Der Pakt
The Covenant


‘Four have the power. One will stop at nothing to possess it.’


Originaltitel: The Covenant (2006)
Regie: Renny Harlin Drehbuch: J.S. Cardone
Darsteller: Steven Strait, Laura Ramsey, Sebastian Stan FSK: 12


Was haben wir denn hier?
Einen Film, mit dem sich ein 22-jähriger Nachwuchsregisseur zu etablieren versucht? Nein! Es ist der neue von Renny Harlin, der uns einst ’Nightmare on Elmstreet 4’, ’Ford Fairlane’ und ’Stirb Langsam 2’ brachte. Warum nur hatte ich schon während der Credits das Gefühl, die Serie ’Charmed’ hätte einen neuen Vorspann spendiert bekommen und würde jetzt im Kino laufen?

Hex Hex!

What’s the Story?
In dem obligatorischen verschlafenen Küstenstädtchen sind die Hexenmeister los. Tatsächlich sind es vier durchgestylte, glattrasierte Bubis in schicken Karren, die so hart tun, als hätten sie Bruce Willis und James Cagney zum Frühstück verspeist, aber so weich sind, als wären sie mit Lenor gewaschen. Diese vier unerträglich glatten Kackbratzen sind so etwas wie die übernatürlichen Lokal-Matadore. Wiz-Kids. Magisch lackierte Teenager.

“Bevor du die Hose nicht aus-
ziehst, reden wir nicht mit dir!"
Und da diese Herren auch ein Publikum (wenn auch ein kleines, überschaubares) benötigen, schubst uns der Autor auch gleich die üblichen herumstehenden Geigen in eine Anfangs-Szene, die so sehr nach ’The Lost Boys’ stinkt, dass es kaum zu ertragen ist. Da gibt es also den doofen Nebenbuhler, die Zicke, die Nette und natürlich die Neue. Letztere muss es sowieso geben, um als erzähltechnischer Anker dem Zuschauer die bräsige Schauermär und ihre Gegebenheiten näherzubringen (bitte, bitte nicht zu nahe!). Kurz nachdem auch unsere vier Tucki-Helden ihren großen Auftritt hatten, bringt der erste mittels Hokus-Pokus gleich mal einen männlichen Konkurrenten zum Erbrechen (ich kotz auch gleich). Soviel Mano-a-Mano muss sein.
Mit Kinkerlitzchen wird sich allerdings nicht abgegeben. Die Boys können Autos fliegen lassen, mit Fässern um sich schmeißen und (ganz, ganz wichtig als pubertärer Hexikus) die Röcke der Mädels nach oben pusten. Aber ob ihr’s glaubt oder nicht, das ist erst die Spitze des magischen Eisbergs.
Die Jungs stehen kurz vor dem 18 Lebensjahr und somit vor dem ’Aufstieg’. Was bedeutet, dass sie noch mächtiger, noch potenter, noch geiler werden. Ihre Macht wird sich also sich mit der Quersumme ihrer pseudocoolen Gesichtsausdrücke multiplizieren.

“Sorry, aber ich steh
nicht auf so züchtig
gekleidete Typen.“
Aber wie sagte schon Onkel Ben: “Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.“ Im Falle des ’Paktes’ handelt es sich um die Verantwortung dem eigenen Körper gegenüber. Die ’Macht’, darf nicht zu häufig benutzt werden, da man sonst süchtig vom Gebrauch werden kann und von zuviel ’Jeßauber’ schneller altert.
Hauptdarsteller Caleb (the leader of the pack) wird nicht müde, das zu wiederholen. Seltsam, dass gerade er jeden Fuzzel durch den Raum schweben lässt, anstatt mal den Arsch selbst zu bewegen.
Was fängt man jetzt mit dieser Ausgangssituation an?
Man packt einen Außenseiter-Zauberknilch in die Gruppe, mischt einen halbärschigen Whodunit (na, wer wird’s wohl gewesen sein?!), Zauberduelle voller Matrixereien und so viele nackte männliche Oberkörper wie möglich mit hinein.
“Wieso nennst du sie die Söhne von Ipswitch. Sind die sowas wie ’ne Boyband?“
Exactly! Genau das war mein erster Gedanke: ’Backstreets Back - The Movie’.
Der Hauptdarsteller sieht aus, als hätte man Josh Hartnett mit James Franco und der Frisur von Freddy Prince Jr. in den Mixer gepackt und auf ’3’ gedrückt. Sein Kontrahent könnte mit dem jungen Oliver Geißen verwechselt werden und auch der Rest der Belegschaft gehört auf das Cover der Bravo oder wegen mir auf die Titelseite der ’Mens Health Junior Edition’, aber doch nicht ins Kino.
In der ersten halben Stunde werden alle gängigen Klischees bedient, die in solchen Filmen wuchern wie Zuckerwatte am Hexenhäuschen: Jump-Scares ohne Jump, Scary-School-Shower (“Hallo? Hallo? Ist da wer?“), die typischen ’00er Kotz-Rock Songs’ und Pop-Culture-References der plattfüßigen Art (sich über Stephen Kings ’Dreamcatcher’ lustig zu machen, steht den Machern dieses Film übrigens nicht zu).

“Ich muss sie retten!“ ...
Die Szene, die mir den Rest gab, spielte sich im Spukkeller der Hexenbubis ab. Von tausend Kerzen illuminiert sitzen die vier Jungs im Kreis um ihr Zauberbuch herum, sprechen über den Plot, ’do a little Hocus Pocus’, als plötzlich ein Handy klingelt, welches vom Hauptdarsteller nach einem kurzen Gespräch fachgerecht in die Kamera gehalten wird. Beim großen Finale wird dann nochmal alles aufgefahren, was wir vorher schon in ähnlicher Form gesehen haben. Powerblasen, Bullett-Time, vorhersehbare Wendung. Außer Posen nix gewosen.
Auch immer wieder interessant, wie ‘normale’ Menschen auf die Offenbarung einer übernatürlichen Komponente reagieren, die ja eigentlich Wissenschaft, Natur, Religion und ganze Lebensbilder aus den Fugen heben: Mit gelassener Selbstverständlichkeit.
Der Gedanke, das Gefühl von Wunder und Erstaunen geht sowohl den Hexern selbst, als auch der jungen Dame, die in ihre Kreise gerät völlig ab. Letztere dient überhaupt keinem anderen Zweck, als mit ’Damsel in Distress’-Syndrom über die Leinwand zu huschen.

... “Ach, scheiß drauf!“

“Harry Potter kann uns am Arsch lecken!“ schreit einer der Lackaffen zu Beginn.
Das hat der gute Harry aber gar nicht nötig und das Kino-Publikum erst recht nicht. Platt, dünn gespielt, ohne jegliche Ironie und auch technisch nicht auf der Höhe.’Der Pakt’ kann einpacken. Wer aber sehen will, wie junge Männer mit schweißgetränkten Oberkörpern miteinander telefonieren, der ist hier richtig. Bleibt die Frage: Was ist bloß aus unserem Lieblingsfinnen Renny Harlin geworden?

Hudson