Der Todeskampf der Ninja


‘Töten und getötet werden’


Originaltitel: Ninja Masters of Death (1985)
Regie: Bruce Lambert aka Godfrey Ho Drehbuch: Alan Smithees Buchhalter
Darsteller: Kelly Kruize, Henry Band, Richard Young FSK: 18


’Filmark’ – dieser Name lässt Ninja-Ohren klingeln. Produzent Thomas Tang (von dem ja keiner weiß, ob es ihn wirklich gibt) und Regisseur Bruce Lambert (von dem jeder weiß, dass er eigentlich Godfrey Ho heißt) taten sich zusammen und schenkten dem aufblühenden Ninja-Markt einen weiteren Flickwerk-Meilenstein, den ’Todeskampf der Ninja’.

Und zackig geht’s gleich los. Eine handvoll militärischer Kommie-Rebellen irgendwo im tiefsten Asien planen die Machtübernahme (wovon auch immer), damit ihre obersten Käse die höchsten Ämter des überrumpelten Gegners einnehmen können.
’Was hat das jetzt schon wieder mit Ninjas zu tun?’ hör ich euch fragen.
Na, ganz einfach: “Der Sieg ist sicher. Dafür sorgen schon unsere Ninjas, gegen ihre Kampfkraft kommt niemand an!“ Kapiert? Gut. ’Enter the Ninjas’:

“Hallo, Michael. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen und das war auch gut so. Warum willst du mich heute unbedingt sprechen?“


“George, wir beide sind zusammen als Ninjas ausgebildet worden. Machen wir uns doch gegenseitig nichts vor. Ich habe gehört, dass deine ’Lila Ninja-Truppe’ große finanzielle Probleme hat und ich möchte dir gerne meine Hilfe anbieten, George. Wir beide zusammen können uns leicht gesund stoßen!“


Kurze Erklärung: Die lila Ninjas sind natürlich die Guten und kämpfen auf der Seite der Regierung. Die gelben Ninjas unter Michael gehören den finsteren Rebellen an. Jedenfalls laut Plot und Synchro! Selbstverfreilicht sind das mal wieder neu gedrehte Szenen, die gnadenlos in ein urasiatisches Kriegsdrama geschnitten wurden, welches selbst aus dem Gammelkeller irgendeines ruinierten Filmstudios gegriffen wurde. Routine, also.

Das ist Jimmy,
er ist Revoluzzer!
Wer jetzt denkt ’Na das ist ja schon wieder extra heiß!’, der warte ab und beiße sich auf die Hirnzunge. Ganz dick kommt es erst, als das Platoon von Captain Lee (einer von den ’Guten’) in ein Dorf einfällt, wo ein dicker, kleiner Junge namens Jimmy auf einem Misthaufen steht und die lokale Bingo-Gruppe (also Rentner und Frauen) mit kommunistischen Parolen zutextet. Das können die loyalen Soldaten freilich nicht zulassen. Sie schnappen sich das bockige Kerlchen und unterziehen ihn der politischen Gehirnwäsche, die wir visuell mittels einer ’Making Jimmy a regular boy again’-Montage mit herrlich dummem Voice-Over präsentiert bekommen:
“Die Ohrfeigen schienen Jimmy zur Vernunft gebracht zu haben. Es gelang mir, ihn aus der Reserve zu locken. Er taute nach und nach auf und wir bekamen ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, ähnlich wie ein Vater zu seinem Sohn. Jimmy wurde auf einmal wieder zu einem fröhlichen Jungen. Er durfte wieder Kind sein und vergaß vollkommen, dass er als Sprachrohr einer kommunistischen Organisation mißbraucht worden war. Er genoß geradezu das Leben bei seinen ehemaligen Feinden, den Regierungstruppen. “

Private Christmas Tree
Zwischendurch bekommen wir natürlich Ninja-Action, die praktischerweise auch gleich als Rückblende benutzt wird, um den Tod von Jimmys Eltern zu erläutern. (Eine lange Geschichte: Sein Vater war auch ein Ninja, der aus dem Clan der Gelben aussteigen wollte, woraufhin diese ihn und seine Frau töteten. Hm, gut, war doch nich so lang.)
Alles halb so wild: Captain Lee bietet dem kleinen Jimmy anstandslos an, ihn Daddy zu nennen. Überhaupt gibt’s hier beim Dialog-Lauschen eine Menge zu Lachen. Wo im Originalton des unveröffentlichten Films womöglich über die wichtigen Sachen des Lebens geredet wurde (oder vielleicht sogar über emotionale storybezogene Belange), war das Hauptaugenmerk der ’neuen’ Synchro, dass in jedem 2. Satz das Wort ’Ninja’ vorkommt.
Die Ninjas zeigen hier übrigens ungeahntes Potential! Nicht nur, dass sie von den beschränktesten College-Abgängern diesseits vom Ural verkörpert werden, sie vermögen auch per ’Handauflegen’ Wunden zu heilen, verschießen Silvester-Raketen aus den Griffen ihrer Waffen und können (nach dem Wurf einer ihrer Rauchbomben) “…in die 4. Dimension entwischen…“ (’Tag am Meer’?).

Das eherne Gesetz: Auf jede AKTION folgt eine REAKTION!

Und auf jede Blödheit folgte eine noch blödere Blödheit!

Wenn ihr wissen wollt, wie es mit dem kleinen Jimmy und seinem neuen Papa, Captain Lee, weiter geht, dann müsst ihr wohl oder übel hier mal vorbeischauen (obwohl, ihr könnt auch den Spoiler-Text im PS markieren). Einen (anderen) Grund, sich ’Todeskampf der Ninja’ anzutun gibt es sicher nicht.
Manchmal frage ich mich wirklich, ob sich die ’echte’ Ninja-Innung jemals zusammengetan hat, um Überlegungen anzustellen, wie man sich für die Rufschädigung, die sie durch Ho’s und Lai’s und Tang’s Patchwork-Müll erleiden mussten, revanchieren könnte.



PS: Jimmy wird von Captain Lee zunächst in die Obhut des zauseligen Professor Punk (oder so) gegeben. In Sorge um Daddy Lee reißt der Junge schließlich aus, um seinen Pa an der Front zu suchen. Dort gelingt es ihm im höchst dramatischen Finale, die Feinde vom überraschten Lee mittels ’Rumschreien’ abzulenken, woraufhin er aber erschossen wird. It’s a mad, mad world.
PPS:

Was ein echter Gelber Ninja is,
geht auch in Zivil nur mit dem
gelben Schlabbanzuch hinaus!
















Hudson