The Thing - Gene außer Kontrolle


‘Bad to the Bone’


Originaltitel: Severed Ties (1992) Regie: Damon Santostefano
Drehbuch: John D. Brancato, David Casci, Michael Ferris & John Nystrom
Darsteller: Billy Morrissette, Oliver Reed, Elke Sommer FSK: 18


Anfang der Neunziger brachten die Herausgeber des amerikanischen Kult-Magazins ’Fangoria’ eine Reihe von selbst produzierten Horror-Titeln auf den Markt. Darunter waren das Bruce Campbell Endzeit-Vehikel ’Brain Slasher’, der Vampir-Schocker ’Children of the Night’ und das vorliegende ’Severed Ties’, das der deutsche Verlieh dummerweise ’The Thing’ betitelte.
Alle drei waren weder große Hits, noch bedeutende Genre-Beiträge, doch musste man den Machern eine gewisse Originalität und (für ’Fangoria’ typische) Effekt-Verliebtheit zugestehen, die jene drei Werke für Fans sicherlich interessant machten.

Zu alt für den Scheiß?
Die von mir erwähnte ’gewisse Originalität’ findet man bei ’Severed Ties’ tatsächlich in der Story, die Bestandteile diverser Genre-Perlen vereint und ins beinahe völlig Absurde vermischt. Protagonist Harrison Harrison (!) ist ein junger Wissenschaftler, der unter der Fuchtel seiner Mutter die Forschungen seines verstorbenen Vaters fortsetzt. Dad ist laut Mom durch Harrisons Verschulden umgekommen und wie wir ja alle wissen, haben Mommies immer Recht. Als seine Mutter (Elke Sommer) mit dem fragwürdigen Dr. Vaughan (Oliver Reed) anbandelt, wird Harrison jedoch immer verwirrter. Der Doktor und die liebe Ma wollen die Labor-Ergebnisse (sogenannte Gen-Seren) nämlich nicht etwa dem Wohle der Menschheit spendieren, sondern sie an einen zwielichtigen Pharma-Konzern verscherbeln, um den großen Reibach zu machen. Bei einem Streit mit Vaughan verliert Harrison seinen rechten Arm (das kann passieren, wenn die Labor-Tür aus japanischem Superstahl gefertigt ist) und flüchtet mit der einzigen Probe des Serums. Nicht jedoch, bevor er es sich selbst injiziert hat. Wie bei den meisten Selbstversuchen angeschrägter Wissenschaftler passiert etwas unerwartetes. Harrison wächst ein neuer Arm, doch der hat ein Eigenleben, dass nicht unbedingt an den Körper des jungen Mannes gebunden ist. Bei einer Bande Obdachloser Unterschlupf findend, arbeitet Harrison weiter an und mit dem Serum und hat bald ganz neue Probleme am Hals…

Wolle Glotter kaufe?
’Severed Ties’ zitiert und kopiert reichlich bei Frank Henenlotter (die mal freundlich, mal feindlich gesonnene Extremität erinnert sehr an ’Basket Case’), Stuart Gordon (die grünglühende Substanz mitsamt dem jungen Mad Scientist kam auch schon in ’Re-Animator’ zum Einsatz) und sogar bei Jim Muros ’Street Trash’ (das aberwitzige Pennervolk).
Und auch, wenn sich der Film sich keineswegs in diese Auswahl einreihen kann, trifft er hin und wieder den richtigen Ton. Denn trotz des absurden Handlungsverlaufes mit all seinen seltsamen Dialogen, Rückblenden, Vorblenden und dem etwas blassen Hauptdarsteller kommt hier nur selten Langeweile auf.
Dafür sorgen auch die Special Effects- und MakeUp-Leistungen der mittlerweile fast schon legendären ’KNB FX Group’ (’Armee der Finsternis’), die hier (wie schon zuvor bei ’Brain Slasher’) das Salz in der Suppe sind. Da hat’s absonderliche Gliedmaßen, die sich in Reptilienmonster verwandeln und den Protagonisten eben mal in den Schlund schlüpfen. Elke Sommer gibt die unsympathische Mutter recht fachmännisch, nur Oliver Reed will ich den Fiesling diesmal nicht ganz abnehmen, dafür sieht er einfach zu knuddelig aus.

Fazit?

’The Thing’ ist ein obskurer, effektgeladener Science-Fiction-Horrorfilm, der mehr kaut, als er schlucken kann. Der Versuch, mal etwas anderes auf die Beine zu stellen muss den Machern aber angerechnet werden.


Hudson