Der Todesjäger


‘The Might of the Sword... The Evil of the Sorcerer...’


Originaltitel: Deathstalker (1983)
Regie: James Sbardellati Drehbuch: Howard R. Cohen
Darsteller: Rick Hill, Barbi Benton, Richard Brooker FSK: 18


Dieses Gutachten präsentiert ihnen
Das Legendäre Schweinemaskenmonster!

Ich gebe zu; ich habe eine Schwäche für VHS-Cover, die schwertschwingende Helden abbilden, welche leicht bekleidetete Damen aus den Pranken bösartiger Monster befreien. Dass jene Cover meistens absolut nichts mit dem Inhalt des Filmes zu tun haben und der schicke Aufdruck fast immer künstlerisch wertvoller ist, als der Film an sich, ist kein Geheimnis.
Doch vor gut einem Jahr bekam ich für den sprichwörtlichen ’Appel mit Ei’ Roger Cormans ’Todesjäger’ in die Hände, mit dem sich für mich eine Welt des genießbaren Wahnsinns auftat.

’Der Todesjäger’

Dem Cover nach ist dies:
Eine Sex-Prinzessin!

Mit diesen Worten fing alles an und mit urigen Urzeit-Hoschis die aus einer Lücke im Standbild einer Höhle schlüpften.
Und mit Rick Hill, der sich mit den Worten: “Das Pferd gehört mir!“ wie ein artiger Barbar bei jenen Dumpfbackem beschwerte, die darauf nur: “Wir wollen nicht mit dir kämpfen!“ grunzten.
Und Recht hatten sie, diese unterirdischen Sülznasen mit ihren Fell-Schürzen und der Vorliebe für halbnackte Sklavinnen, die ihnen der Jäger (Hill) ohne viel TamTam raubt, entkleidet, betatscht und nach deren Flucht lediglich: “Dann lass ich’s eben!“ schnauzt.
Der böse Magier Munkar (Bernhard Erhard) hat den König vom Thron geschubst und dieser residiert nun auf einem Baumstumpf im Wald. (Da er dieselbe Synchronstimme hat, wie der Urmensch von Szene eins und der Bote aus Szene drei, ist uns klar: Der Sparfuchs herrschte sogar im deutschen Tonstudio.)
Für ihn soll der Jäger den Helden spielen (“Held oder Idiot, das ist das selbe!“) und das Land von Munkars Schreckensherrschaft, plus des Königs Tochter, die Sexprinzessin (!) Cordille (Barbi Benton) befreien. Wie das funktioniert, erklärt ihm die olle Hexe Toralva (er muss Zauberschwert, -medallion und ,-kelch finden), welche ihn wiederum zum Hüter des Schwertes schickt (ein furchtbar häßlicher Gnom, der als Mischung aus ’Ghoulie’, ’Hobgoblin’ und ’Knollo’ aus dem ’Spielhaus’ daher kommt), den der Jäger aus seinem Astloch im Unterholz befreit und der nach 30 Jahren Tageslicht-Abstinenz gleich einen besseren Teint bekommt (ergo zum Menschen wird).

Rotkäppchen Reloaded
Weiter geht’s durch den wilden Wald, wo bald die ersten Schurken auftauchen. Doch halb so wild: Auftritt Oghris (Richard Brooker)! Ein Sprallo-Schläger mit Mittelscheitel und bauchfreiem Kettenhemd, der sich nur zu gern dem Herrn Jäger an die Versen heftet. Noch in der selben Nacht bekommt die eh schon illustre Truppe dann noch Besuch von der stets barbusigen Kaira (Lana Clarkson‚ ’Barbarian Queen’).
Während der Jäger die Gunst der Abendstunde nutzt und eben mal die fesche Kaira orgelt, verfüttert der böse Munkar derweil Menschenaugen an seinen kleinen Monster-Günstling aus der Truhe (sieht aus wie die Brut von ’Elmer’ und den Socken-Piranhas aus ’Sinbad - Herr der Sieben Meere’).
Endlich im Thronsaal von Munkars Feste (denkt euch, man hätte Jabbas Palast mit Kotze getäfelt) angelangt, werden unserer Helden Zeugen einer Orgie, welche sich beinahe mit jener im Barbaren-Film Übervater ’Conan’ messen kann und in einer Massenklopperei endet, die sich gewaschen hat.
Doch schon am nächsten Tag findet am Hofe ein Turnier statt, dessen Ausgang das Schicksal aller Menschen in diesem verrückten Land bestimmen kann!

Ihr meint, das wär eine Orgie?
Man könnte behaupten, der Jäger sei nicht nur ein König unter den B-Barbarinos, sondern habe auch seine Berechtigung als Metapher … naja zumindest am Ende als öhm … naja. Was jedoch viel wichtiger ist:
Der Jäger ist wie du und ich! Er ist lediglich etwas blonder, eingeölter, muskulöser, barbarischer und kann einen Kopf mit einem Hieb vom Körper trennen. Also schön, er ist kein bisschen wie du und ich. Aber nach einem halben Kasten Bier, sind wir alle ein bisschen wie er.
Der Todesjäger!
Köppe rollen, Blut spritzt, Körper werden mittels Dampfhammer zu Blutlachen reduziert und das Lichtdouble von Roberto Benigni legt sich mit ’Hägar dem Schrecklichen’ an.
Doch nicht nur solch oberflächliches Beiwerk weiß der Film zu bieten. Nein! Hier gibt es viel mehr: Sex, Liebe, Leidenschaft, Verrat, Mystik, Freundschaft, Rache, Geschlechtsumwandlungen, Wrestling, das legendäre ’Schweinemaskenmonster’, Musik aus dem Leierkasten Gottes, schauspielende Atlethen-Stullen mit Vollkorn-Dialogen (“Dank für mein Leben! Ich bin Oghris!“ “Ich bin der Jäger!“) und einen Helden, der so sexy und gut geölt ist, dass sogar die Frauen in seinen Armen mit den Worten: “Oah, der Jäger!“ sterben.
Der Todesjäger!
Ein Film, der gemacht wurde, um ein Ausrufezeichen im Titel zu tragen!

DAS ist eine Orgie!
(Orgy Time at Munkars Palace. Women: Free entrance. Men: Pay with your sexual health.
Drop your swords & bows at Willies Wardrobe and have a nice time!)

’Der Todesjäger’ (!) ist ein Film voller Superlative, den leider nur Liebhaber des schlechten Geschmacks und unfreiwilliger Lacher, Heroic-Fantasy-Junkies und Rick Hills Mutter zu schätzen wissen! Doch spottet nicht: Wir haben es hier mit niemand geringerem zu tun, als dem fiesen, kleinen, dreckigen Bruder von ’Conan’.
Und was mich angeht, dem absoluten Trash-Übervater aller Barbaren-Filme.

Hudson