Thirst



Originaltitel: Bakjwi (2009) Regie: Chan-wook Park
Drehbuch: Seo-Gyeong Jeong, Chan-wook Park & Émile Zola
Darsteller: Kang-ho Song, Ok-vin Kim, Hae-sook Kim FSK: unbekannt


Wie schon im letzten Jahr mit „Let the right one in“ bietet uns das Fantasyfilmfest auch in diesem Jahr mit „Thirst“ wieder einen Vampirfilm der besonderen Art. Keinen mit simplen Schreckmomenten ausgefüllten Gruselfilm, sondern ein ausgesprochen bewegendes Drama bekam das Publikum zu sehen.

Und ewig lockt der Schoß

Der junge Priester Sang-hyeon (Kang-ho Song „The Good, the Bad, the Weird“, „The Host“) ist ein guter Christ durch und durch. Schon als kleiner Junge hat er sich immer um die Hilfsbedürftigen gekümmert und nimmt auch jetzt sein Amt als katholischer Geistlicher sehr ernst.
Als er sich freiwillig zur Teilnahme an einem medizinischen Experiment zur Entwicklung eines Impfstoffs meldet, wird er durch eine Bluttransfusion zum Vampir. Nun ändert sich für ihn alles. Nicht nur, dass er es nicht mehr schafft, seinen Trieben zu widerstehen und er sich mit der Schneiderin Tae-joo (Ok-vin Kim) einlässt, er muss auch seine katholischen und moralischen Grundsätze über Bord werfen, um selbst am Leben zu bleiben.
Den Wandel vom Heiligen, als der er anfangs angesehen wird, weil er der bisher einzige Überlebende des medizinischen Versuchs ist, bis hin zum Ungeheuer, als das er sich fühlt (was zum Schluss mit einer Vergewaltigung zum Ausdruck gebracht wird), inszeniert Regisseur Chan-wook Park („I'm a Cyborg, But That's OK“, „Old Boy“, „Sympathy for Mr. Vengeance“) in sehr poetischen und kraftvollen Bildern. So zum Beispiel der Blick des Priesters auf ein Meer aus Blut, in dem zwei Wale schwimmen.

Tae-joo will mehr vom Leben
Der Regisseur selbst stand dem Publikum nach der Vorführung Rede und Antwort und betonte noch einmal, dass es ihm bei diesem Film, welcher auf dem Roman „Thérèse Raquin“ von Émile Zola basiert, ganz besonders darauf ankam, zu zeigen, wie sehr der Priester unter seiner Verwandlung leidet. Das gelingt ihm gemeinsam mit dem ausgezeichneten Hauptdarsteller sehr gut. Während die Freundin Sang-hyeons, welche von ihm auch zum Vampir gemacht wird, ihre neue Macht sichtlich genießt und mit vollen Händen ausschöpft, plagt sich der Priester mit Selbsthass und Schuldgefühlen. Aber so tragisch und aussichtslos die Geschichte auch ist, lassen Regisseur und Darsteller es dem Film doch nicht an Witz fehlen.
Ok-vin Kim spielt die zuerst schüchtern und zurückhaltend wirkende Tae-joo, die immer mehr zur blutrünstigen und abgebrühten Femme Fatale wird, sehr eindrucksvoll und das, obwohl sie mit ihren gerade mal 22 Jahren noch ganz frisch im Filmgeschäft ist.
Auch Hauptdarsteller Kang-ho Song ist in Hochform. Er überzeugt mit jedem neuen Film mehr durch seine Wandlungsfähigkeit und schauspielerisches Können. Ist er in „The Host“ noch der etwas trottelige, verträumte Imbissbuden-Besitzer, so zeigt er in „Thirst“ sehr überzeugend einen ernsthaften Mann, der mit aller Kraft darum kämpft, ein Mensch zu bleiben und nicht zum mordenden Monster zu werden.

Der andere Durst

Zehn Jahre hat es gedauert, bis Chan-wook Park diesen tragisch-schönen Film vollständig ausgearbeitet hatte und aufgrund seiner bisherigen Erfolge war mit Focus Features auch erstmals Hollywood mit an Bord, die ihm laut eigener Aussage aber bei seiner Arbeit vollkommen freie Hand ließen.
„Thirst“ brachte ihm zum wiederholten Mal den Preis der Jury in Cannes ein und bekommt auch von mir trotz einiger Längen das Prädikat „sehr empfehlenswert“.


Leone