Time Barbarians


‘Kampf der Schwerter - In Vergangenheit und Gegenwart’


Originaltitel: Time Barbarians (1990)
Regie & Drehbuch: Joseph John Barmettler
Darsteller: Deron McBee, Joann Ayers, Daniel Martine FSK: 18


Anfang der 90er hatte die Nachfrage für Barbaren-Schinken nachgelassen. Trotzdem wurden noch einige eilig produzierte Cheapo-Sandalen nachgeschoben, die mit dem ’Touch’ der neuen Dekade versehen waren und bestenfalls zum bierlaunigen Gelächter einluden. Enter ’Time Barbarians’!

Im Fantasy-Reich ’Laubwald Version 2.0’ herrscht König Doran, der mit seiner Herzdame Lystra zur Erläuterung der politischen Sachlage erstmal ein paar angestrengte Worte wechselt:

“Boah, Junge! Ich schick dich
zum Frisör und du kommst
mit so'nem Klunker an!“
“Ich will aber nicht, dass sie mich anbeten. Lystra, ich bin doch kein Gott. Alles, was ich möchte ist, dass sie in Frieden leben können und dass sie glücklich sind. Das ist meine Verantwortung als König!“
“Ich bewundere deine Klugheit sehr, Doran.“
Wenn er König ist, warum rennt er dann halb nackt durch ein Birkenwäldchen? Und warum besteht sein Königreich aus fünf Zelten, nicht Hütten, Zelten, die in umittelbarer Nähe einer Nebelmaschine geparkt wurden?
Stellen wir keine Fragen, die sowieso nicht beantwortet werden, sondern bestaunen wir den Mord an Dorans Hofdame Lystra, die vom bösen ähm… Bösewicht Mandrak (oh, the names, the names!) beim Nacktbaden überfallen und schließlich getötet wird. Nachdem Doran sie entdeckt, betrauert und sich die Haare gemacht hat, geht’s weiter durch das herbstliche Laubwald-Szenario, um ’den Zauberer’ zu finden. Mandrak hat nämlich auch ein magisches Amulett geraubt, mit dem er in die Zukunft gereist ist. Sollte Doran das Kleinod nicht zurückbringen, dürfte der Zauberer (der eine Frau ist) ziemlich sauer werden. Also ab, in ein “…unbekanntes und geheimnisvolles Land, das wir Zukunft nennen…“

Time Out, please!

Was hat L.A., dass die Protagonisten von schon drei Barbaren-Filmen die Gelegenheit nutzten, dort einzukehren?

“Weeer hat hier gefurzt!?“
Sind die Drehlizenzen für Compton so preiswert? Sind die Street-Thugs willig, jedem Produzenten zu dienen, der sie mit einer AK 47 ausstattet? Oder entschied Hauptdarsteller Deron McBee, dass der Shoot keine zwei Meilen von seinem Solarium, dem Friseur und der Muckibude entfernt stattfinden dürfe?
McBee ist dem einen oder anderen TV-Junkie der frühen 90er vielleicht noch als ’American Gladiator’ Malibu bekannt. In ’Time Barbarians’ durfte er erstmals in eine Hauptrolle schlüpfe(r)n, was für ihn bedeutete, 90 Minuten lang sein Six-Pack und ein ausdrucksloses Gesicht spazieren zu führen. Sowas kommt von sowas, gelle?!
Alle übrigen Knallchargen sind es nicht einmal wert, dass man sich über ihr Unvermögen auslässt. Die FSK 18 ist geradezu lächerlich. Derbes Onscreen-Gemetzel sucht man hier genauso vergeblich wie eine schlüssige Story, Atmosphäre oder ganz einfach nur Sets. Der Score besteht neben schlottrigem Synthie-Krawall aus einem immer wiederkehrenden Thema, das so heftig von Basil Polidouris’ ’Conan’-Score klaut, dass einem Fan alles vergehen kann. Die unwitzigen Pop-Kultur-Referenzen finden ihren Höhepunkt, als ein Fernseh-Produzent von Doran behauptet: “Der Mann scheint so ’ne Art ’Conan’ zu sein!“

Die Bilder sprechen doch für sich oder?

Oh nein! Nein, ist er nicht! Er ist das einzig gelackte in einem stumpfen Film, der ohne jegliche Schauwerte, dafür aber mit mattglänznder Video-Optik und Haaren, ganz vielen Haaren, daherkommt. Barbarisch schlecht!

Hudson