The Signal


‘Do you have the crazy?’


Originaltitel: The Signal (2007)
Regie & drehbuch: David Bruckner, Dan Bush, Anessa Ramsey
Darsteller: AJ Bowen, Justin Welborn, Connie Britton FSK: ungeprüft


Was haben wir denn hier? Ein End of the World-Szenario in wackeliger DV-Optik mit wild gewordenen Menschen, die durch ein Signal der Raserei anheim fallen und alles und jeden töten. Klingt, als hätte Danny Boyle Stephen Kings ’Cell’ produziert und den Regisseur vom ’Blair Witch project’ an die Kamera gelassen.

Zuviel TV ist schlecht für Augen...

Man würde es sich zu einfach machen, den kreuz und queren 'Crazies'-Schocker 'The Signal' dergleichen zu definieren. Hier war ein interessantes Konzept die Grundlage. In drei Segmenten, jeweils von drei Regisseuren gedreht, erzählt 'The Signal' die Geschichte einer Gruppe von Menschen, die sich durch die aufkommende Apokalypse kämpfen, welche durch ein Funk-'Signal' (TV, Telefon, Radio etc) induziert wurde, das die meisten Menschen zu gewissenlosen Gewalttätern werden lässt. Zentrale Figuren sind Maya, eine junge Frau, die sich kürzlich in eine Affäre mit dem lebenslustigen Ben geflüchtet hat, ihr chronisch eifersüchtiger Mann, der Kammerjäger Lewis und später Clark, Gast der abgefucktesten Neujahrsparty aller Zeiten.
Während im ersten Segment das Aufkeimen der 'Crazyness' im Mittelpunkt steht, behandelt das zweite eine Art Kammerspiel-Horror, in dem der durchgedrehte Lewis die Gäste der ’Neujahrs-Party’ in die Mangel nimmt. Segment drei behandelt schließlich die Auflösung der Situation.

... und Gemüt

Die Darstellung von Gewalt in ’The Signal’ explizit zu nennen, wäre eine maßlose Untertreibung. Hier durchtrennen Heckenscheren menschliche Körperteile, Gift-Kanister zermanschen Köpfe bis zur Unkenntlichkeit und ihr Inhalt wird in die Hälse fassungsloser Opfer gespritzt.
Zwar suppt es in allen Nuancen des Blutrot-Spektrum, doch der Film ist vor allem auf psychologischen Terror ausgelegt. Während der Großteil der ’Opfer’ des Signals sofort dem Blutrausch verfallen, steigern die Gemüter einiger Protagonisten sich eher subtil zur Raserei. Dabei wechselt der Film seinen Ton öfter, als die Täter ihre Mordinstrumente. Einmal lacht man sich über das drastische Gemetzel kaputt, dann bleibt einem ob derselben Gewalt wieder die Spucke weg (Folter-Alarm!), oft sitzt man auch einfach mit einem fragenden 'Höh?' vor der Leinwand. Diese Mischung setzt dem Betrachter zu. Wer einfache Kost erwartet, ist hier sowieso am falschen Ort.

Die Party ist vorbei

’The Signal’ ist kein bahnbrechendes Genre-Experiment, aber ein eindringlicher Abstieg in explodierende Gemüter einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft und fesslnd genug, um die gewöhnungsbedürftige DV-Optik zu überspielen. Obwohl die drei Segmente unabhängig voneinander gedreht wurden, wirkt der Film, nicht zuletzt dank der engagierten Darsteller wie aus einem Guss. Die Mischung aus aufkeimender Apokalypse, rabenschwarzer Splatter-Komödie und medienkritischer und menschlicher Botschaft funktioniert.


Hudson