Tigerkralle



Originaltitel: Tiger Claws (1992)
Regie: Kelly Makin Drehbuch: J. Stephen Maunder
Darsteller: Cynthia Rothrock, Jalal Merhi, Bolo Yeung FSK: 18


Wenn Bolo Yeung und Cynthia Rothrock gemeinsam in einem Film auftreten, dann bleibt dem erprobten B-Movie-Fan schon gar keine andere Wahl, als die Briefbörse zu zücken und die 2,- € für das angekratzte Original-Video zu löhnen, das in der mittlerweile VHS-entleerten Stamm-Filmothek im Spar-Ständer verstaubt. So geschehen bei ’Tigerkralle’.

Todeskampf auf dem
Zebra-Streifen der Ehre.
Ein Kung Fu-Killer, genannt ’der Todesengel’ (Bolo) krallt sich gar tödlich durch die Leiber arroganter Kollegen und opfert deren Trophäen (schwarze Gürtel, güldene Schwerter und Wanderpokale) seinem Gott, um ihm zu beweisen, dass er der Beste ist. Polizistin Masterson wird auf den Fall angesetzt, da sie sowohl engagiert, als auch Kickbox-erprobt ist (und deshalb natürlich von Cynthia Rothrock gespielt wird). Ihr zur Seite stellt man nicht etwa einen Forensiker oder Spürhund, sondern noch einen Karate-Kenner, den Drogenfahnder Tarek (wo waren hier gleich nochmal Drogen im Spiel?). Nachdem die Straßen-Kontakte abgeklappert sind, findet Tarek in einem Tiger-Dojo die ersten möglichen Täter. Er schleust sich selbst als Schüler ein und kommt bald dahinter, dass dieser Film keine großen Gehimnisse birgt…

“Ach hören sie doch auf. Kampfsport ist was für Weicheier. Ich habe genügend Prügeleien mitgemacht, um das zu wissen.“

Schon die Anfangsszene, in der Cynthia Rothrock (’Prince of the Sun’) mit Perücke zur Trommel eines Bürgersteig-Musikanten einen aufdringlichen Verehrer vermöbelt, spiegelt das Niveau des weiteren Verlaufes wieder. ’Auf die Nuss’ ist ein Muss, der Rest ist zweitrangig.

"Das ist BOLOS Stuhl!"
Die Detektiv-Story plätschert seicht duch ein Rinnsal der Spannungslosigkeit, gelegentlich unterbrochen von ein paar durchschnittlich choreographierten Kloppereien und Zeitraffer Shootouts, während die alteingefahrene Synthie-Pumpe auf Leerlauf geschaltet ist.
Das Ausdrucksvermögen der Darsteller hält sich selstverständlich in Grenzen.
Ich persönlich finde Cynthia recht putzig, kann aber durchaus verstehen, dass es Leute gibt, die sie pausenlos auslachen würde. Ihr Partner wird von Jalal Mehri gespielt, der auch schon an der Seite von mit Bolo und Billy Blanks in ’TC 2000’ zu sehen war und es sich auch als Regisseur und Produzent ähnlicher Streifen verdingt.
Dann ist da natürlich noch Bolo selbst, den ich sehr verehre. Warum, habe ich aber noch nicht rausgefunden. Seine Figur schliddert jedenfalls haarscharf an einer Killer-Parodie vorbei. Diese betet nämlich einen kitschig-aufgemalten Tigerkopf an, den normalerweise 12-jährige Mädchen auf Bettlaken gedruckt haben, ist in einer Bar namens ’Tigerkäfig’ anzutreffen und verpasst seinen Opfern Narben, die wohl nach Tigerkrallen aussehen sollen, aber eher an einen Fehlgriff ins Nutella-Glas erinnern. Tja, wenn schon Tigerstil, dann richtig. Trotzdem kommt der grobe Martial-Arts-Bär wie immer sehr sympathisch rüber und die Typen, die er im Film dahinmeuchelt, haben’s unter uns auch nicht besser verdient.

Tiger-Kalle und sein tuffiger Schrein des Todes

So gern ich ’Tigerkralle’ (schon alleine aufgrund der Anwesenheit von Herrn Yeung) über den Klee loben würde, so sehr hält mich doch das tatsächliche (also arg knappe) Filmvergügen davon ab. Also höchstens empfehlenswert für Fans der guten alten Abende, die man Mitter der 90er mit Bier, Brotchips und Bolo-Buddys verbrachte. Ob ein Nachfolger nun wirklich nötig war, ist jedoch mehr als fraglich.

Hudson