Die unheimliche Macht


‘request immediate relocation... something is murdering my me...’


Originaltitel: The Keep (1983)
Regie: Michael Mann Drehbuch: Michael Mann & F. Paul Wilson
Darsteller: Jürgen Prochnow, Ian McKellen, Gabriel Byrne FSK: 16


Michael Mann ist nicht unbedingt für seine Ausflüge ins Genre des Übernatürlichen bekannt. 1983 nahm er Urlaub aus der dem Großstadt-Dschungel und setzte sich mit ’The Keep’ in die nebeligen Gemäuer einer verwunschenen Burg ab.

1942: Rumänien
Ein Zug der deutschen Wehrmacht besetzt eine alte Burg in einem abgelegenen Gebirgs-Pass. Kommandant Woermann (Jürgen Prochnow, ’House of the Dead’) ist ebenso wenig begeistert, wie seine Männer. Seine Stimmung hebt sich kaum, als ihm der ’Hausmeister’ des Anwesens unterbreitet, dass Menschen nie lange hier bleiben, da sie von ihren eigenen Träumen verjagt werden. Als seine Männer von den Schätzen des Gebäudes zur Plünderung verführt werden, wird ein Geheimgang geöffnet und eine uralte Macht aus der Gefangenschaft der Mauern entlassen. Ein Soldat nach dem anderen fällt dem Wesen zum Opfer.

Er nun wieder...
Woermanns Versetzungsgesuche werden abgelehnt, stattdessen wird ein SS-Einsatzkommando unter Sturmbannführer Kaempffer (Gabriel Byrne, ’Excalibur’) entsandt, der mit brutalen Methoden die Mordfälle aufklären will. Als auch das nicht fruchtet, greifen die Nazis zu unkonventionellen Mitteln und holen den schwerkranken, jüdischen Historiker Cuza (Ian ’Gandalf’ McKellen) und seine Tochter aus dem Konzentrationslager. Doch mit Cuza findet die jenseitige Macht einen Verbündeten, der sein ’Wirken’ auch über die Grenzen der Feste hinaustragen könnte. Dass dies keine gute Idee ist, weiß der seltsame Fremde Glaeken (Scott Glenn, ’Man on Fire’), der als einziger die wahren Motive der ’Unheimlichen Macht’ kennt.

’The Keep’ wird allgemein nicht als Glanzlicht in Michael Manns Karriere gesehen. Dabei hat der Meister urbaner Epen hier einen nicht uninterssanten Horror-Thriller mit stimmiger Atmosphäre und manch exzellenten Bildern geschaffen.
Neben Gabriel Byrne als gewissenloser Nazi-Marionette und dem stets fabelhaften Ian McKellen überzeugt vor allem Jürgen Prochnow als gescheiterter Offizier. Auch die Effekte lassen sich sehen. Interessant ist hierbei, dass die Opfer des Monsters zunächst auf die selbe Art ums Leben kommen, wie die Nazis im Finale von ’Jäger des verlorenen Schatzes’. Wenn das nun alles so dufte ist, wo kommt dann die offizielle Missgunst her, mag sich der verirrte Leser nun fragen?

Mit diesen Augen...
Nun, nach einem gelungenen ersten Drittel, in dem lediglich die Musik von Tangerine Dream (’Atemlos vor Angst’) für das eine oder andere Stirnrunzeln beim Zuschauer sorgt, da sie nicht unbedingt zu den Bildern passen will (mal im Ernst: Nazis und Synthiepop geht eigentlich nur in Trashfilmen), kommt der Punkt, an dem die Dinge aus dem Lot geraten. Wann und warum also scheitert ’The Keep' letztlich?
Als Scott Glenns mysteriöser Charakter mit Cuzas Tochter in einer deplatzierten Sex-Szene das Geschehen unnötig unterbricht?
Als das Wesen Gestalt annimmt (’Power Rangers’ Alarm!) und davon anfängt, Hitler und seine ’schwarzen Soldaten’ vernichten zu wollen?
Als sich der Film zwischendurch im Surrealen verliert, ohne dies konsequent zu Ende zu führen?
Als die interessanten Gleichnisse zum Nationalsozialismus lediglich angeschnitten bleiben und das ungemeine Potential derselben zwischen Nebelmaschinen und großen Kulissen verpufft?
Oder, ganz allgemein, weil die anfänglich komplex scheindende Geschichte (übrigens eine Adaption des gleichnamigen Buches von F. Paul Wilson) voller mystischer und religiöser Motive schließlich in einer simplen Auflösung gipfelt, die dem vorangegangenen einfach nicht gerecht wird?

...ist auch der dickste Nebel kein Problem.

’Die Unheimliche Macht’ ist einer jener Filme, die den Zuschauer gleichzeitig faszinieren und zur Verzweifeln treiben können. Vorhandenes Potential wird verspielt, tolle Schauspieler mühen sich, werden aber vom Schnitt gestoppt. Trotzdem sieht man einen Film wie diesen nicht alle Tage. Für Fans des Übersinnlichen ganz bestimmt einen Blick wert.

Hudson