The Strangers


‘Lock the door. Pretend you're safe.’


Originaltitel: The Strangers (2008) Regie & Drehbuch: Bryan Bertino
Darsteller: Liv Tyler, Scott Speedman, Gemma Ward FSK: ungeprüft


Es sollte ein romantisches Wochenende im einsam gelegenen Sommerhaus der Familie werden. Inklusive Heiratsantrag.

Dollface
Jedenfalls hatte James (Scott Speedman) es sich so gedacht. Doch bereits auf der vorangehenden Party bei Freunden passiert das für ihn zu diesem Zeitpunkt denkbar Schlimmste – Kirsten (Liv Tyler) nimmt seinen Antrag nicht an, weil sie sich zu diesem Schritt noch nicht bereit fühlt.
Als sie morgens um drei im Ferienhaus ankommen, ist die Stimmung noch immer am Tiefpunkt und die romantische Dekoration, die James vorbereitet hat, tut ihr Übriges. Gerade als die Situation wieder etwas entspannter wird, klopft es an der Tür.
Draußen steht ein junges Mädchen, das ihre Freundin besuchen möchte. (Morgens um vier?!) James und Kirsten schicken sie weg, weil sie sich wahrscheinlich im Haus geirrt hat und messen dem Vorfall keine weitere Bedeutung bei.
James fährt noch einmal los, um Zigaretten zu holen und findet bei seiner Rückkehr Kirsten vollkommen verstört vor.
Sie ist sicher, dass jemand in der Nähe oder sogar im Haus ist. Was er zuerst nicht glauben will, wird zur Gewissheit, als er nochmal zurück zum Auto geht und dieses total zerstört findet. Natürlich haben die Täter auch längst einen Zugang zum Haus entdeckt und so kann es losgehen, das tödliche Katz-und-Maus-Spiel mit den maskierten Fremden.

Kriegt kalte Füße: Liv Tyler

Bryan Bertino, der mit ’The Strangers’ sein Regiedebüt abliefert, schafft eine unheimlich düstere, beängstigende und hochspannende Atmosphäre, in der jeder Schockmoment sitzt und seine volle Wirkung entfaltet. Das Motto heißt hier nicht Blut und Fleisch, sondern eher Spannung und Grusel. Hier muss niemand mit zum Teil abgetrennten Gliedmaßen oder halbem Schädel durchs Set kriechen, dafür tauchen die Täter mit Porzellangesicht-Maske unbemerkt von den Hauptfiguren im dunklen Hintergrund auf und immer wieder kommt die altbewehrte subjektive Kamera zum Einsatz, die den Zuschauer die Rolle des Verfolgers übernehmen lässt.

Killer-Grill. Hauptgang: Auto
Vorspeise: Mobiltelefon
Mit Liv Tyler und Scott Speedman hat Bertino außerdem zwei wirklich gute Darsteller verpflichtet, die ihren Figuren alle nötige Tiefe verleihen, um sie dem Zuschauer ans Herz zu legen und ihn auf ihr Überleben hoffen zu lassen. Auch die wirklich gelungene, ausführliche und mit viel Liebe fürs Detail inszenierte Einführung der Charaktere trägt zur Sympathie mit den Protagonisten bei.
Und trotzdem, so ein richtiger Kracher ist ’The Strangers’ nicht. Es gibt eben nichts aber auch wirklich gar nichts Neues. Alles an diesem Film hat man so oder so ähnlich schon 100mal woanders gesehen, zwar vielleicht nicht immer auf diesem filmischen Niveau aber trotzdem ist alles nur eine Wiederholung von bereits mehrmals Wiederholtem und das bis hin zur obligatorischen Eingangsbemerkung, dass der Film natürlich auf einer wahren Begebenheit beruht und die wirklichen Geschehnisse dieser Nacht bis heute nicht vollständig bekannt sind. Auch das Ende kann niemanden vom Hocker hauen, es ist das selbe wie immer und wird den meisten anspruchsvollen Horror-Freunden nur ein genervtes ’Och bitte…’ entlocken.
Wie der gute Hudson so treffend bemerkte: Wenn das der erste Horror-Film überhaupt wäre, wäre er wirklich toll, aber so ist er eben nur einer von vielen, der absolut nichts Neues bringt. Dem kann ich mich einspruchslos anschließen.


Leone