Das Todeslied des Shaolin



Originaltitel: Return of the Chinese Boxer (1975) Regie: Yu Wang
Drehbuch: Die 1000 Wahnsinnigen von Ping Pong
Darsteller: Yu Wang, Fei Lung, Ching Chi Min FSK: 18


“Es wird solange gekämpft, bis einer der beiden tot zu Boden fällt.“
“Tao Lo hat verloren. Er liegt eindeutig tot am Boden!“

Leute, ich sag’s ja immer wieder; die ganzen Kung Fuzzies haben einen an der Reiswaffel. ’Das Todeslied der Shaolin’ (aka ‘Return of the Chinese Boxer’) macht da keinen Unterschied, sondern bekräftigt meine (vom Konsum etlicher Hong Kong Fui Filmen verwirrte) Meinung noch mehr.

Das frühe 20. Jahrhundert:

Der Orgel-Pfeifen-Killer
Japan und China stehen kurz vor einem Krieg. Die Kaiser beider Staaten sind zwar alt und grau, ihre Feldherren aber immer noch munter auf Zwist aus. Daher schicken die bösen Japaner ihre Schurkentruppen ins Feld, um die Tochter des Kaisers von China zu entführen, welche wiederum eine kleine Rebellen-Truppe mit Hilfe des coolen Einzelkämpfers Wang Yu in den Kampf führt… oder so.
Aber wen interessiert schon die Story?! Wir haben es hier schließlich nicht mit der Biographie von Mao Tse Tung oder dem neuesten Wanderroman des Meister Li zu tun, sondern mit einer waschechten Klopper-Klamotte im Stile von ’Der einarmige Boxer gegen die fliegende Guillotine’ oder ’Der dreiarmige Kung Fuzius gegen die Sonnenhüte des gelben Todes’ oder ’Die Latte im Schatten der Ratte’ und wie sie nicht alle heißen.
Was im Klartext bedeutet:
Es gibt Typen mit Hüten (auf denen man locker mal ein Fünf-Gänge Menü servieren könnte), die nur mal kurz zu pfeifen brauchen, um 100 versteckte Kämpfer aus Nachbars Ginsterbusch herauszulocken, und Wurfgeschosse mit Chopsticks auffangen können (was übrigens recht praktisch ist, denn in einer anderen Szene wird eine bayrische Rübe als tödliches Wurfgeschoss missbraucht).

Dem ollen Rassisten-Tentakel
wird ordentlich eingeheizt!
Überhaupt gibt es derbe was auf die Schüssel: Neben Messerwerfereien sind da kuriose Schusswechsel, affige Akrobatik, Schwertereien, Lanzereien, Sichel-an-Ketterein in einer Arena, die schon in ’Duell der Giganten’ (ebenfalls mit Wang Yu in der Hauptrolle) benutzt wurde und sogar Mehl Fights im Teehaus, die letztendlich in in einer Öllache enden… eine Szene die übrigens mit munteren Country Gedudel untermalt wird! A propos Musik. Neben den SFX aus dem Effekt-Krater der ’Shaw Bros.’ gibt es nicht nur ’Hits from the Far East Leierkasten’ (obwohl ich glaube, dass der Leierkasten-Mann den Job seinem obligatorischen Affen überlassen hat), sondern auch gruselige Kinder-Chöre. Vielleicht meinten die Macher damit ’Das Todeslied der Shaolin’!? Von letzteren gibt es zwar weit und breit keine Spur, aber immerhin ist mal von Samurais die Rede (Is ja eh allet dit selbe, da hinten im Osten.)
Zu den Darstellern gibt es nicht viel zu sagen. Zwischen den ganzen Dutt-Köppen, Fingerwedlern und HK-Karatekas einen Schaupieler auszumachen ist mir nicht gelungen. Wer das alles zufrieden nickend gelesen hat, den wundert’s wahrscheinlich nicht, dass auch noch Zombies vorbei taumeln, um mal ordentlich einen abzubeißen. Was Zombies? Nunja, sie sehen zwar aus wie Stammesbrüder der Apachen und varieieren ihre Fortbewegung zwischen untotem Schlürfschritt und einem Häschen-Hopp Gang, wie ihn Otto Waalkes in Deutschland etablierte, aber ja: KUNG FU ZOMBIES! (Ich fürchte, bei der Szene hab ich dann auch meine Nachbarn aus dem Schlaf gegröhlt…hm, da oder bei der letzten Einstellung, in der Wang Yu inmitten einer Einöde ein Holzschild mit dem Antlitz einer Frau aufstellt, um es kurz darauf wieder wegzukicken!)

Kralle-Kalle & Sichel-Michel

Fazit: Was hier abgeht, passt wirklich in keinen Mehlsack. Vom schlecht gezielten Harakiri, über Kantholz-Dramatik und Slapstick-Chopstick-Dropkick, bis hin zur Echolot-Mucke ist alles drin, gut verschürt und postwendend an euren inneren Karate-Kasper verschickt.

Hudson