Thor – Der unbesiegbare Barbar



Originaltitel: Thor il conquistatore (1983)
Regie: Tonino Ricci Drehbuch: Tito Carpi
Darsteller: Luigi Mezzanotte, Maria Romano, Malisa Longo FSK: ungeprüft


“In den Sternen und in den Eingeweiden der Toten steht geschrieben, dass aus dem Geschlechte Kunz, des Erhabenen der größte Herrscher der Welt geboren wird. Thor, der Eroberer.“

So sagt es die Legende, direkt aus dem Mund eines italienischen Zauberers im Lumpen-Schlafrock. Dieser ist mit Kunz und Weib im Walde unterwegs, wo endlich die Geburt des Thors an einem geheiligten Ort stattfinden soll. Während Zauberer Etna noch Myrrhe, Minze und Salbei ins Feuer hievt, fuchtelt Kunz schon mit dem mächtig dicken Blechschwert ™ im Wald herum, lässt es schließlich in Richtung Bauch seiner schwangeren Frau fahren und meint: “Gehe nun Weib und gebäre unseren Sohn!“

’Dirty Dancing’ kannten
auch die Barbaren schon!
Dies tut die Gute auch, kommt wieder, überreicht dem stolzen Vater sein Kind, als plötzlich …. zzzzzip… ein Pfeil in dem quäkenden Bündel steckt!
Mein lieber Schwan, wenn’s den Italiernern mal an Design-Ideen und Kulissen fehlt, dann müssen halt Einfälle der anderer Art herhalten. Doch keine Angst, Etna rettet Thor, lässt dafür aber dessen Eltern im Stich, welche von angreifenden Horden unter Kunz’ Todfeind Gnut zerhackstückelt werden.
Jahre später ist Thor (Luigi ’Rush’ Mezzanotte) zu einem ganzen Manne herangewachsen. Etna ist auch wieder da und erzählt ihm von seiner Bestimmung, die nur drei schwierige Aufgaben entfernt ist. (Goldenen Samen finden, mächtig dickes Blechschwert ™ finden und Vater rächen) Desweiteren lehrt er seinen Schützling das Wesen von Tod (“Oohhhhh… Blut!“) und Liebe (“Der Blonde da ist schwach gebaut.“ “Das ist ein Weib.“ “Ein Weib, was ist denn ein Weib?“). Er kämpft gegen Menschenfresser, einen entstellten Brücken-Troll, Skelett-Geister, Sektenspinner und Amazonen, erfindet den Ackerbau, wird selbst zum Herrscher, dann gestürzt und geblendet, dann wieder geheilt und schließlich mit einem Pferd ausgestattet in die Schlacht gegen Gnut geschickt…

Wie bei den meisten Italo-Barbarians gilt auch bei Thor:
’Wer braucht Kulissen, wenn man eine Nebelmaschine hat?’

“Das ist mein Tanz-Bereich!
Und das ist deinTanz-Bereich!“
Ein paar halbwegs ausgeleuchtete Höhlen, ein Tisch auf des Waldes Lichtung und drei strohige Hütten-Cardboard-Cut-Outs müssen reichen, um die Abwesenheit von Budget und Einfallsreichtum zu kaschieren.
Perücken tragende Protagonisten, Fellmützen tragende Perücken und Keulen schwingende Italo-Dödel veranstalten Fuchteleien, die als ’Kampfszenen’ zu bezeichnen, zu viel des Guten wäre. Dass das Ganze einer gewissen Komik nicht entbehrt, ist eine glatte Untertreibung. Thors Gegrunze, die Aufmachung Etnas und dessen ewige “Tee-Shaan!“-Schreie, sowie die Szene, in der Thor (nicht zu verwechsen mit dem nordischen Gott!) geblendet, beide Arme nach vorne gestreckt, zu tragischer Musik durch den Wald stelzt… das alles ist einfach zum Schreien.

“Thor, nimm sie! Sie hat wenig Kraft und sie ist dumm. Sieh dir ihren Körper an. Das Weib ist für die Liebe geschafen. Nimm sie, Sie ist dein. Jaaaa…. Streichle sie. Sei zart zu ihr. Entkleide sie und berühre ihre Lippen. Das Weib muss dir immer Untertan sein. Dir dienen und deine Kinder austragen. Kinder entstehen durch die Paarung von Mann und Weib. Und der Mann hat mehr Spaß daran, Kinder zu machen, als sie groß zu ziehen.“

Jaha, wer zuletzt lacht, hat den längsten!

Fazit: Dank seiner Beschränktheit, zuweilen superheißer Barbaren-Trasher, für die netten Stunden zwischendurch. Wer ’Ator’ mag und noch nicht vom Glauben an den italienischen ’Muskel-meets-Öl’-Film abgefallen ist, der hat mit Thor, Etna, und Gnut genau die richtigen Komplizen gefunden.

Hudson