Tigerkralle 2



Originaltitel: Tiger Claws II Regie und Buch: J. Stephen Maunder
Darsteller: Jalal Merhi, Bolo Yeung, Cynthia Rothrock FSK: 16


Tigerkralle Chong (unser aller Bolo Yeung) ist wieder da, um seinen Ruf als Serienkraller Nr. 1 zu verteidigen. Warum aber hat er dann beschlossen, ein introvertierter Grübelbär zu werden?

Nach einem kurzen Vorspann, der uns noch einmal die Ereignisse aus Teil 1 wiedergibt, treffen wir auch schon auf Bolo, der in seiner Zelle meditiert und auf das Unzurechnungsfähigkeitsgutachten für seine Missetaten vom Vorgänger wartet. Wo andere Leute im Alter fetter werden, bekommt Bolo nur dickere Arme. Vielleicht aber haben sie ihn im Knast auch mit seinen geliebten Tonnen trainieren lassen. Jedenfalls juckt es ich nicht mal, als die Wärter die ’Rodney King Nummer’ an ihm auprobieren (Bolo eben).

BOLO!
Dann steht auch schon Cynthia Rothrock vor der Kamera und (so schwer mir das auch fällt) ich muss zugeben, dass sie tatsächlich mal gut aussieht, was aber wahrscheinlich einem neuen Frisör und einer netten Garderobenangestellten zu verdanken ist. Aber auch all das schicke Drumherum nützt nix, denn ihr Charakter, Polizistin Linda Masterson, will trotzdem nicht mit Kollegen ausgehen (und ansonsten spielen ja nur noch Gangster und Komparsen mit, dumm gelaufen). Sie ist aber auch viel zu sehr damit beschäftigt, böse Waffenschieber zu jagen. Zurück zu Bolo. Der soll gerade zum Psychodoktor oder in die Mensa gebracht werden, als zwei finster dreinblickende Kanonen-Johnnys wie blöde das ganze Revier zusammenballern. Polizisten fallen zu Boden, ohne jemals getroffen zu werden und aus den Knarren sprüht Plastemuni, bis der Rochen blubbert. Es stellt sich heraus, dass die beiden Ernstis den Bolo im Auftrag eines bösen Gangsterbosses befreien sollen, damit er (Bolo) irgendeinen mit seinen tödlichen Handkanten zu Tode krallt.
Nach Bolos Flucht sind natürlich dessen alte Nemesis Linda Masterson und ihr ehemaliger Coploverbuddy Tarek Richards zur Stelle, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

Naja, mit Ruhm hat sich keiner der Beteiligten dieses Actionthrillers mit Handkanten bekleckert.
Der Film strotzt nur so von unlogischen Situationen und wirren Dialogen.
Als Bolo zum Beispiel für den bösen Cheffe endlich mal 'ne Handlangerung erledigen soll, entscheidet er sich für die helle Seite der Macht und tötet nicht das arme Opfer, sondern haut lieber seine Co-Schergen um. Eigentlich ein netter Twist (Ich selbst hab ja schon immer gewusst, dass Bolo ein Guter ist), als aber im nächsten Moment Cop Richards sagt: „Das wundert mich nicht, er ist ein ehrbarer Mann“, gehen beim ’Tigerkralle’Fan die Alarmglocken an. Moment mal, Keule! Nur weil ich den Bolo toll finde, heisst dass nicht dass du gleich einen Serienkiller heiligsprichst! Schon Teil 1 vergessen?
Noch bekloppter ist dann zum Beispiel die Weiterentwicklung dieser Situation:
Am Tag darauf, meint doch tatsächlich der böse Boss, dass alles nur ein Test für Bolos ‚Mentale Fähigkeiten’ war, den er bestanden hätte! Und als ob die Co-Handlanger noch nich genug von Bolo vor’s Zäpfchen bekommen hätten; bringt der Chef sie zur Bestrafung (für ihre Versagen!) gleich noch ein bisschen um (Ich hasse es, wenn sie das tun). Der Film ist voll mit solchem Blödsinn.

Mal kuschelt Cynthia...
Hinzu kommt ein bekloppter übernatürlicher Plot, der einen großes Prügel-Turnier zur Chinesischen Neujahrsnacht beinhaltet.
Wenn dann zur Siegelung eines Paktes, sich harte Männer die Hände drücken, die Bizeps-Adern hervortreten und dazu ein beinharter Rip Off von ’Terminator’ Score aus den Lautsprechern wummert, liegt man erst einmal lachend am Boden (gleich neben den leeren Flaschen).
Als die Mucke dann aber nicht nachlassen will und minutenlang weiter dröhnt, fliegt das Grinsen ganz schnell von der Gusche und aus unfreiwilliger Komik wird freiwillige Verzweiflung.
Den Höhepunkt in Sachen Action, aber eben auch klischeebeladener Albernheit, erleben wir gegen Ende des Films, als es dann endlich zum versprochenen Turnier zwischen den Besten der Besten kommt. Schon mal gehört? Ach nee!
Ich fass das mal kurz zusammen: Man kloppt sich in einem Keller rum, der streng nach ’Goros Höhle’ aussieht, wo Nebel wabert und Gittertüren knarren (äußerst atmosphärisch)! Andere wiederum betreiben Blutsport auf einem überdimensionalen Yin Yang, in schwule Satinlaken gehüllt (ausser Bolo, der trägt Leinen. Gut so, Bolo!). Fehlt echt nur noch, dass hinten einer ’Finish Him’ schreit
Zwischendurch machen zwei andere Cops, deren Aufgabe ich bis dato noch nicht kapiert habe, einen auf investigative Suchmaschine und klappern die Puffs der Umgebung ab. Ob das zur Lösung des ’Falls’ beiträgt, erfahren wir nie. Toll. Dann befreit Cynthia einen alten Prophezeiungs-Knusper aus dem Gefängnis unter dem Chinaimbiss und darf zum Ende hin endlich auch mal zulangen (allerdings nur mit ’ner Steigbank).
Ihr lest’s selber, für kurzen Trashspaß ist gesorgt, wer mehr will, geht zu John Woo (bessere Action) oder zu Obi (bessere Steigbänke). Das einzige, was in dem Film wirklich gefallen kann, ist Bolo Yeung, der hier (trotz seltsamem Image-Wandel zum 1. Teil) wieder mal sein Charisma ausspielt, dass es eine Freude ist. Der Rest ist leider eher unerfreulich und kann getrost vergessen werden.

..mal gibt's auf's Maul.

’Tigerkralle 2’ ist nicht wirklich schlecht, aber auch keinesfalls gut. Für das Mittelmaß ist er jedoch auch schon wieder zu dämlich. Armer Bolo! Für seinen letzter Film hätte ich ihm etwas besseres gewünscht, z.B. ’Enter the Dragon 2: Geentert!“ oder wenigstens ’Double Impact: Pact Two’. So bleibt uns lediglich dieses fragwürdige Werk als Nachruf, auf den knuddeligsten Kung Fu Brummi der Welt. Bolo, wir haben dich trotzdem lieb!

Hudson