Vier stahlharte Fäuste


‘Ihre Fäuste sind wie Dampfhämmer!’


Originaltitel: Yin yang xie di zi (1977) Regie: Raymond Lui
Drehbuch: Raymond Lui & Hsu Shen Yu
Darsteller: Carter Wong, Sing Chen, Yuen Biao FSK: 18


Milchmann? Glöckner? Chinas Crazy Ralph?
’Vier stahlharte Fäuste’ aka ’Fatal Flying Guillotine’ aka ’Die Todesglocken der Shaolin’ ist Wuxia-Ware in bester Tradition des Genres und zwar mit allen Ups and Downs.
Gleich zu Beginn bekommen wir in hastich gelaberter Prolog-Exposition die Eckdaten der Story um Rache und Blutwurst durch die Hand des Kung Fu Meisters Cheng Mo Chao (seines Zeichens Erfinder der allseits beliebten Fliegenden Guillotine) um den Latz geknallt, nur um eine Szene weiter zehn Minuten lang Zeuge von scheinbar story-irrelevanter Martial-Arts-Klopperei zu werden.
Dies ist die erste Prüfung des jungen Shen Ping, der ein Buch über alternative Heilmethoden zur Genesung seiner siechenden Mutter von den Shaolin-Mönchen erbittet (bzw. erbattlet). Doch ein Verräter im Kloster, der mit dem machtgierigen Sohn des Kaisers paktiert, welcher die fliegende Guillotine von Meister Chao aus Szene eins mopsen will, gibt Ping zur Belohnung für die bestandene letzte Prüfung das falsche Buch, was zu Muttis Tod führt, den es zu rächen gilt. Man kennt das. Plus Kung Fu.

Carter Wong, der liebende Sohn (und seine Mudda)
Ich bin ja der altmodischen Meinung, dass storyrelevante Infos durch Action selbst (im Sinne des eigentlichen Wortes, nicht im Sinne von Explosionen oder Haue) und nicht durch eingefügte Dialog-Überbrückungen zwischen der Action an den Mann gebracht werden sollten, aber ich hab auch leicht Reden, hier hinter meiner Tastatur, fern von tödlichem Höhlengas, giftigen Schlangen und eisernen Killerglocken. Und ich kann nicht mal Kung Fu.
Das Schema ’Gelaber-Drama-Kloppe’ scheint in ’Vier stahlharte Fäuste’ zunächst vorzuherrschen, doch rafft sich der relativ kurze Film ab der Hälfte auf, seine Kontrahenten ins ’Tal des Todes’ zu schicken, wo dann die Matrial-Arts-Luzie nonstop ihre Kreise zieht, vermengt mit einem Hauch von Abenteuer und Wuxia-typischen Themen wie Rache, Ehre, Verrat, Machtgier und scheinbar motorisiertem Tötungshandwerk zu einer Zeit, als gerade mal die Räder rundgebogen wurden.

DJ of Doom!

Wenn Chen Sing (’Kuan - Der unerbittliche Rächer’) als zauseliger ’Meister der Todesglocken’ eben jene übers Feld schickt, bleibt kein Auge trocken. Die fliegenden Guillotinen, zwei Eimern mit Sägeblatt-Aufsatz ähnlich, sind so effektiv, wie sie albern im Einsatz sind. Kein Wunder, dass jeder zweite im Reich der Mitte hinter den beiden Superwaffen her ist.
Abgerundet wird das flotte Brachial-Arts-Gekloppe durch den unschuldigen Charme von Carter Wong (’Big Trouble in Little China’), Kurzauftritte der Martial-Arts-Ikonen Hsu Hsia, Yuen Biao und Corey Yuen sowie ein paar fiesen Kills wie dem grandiosen “Spring-in-die-Luft-und-tritt-deinen-Gegner-der-mit-vollem-Karacho-auf-dich-zufliegt-in-einen-spitzen-Pfahl-BAM!“

Die Todesglocken bei der Rübenernte

“Habt ihr immer noch nicht begriffen, dass mein Tal ein Tal des Todes ist?!“

Hamwa. Und da sich ’Die Todesglocken der Shaolin’ ab der zweiten Hälfte in einen reichlich amüsanten, wenn auch ernst gemeinten Klopper verwandelt, können auch das unnötige historische Background-Gelaber und das allzu komplizierte Personal-Gewemse der ersten Hälfte verziehen werden. Im Gegensatz zu den beiden “offiziellen“ ’Fliegende Guillotine’-Streifen, war ’Vier stahlharte Fäuste’ (genau wie der ähnlich furiose ’Duell der Giganten’) kein Film aus der Schmiede der allseits verehrten Shaw Bros., sondern eine Konkurrenz-Produktion taiwanesischer Geldgeber. Hiermit bescheinige ich allen Zuschauern mit eventuellen Bedenken, dass die irren Fights und verrückten Typen nebst Todesglocken auch ohne dieses Gütesiegel einen Blick wert sind. Wer mir nicht glaubt, den überzeugt vielleicht zumindest der unendlich reißerische Titelbildschirm der deutschen Version ob der flausischen Qualitäten des Filmes:



Hudson