Tödliche Fracht


‘Terror has 8 legs.’


Originaltitel: Tarantulas: The Deadly Cargo (1977)
Regie: Stuart Hagmann Drehbuch: John Groves & Guerdon Trueblood
Darsteller: Claude Akins, Deborah Winters, Bert Remsen FSK: 16


Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…
Denken jedenfalls die drei Ecuadorianer, die im Laderaum des Flugzeugs zweier amerikanischer Kaffeeschmuggler auf dem Weg ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind. Dummerweise sind sie nicht die einzigen illegalen Passagiere an Bord. In die Kaffeesäcke haben sich nämlich gefährliche Taranteln geschlichen, die alsbald den Herren im Frachtraum ans Leder wollen. Die Piloten (u.a. Tom Atkins) wollen angesichts der erkrankten Reisegäste auf dem nächstbesten Kleinstadt-Flugplatz landen, werden jedoch just im Anflug ebenfalls von den mörderischen Spinnen gebissen und schmieren im großen Stil ab. Die Absturzstelle, Finleyville, Californien, ist eher für ihre saftigen Orangenhaine bekannt, doch nun wird das Vitamin C durch herzhaftes Spinnen-Toxin abgelöst …

Herr Ober, da ist eine Spinne in meinem Kaffee!

“Ich hab auch noch nie einen Todesfall durch Spinnen gesehen und heute sind es vier.“
“Das kann nur ein Zufall sein.“

Ach du meine Nase… Ende der 70er hatte der Tierhorror-Boom scheinbar ein akutes Durchwinken animalischer Scripts bei den Filmstudios zur Folge.
Einmal abgesehen von all den Bären, Fischen und Vögeln, war ’Tödliche Fracht’ zwei Jahre nach dem Superlative Trasher ’Angriff der Riesenspinne’ und im selben wie ’Mörderspinnen’ (mit William Shatner) schon der dritte Film zum Thema ’Spinnen greifen Menschen an’ (wurde einer vergessen?).
Ich habe ja grundsätzlich nichts gegen diese Unterart des Horrorfilms, was mir aber echt sauer aufstößt, sind die ewig gleichen Mechanismen und Klischees, die sich wie ein roter Faden, wie eine Verschwörung der Einfallslosigkeit durch selbige zieht.

Szene in Worten:
Nein, ich will meinen Schläger,
auf dem eine fette Killerspinne
sitzt, nicht hergeben. GNATZ!
Zum einen ist da der ewig währende Kampf zwischen dem Protagonisten (meist einer gutmütigen, aufmersksamen, gerechten Autoritätsperson) und seinem menschlichen Antagonisten (oft einem wirtschaftlich orientierten, gierigen und gewissenlosen Sausack). Der eine will die Sicherheit der Menschen, der andere will sein Unternehmen vorantreiben. Das gabs beim ’Weißen Hai’ (Strandbad), bei ’Grizzly’ (Wildpark), ’Piranha’ (Hotelanlage mit Strandbad), ’Piranha 2’ (Strandbad mit Hotelanlage), ’Die Stunde der Ratte’ (Universität), ’Fluss der Mörder- Krokodile’ (Hotelanlage am Fluss) und und und…
Was bei ’Jaws’ Chief Brody und Bürgermeister Vaughn waren, sind hier Claude ’Sheriff Lobo’ Akins als Chef der hiesigen Feuerwehr und Bert Remsen (’Sundown’) als Plantagen-Besitzer. Zugegeben, ich könnte das zu Tode geprügelte Szenario abnicken, wenn der Feind der beiden, nämlich die GEFÄHRLICHSTE SPINNENART DER WELT (die sogenannte Wanderspinne bzw. Bananenspinne) ihrem Ruf auf eine, sagen wir mal, brisantere Art und Weise gerecht würde. Aber die Viehcher sehen genau so harmlos aus, wie ihre tierischen Darsteller wahrscheinlich sind. Anstelle von Spannung und Nervenkitzel gibt es nur augenrollende, kreischende und hinfallende Menschenopfer, die dem Begriff ’Wie von der Tarantel gestochen’ eine ganz neue, viel pappigere Bedeutung geben.
Während Aikin und Remsen mit ihren Knautschvisagen noch den einen oder andere Genre-Fan beglücken dürften, kann man den Rest der Darsteller-Mischpoke wohl am besten mit folgendem Dialog beschreiben: “Ich weiß überhaupt nicht, was ich hier tun soll.“ “Ich auch nicht.“

Erklärung folgt im Fazit:

Je weniger über ’Tödliche Fracht’ gesagt wird, desto besser. Es könnte noch irgendjemand auf die Idee kommen, sich den Blödsinn anzuschauen. Zum Beispiel wegen des dämlichen Finales, in dem die Anwohner sich mitten in der Nacht im Warenlager versammeln, um die Spinnen mittels Killerwespen anzulocken. Wie sie das anstellen? Ganz einfach: Sie packen besagte Wespen in eine Box, rütteln und schütteln den Behälter regelmäßig und halten ihn an ein Mikrofon mit Bass-Verstärker. Mist, ich glaub ich hab’s verkackt…


Hudson