Das Todesschwert der Ninja



Originaltitel: American Commando Ninja (1988)
Regie: Lo Gio Drehbuch: Drehbuch? Welches Drehbuch?
Darsteller: Man Fei, Patrick L’argent, Simon Kwan FSK: 16


Meine Herrschaften, um den vorliegenden Film zu verstehen, muss man die Geschichte des Ninjas-Films verstehen. Um die Geschichte des Ninja-Films zu verstehen, muss man die Geheimnisse der Filmindustrie Hong Kongs verstehen. Um diese wiederum zu verstehen, müsste man mit dem Teufel einen Pakt abschließen, der keinen geringeren Pfand verlangt, als die eigene Seele.
Vergessen wir das vorerst und schiffen unsere Überlegungen an diesem Fakt vorbei.
Um zu begreifen, wovon ’Das Todesschwert der Ninja’ handelt, benötigt es eigentlich nur eines Dialoges, der in Szene eins des Films selbst zum Besten gegeben wird:

David & Meister
“David hör zu! Also offen gesagt: Unter all den Ninjas dieser Schule bist du wirklich einer der besten. Und der Auftrag, den ich für dich habe, ist wirklich sehr kompliziert. Dabei brauchst du mehr als Jiu-Jitsu und mehr als Ninjitsu. Deine Gegner sind chinsesische Kämpfer und die beherrschen die große Magie, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Und zwar HOKUS POKUS!“
“Hokus Pokus?“
“Richtig David. Die Magie des Hokus Pokus!“
“Das kapier ich aber nicht! Warum muss ein Japaner nach China fahren, um gegen chinesische Kung Fu-Kämpfer und Hokus Pokus anzutreten?! Der Auftrag scheint mir mehr als verrückt zu sein, Meister.“
“Nein, David. Seit langen Jahren sind die Chinesen und wir Freunde. Aber vor einer Woche hat sich ein Wissenschaftler abgesetzt. Und den sollen wir zurückholen. Er ist im Besitz einer Formel und die darf niemand kriegen. David hör zu: Du musst Tanaka finden, ehe er Kontakt aufnehmen kann! Zu irgendwelchen Agenten oder kriegführenden Mächten.“
“Kriegführende Mächte?“
“Ja, einige dieser Mächte planen die Zerstörung der ganzen Welt!“

Tanaka & Martin
Wenn das nichts ist. Vor allem: Wenn das nich mal eine Komödie ist!
Nein, ist es nicht. Oh nein, weit gefehlt. Dieser Dialog wird mit der Ernsthaftigkeit eines Staatsbegräbnisses vorgetragen. Wir lachen trotzdem, oder gerade deswegen und wegen des Sets, in dem gedreht wurde: Ein Wohnzimmer, das zum Ninja-Dojo umfunktioniert wurde. Was so eine alte Samurai-Rüstung und ein wenig Weihrauch nicht alles bewirken (nämlich gar nicht!).
Szene 2.
Der Wissenschaftler Tanaka wird am Flughafen von seiner russischen Kontaktperson (kriegführende Mächte, remember?) abgeholt und nach kurzem Zwischenfall mit einer feindlichen Fraktion in Sicherheit gebracht. Dort folgt die nächste Gesprächs-Bombe [russischer Akzent an] “Sie hätten uns vertrauen sollen, Mr. Tanaka! Gleich von Anfang an. Denn jetzt will jeder Popel-Staat diese Geheimformel von ihnen haben.“
“Wie… jeder Popel-Staat?“

Mark, Brenda & Becky
Wir kürzen das hier mal ab und erwähnen lieber, wie Tanaka nach dem Gespräch (der Russe, der übrigens aussieht wie ’Dr. Gerner’, hat den Raum schon verlassen) verzweifelt auf seinen Sessel eindrischt und dann doch das Weite sucht. Gestoppt wird er von einer Minipli-Lady in den grellsten und engsten Klamotten diesseits der 90er Jahre. Auch sie hat etwas zu sagen: “Durch ihre Entdeckung könnten viele Menschen sterben. Menschen, die einfach in Ruhe und Frieden leben wollen. Menschen wie ich zum Beispiel. Wir alle würden durch ihre Formel sterben.“
Brenda (so der Name der Dame) und ihre Freundin Becky arbeiten für eine weitere Partei, präsentiert durch den China-Opa Mark (man achte auf die Namen!), der Tanakas Tod will. Kommt ihr noch hinterher?
Jedenfalls bringt Becky (ein maskulines Power-Luder) Tanaka dazu, die Formel aus einer alten Laubenpieper-Parzelle zu graben (Spitzhacke galore!), während sich Mütterchen Russlands Schergen (dank Peilsender) dem Geschehen nähern.
’Wann kommt denn endlich wieder David?’ fragt ihr jetzt vielleicht. Na jetzt!
Der weiße Ninja mischt die Russen auf und verhilft somit Becky und Tanaka zur Flucht, während Mark (der Opa!) die Formel entführt. Nix wie hinterher, denkt sich David. Und tatsächlich gelingt es ihm beinahe, Mark zu stoppen, als aus dem Nichts (hier ist sowohl das örtliche, als auch das narrative Nichts gemeint) ein zweiter Fighter auftaucht: Larry!

