagerern, die den Schlappschwänzen in ihrem Dorf das Ärsche treten beibringen sollen…

“Ist es wahr, dass du eine von den Töterinnen geliebt hast?“
“Ja.“
“Wie ist es dazu gekommen?“
“Eines Tages war ich allein auf der Jagd. Plötzlich stand Veronia vor mir und griff mich an. Sie wollte mich in ihr Lager mitnehmen. Wir kämpften eng umschlungen miteinander und plötzlich liebten wir uns.“

Achja, der gute alte Pit Fatalaty
Einen besseren bildlichen Vergleich für ’Die Frauen, die man Töterinnen nannte’ hätte ich selbst nicht herbeizaubern können. Gewalt und Sex, ohne klare Grenzen. Sleaze und Gore, hin und wieder ein paar eingeschobene Lacher; Alfonsio Brescia (hier unter dem klanghaften Synonym ’Al Bradley’ unterwegs) versteht es, obskure Mischen anzurühren, sie auf den scheppernden Exploitation-Karren zu hieven und den schließlich in den Sand zu fahren. Die Grundstory von ’Sieben Samurai’, Leopardenfellschilder und lederne Stirnbänder und Steinbruch-Romantik treffen auf eine Softporn-Orgie, in der den Zuschauern mehr haarige Ärsche zugemutet werden, als sie je im Leben sehen wollten (Fetischisten evt. ausgenommen). Wenn zu lustiger Brummbär-Musik Frauen zur Vergewaltigung herausgepickt und fortgeschleppt, oder nackt am Marterpfahl ausgepeitscht werden, hält die Fragwürdigkeit Einzug.
Dass die dargestellte Grausamkeit und die teilweise ungemütlichen Porno-Einlagen hin und wieder von ein paar unfreiwilligen oder, dank eingestreuter Kaspersprüche (“Ihr habt zwei Flossen und zwei Schweißmauken, also gebraucht sie auch.“), auch freiwilligen Lachern aufgelockert werden, dürfte den Film für Trashfans womöglich interessant machen. Der Kopf klirrt schon ein wenig, wenn die Barmherzigkeit der Amazonen auf die Probe gestellt wird. So haben die Damen zwar scharfe Schwerter (zum Beweis dient ein abgehackter Schildarm als Gore-Brocken gleich zu Beginn) und primitive Schusswaffen (Pfeil und Bogen mit Fellapplikationen), wenn aber die alten Männer, die im Steinbruch ihre Sklavenarbeit verrichtet haben und den Dienst für immer beenden dürfen (will sagen: wenn neue, jüngere Sklaven aus dem Nachbardorf deportiert, und die alten aus dem Weg geschafft werden sollen), führen die Amazonen die Exekution mit stumpfen Knüppeln durch.

Buds & Terences Nemesis: Ricardo Pizutti
(plus drei herumhängende Geigen)
Nicht, dass die Tanten total herzlos wären. Beim Auspeitschen einer Kameradin bemerkt eine fast nachsichtige Amazone schließlich: “Nach unseren Gesetzten solltest du eigentlich noch 10 Schläge mehr bekommen. Aber ich hoffe, du bist gedemütigt genug.“ Und als die alten Sklaven exekutiert werden, wird protokolliert: “Ziemlich blutig das Ganze. Sehr umständlich, hinterher das Ganze wieder vom Blut zu reinigen.“
Der einzige mir hier bekannte Darsteller hier ist Ricardo Pizutti, jener graumelierte Sauerkohlträger, der in diversen Spencer & Hill-Streifen immer ordentlich auf die Lauscher bekommt. Der Rest setzt sich aus ähnlichen Italo-Schlägeln und Damen mit Namen wie Lucretia Love zusammen, die womöglich eine Zukunft in der Prono-Branche fanden.
Der Film ist zuweilen derartig dunkel, dass man beim nächtlichen Angriff der Amazonen auf das Dorf überhaupt kein Dorf erkennen kann. Nach Ende des Gemetzels sehen wir lediglich ein paar brennende Haufen in einem Wald. Entweder war das Feuer verheerender als Godzillas Todesatem oder die Dunkelheit diente tatsächlich nur dazu, über die Mängel im Budgets hinwegzutäuschen.

Aber mit sexualisierten Huftieren hat's der Brescia...

“Amazonen! Der Mond leuchtet uns. Er ist voll und unbesiegbar. Ebenso unbesiegbar wie die überlegene Rasse der Amazonen.“

Und ebenso voll, wie die Macher dieses Schinkens gewesen sein müssen, als sie zu Werke gingen. Aber höchstens halb so voll, wie die Zuschauer sein müssen, wenn sie sich den Blödsinn hier anschauen wollen. Halb so wild, denn ’Battle of the Amazons’ aka ’Barbarian Women’ (Alterativtitel) ist für biersaufende Knallköppe wie geschaffen.


Hudson