Larry beherrscht Hokus Pokus
Larry ist vorerst nicht als ein Mitglied einer Kämpfer-Innung zu erkennen, trägt er doch ein orange-farbenes Hemd und Hawaii-Shorts. Trotzdem beherrscht er (Achtung!) ’HOKUS POKUS’, womit er dem sichtlich überraschten David ordentlich einheizt. Ein Duell folgt, das keinen Sieger hervorbringt. (“Kein Wunder, dass ihr Chinesen Hokus Pokus so hoch schätzt! ’n guter Kampfsport.“) Was tun, wenn’s brennt? Ganz klar: Freundschaft schließen und für ein Bierchen auf’s Hotelzimmer (!!!). Dort werden dann erstmal grundstzliche Dinge geklärt: “Es ist mir egal, wie sie über Hokus Pokus denken. Besonders ihr Ninjas. Ihr habt doch auch keine besseren Kampf-Methoden!“
“Wie man was tut, ist egal. Man muss nur ein reines Gewissen haben.“
Desweiteren fasst David nochmal netterweise für Larry (und uns Zuschauer) den Plot zusammen:
“Nun, der Kerl um den Martin und Mark kämpfen ist Dr. Tanaka. Und Tanaka möchte zu gern die Formel an den Russen Martin verkaufen.Und Mark will das nicht zulassen und sie auch haben.“ (Danke, David.)
Was nun folgt, ist die Vereinigung des Ninjas und des Hokus-Pokus-Meisters, die ihre Freundschaft bei einem Glas Wein und gebratenem Salat (!!!) besiegeln und fortan gemeinsam versuchen, die Formel zu vernichten.

David & Larry beim Saufen und Salat-Braten!!!

“Um die Formel zu kriegen, Mark, musst du aber erst das goldene Horn finden!“
“Das goldene Horn?“

Zooms, Booms und Shrooms!
Joseph Lai plus Lo Gio plus Godfrey Ho = Die Mutter allen Ninja-Trashs!
Was hier geht, geht gar nicht und wenn, dann nur mit Bier und ’nem Z-Movie-Visier. Wer jedoch vollkommen resistent gegen stümperhafte Guerilla-Optik ist, sich an Qualitäts-Standards a la ’Trash Monsters from Outer Space’ nicht stößt und überhaupt mal den schlechtesten Film aller Zeiten sehen möchte (natürlich die Sorte: So schlecht, schon wieder gut!), der muss hier einfach zugreifen.

Ninjas gibt's auch...
Mit wackeligen Billig-Bildern (wahrscheinlich von der Kamera Lo Gio’s Schwiegermutter) werden die grellsten Neon-Farben, die größten Bekleidungs- und Frisur-Verbrechen der gesamten Filmgeschichte eingefangen.
Die Begleit-Musik klingt abwechselnd nach Disco-Ausschuss, dem Soundtrack zu ’Super Mario Land 2’ und eventuellen ’Deleted Scenes’ aus Heinz Rudolf Kunzes Erstlingswerk ’Reine Nervensache’ (Kunze-Fans wissen, wovon ich hier fasele).
Ein Höhepunkt in Sachen spaßiger Blödheit sind die ernst gemeinten aber lachhaft synchronisierten Dialoge. Der Anfangs-Monolog (’HOKUS POKUS’ sprich ’HAOKES PAOKES’) ist heute schon ein Klassiker des modernen Trash-Sprechs. Leider zieht sich der Film ab der zweiten Hälfte ein wenig. Hier versuchen die beiden Protagonisten nämlich 1.) mit den Bösewichtern zu verhandeln und 2.) den beiden Schnecken an die Wäsche zu gehen, was in einem weiteren Dialog mündet, den ich euch unmöglich vorenthalten kann:
“Brenda, kennst du dich selbst?“
“Natürlich!“
“Und Mark ist dein Onkel?“
“Natürlich! Warum?“

...zwar ohne Todesschwert,
dafür mit blitzenden Shuriken!
“Du irrst dich! Ich versuch dir das mal zu erklären.“
“Bist du wirklich Marks Nichte? Ich möchte, dass du sorgfältig darüber nachdenkst!“
“Was sagst du da?“
“Ich warne dich. Lass dich von niemandem täuschen. Auch nicht von deinem sogenannten Onkel!“
“Ich weiß, was ich tue. Meine Eltern wurden getötet durch Tanakas grauenvolle, bakteriologische Tests.“
“Oh.Wann war das?“
“Während des 2. Weltkriegs.“
“Hm, Brenda… wie alt bist du denn?“
“Warum?“
“Ha. Auch wenn du gegen Ende des 2. Weltkrieges geboren wärst, wärst du über vierzig. Kapiert!? Hast du die Vierzig überschritten?“
“Nein…“
“Ha. Ich hab’s dir gesagt. Wir können’s nicht verleugnen. Wir sind Japaner!“

Ganz, ganz groß!
Die Action zerrt am Zwerchfell, wie die Optik an den Sehnerven. Plaste-Pistolen, Säure-Seile, Ninja-Sterne, Ninjas hängen an Balken, Ninjas machen Hokus Pokus. Und zum Finale treffen sich dann sämtliche Protagonisten zum Klopper-Stelldichein, Russe Martin erklärt sogar: “Ich werde zurückkommen und es euch heimzahlen!“, wozu es ’leider’ nie kam.

The End of all Things

Fassen wir zusammen: Völlig an den Haaren der Macher herbeigezogener Action-Quatsch, ohne Sinn, Verstand und Equipment, dafür aber mit Stümper-Sprüchen und ’Hokus Pokus’. Optisch, erzählerisch und schauspielerisch auf dem Niveau eines Neptun-Fests im Kindergarten, nur eben ohne Erzieher und mindestens genauso spaßig. Wahrscheinlich einer der schlechtesten Filme aller Zeiten und das ist auch gut so!

Hudson