The Boogens


‘Some Things Shouldn't Be Disturbed...’


Originaltitel: The Boogens (1981) Regie: James L. Conway
Drehbuch: Thomas C. Chapman, Jim Kouf, David O'Malley
Darsteller: Fred McCarren, Rebecca Balding, Anne-Marie Martin FSK: unbekannt


“Riechst du irgendwas?“
“Nein, warum?“
“Ich hab mir grad in die Hosen geschissen.“

Untertage auf Skull Island
Ja, ’The Boogens’ fängt ganz gut an. Atmosphärische Musik, Zeitungsausschnitte erzählen die Geschichte von einer alten Mine, die nach vielen Unglücken und seltsamen Ereignissen vor Jahren geschlossen werden musste und jetzt wieder frei gesprengt wird, ein alter Zausel im ’Dieser Ort ist verfluuuucht!’-Format, ein paar sympathische Kumpel (so nennt man Leute, die unter Tage arbeite, liebe Kinder) ein wenig Humor und vor allem eine Stimmung, die nach Spannung roch.
Aber dann wird es auf einmal still um die Mine in Colorado und der Zuschauer wird erklärenden Dialogen ausgesetzt, die uns den Protagonisten, zwei Pärchen und ihrem Pudel ’Tiger’, näher bringen sollen, uns aber vom Grusel-Kern des Films viel zu lange fernhalten. Zwar gibt es rechtzeitig eine Attacke der titelgebenden Boogens zu sehen (ohne, dass wir je erfahren sollen, was da eigentlich am Werke ist), doch zieht sich das Geschehen kurz darauf erneut kaugummiartig in die Länge. Bis sich der Terror verdickt und das Häufchen endlich in den Ventilator geflogen ist, soll noch einige Zeit vergehen…

What me worry?
Vom Prinzip her erinnerte mich ’The Boogens’ ab einem bestimmten Zeitpunkt an den unterirdischen (kann man mehrfach auslegen) Monster-Horror ’Blood Beach’: Ein Tentakelmonster kraucht unter der Erde herum und zieht ab und zu mal einen Menschen in die Tiefe, während drum herum ununterbrochen gelabert wird. Nebenbei erwähnt ist in beiden Filmen gleichermaßen viel nackte Haut zu sehen, was bei ’Blood Beach’ nicht weiter verwundert (’Beach’, gelle) und in ’The Boogens’ durch unzählige Dusch- und Sexy Time-Szenen wett gemacht wurde. Faszinierend… macht aber hier wie da keinen guten Film.
’Endstation Planet Erde’-Regisseur James L. Conway konzentriert sich zu sehr auf das Miteinander seiner Figuren (was bei einem Drama oder einer Hütten-Romanze vielleicht angebracht wäre, hier aber niemanden interessiert) und holt aus dem Potenzial des stimmigen Minen-Settings (wie beispielsweise seinerzeit in ’Bloody Valentine’) viel zu wenig raus.
Erst zum Finale tanzen die Puppen (das darf auch mehrfach ausgelegt werden) und es kommt etwas Bewegung ins Geschehen, auch wenn der Zuschauer schnell kapiert, warum ihm die titelgebenden Kreaturen bis zum Schluss vorenthalten wurden.
Was am Rande bleibt, sind recht fähige Darsteller (u.a. Anne Marie Martin, ’Dori Doreau’ aus ’Sledge Hammer’), der gelungene Score von Bob Summers (’Eliminators’) und viele müßige, aber auch alberne Diskussionen, wie jene am Friedhof, der über Nacht mit roter Farbe beschmiert und durcheinandergebracht wurde:

“Vielleicht waren es Vandalen.“
“Vandalen? Ganz schön verrückt für Vandalen.“

Ich kenne mindestens EINE Person, die nach Anblick dieses Bildes sagen wird: "Boah, den muss ich sehen!" Mein Tipp: Widerstehe dem Drang. Lass es sein!

Ja, klar, Vandalen doch nicht. Vielleicht Schuhverkäufer oder Würstchenbudenbesitzer, aber für Vandalen wäre solch rüpelhaftes Vorgehen viel zu verrückt. Dabei hätte dem Film etwas mehr Verrücktheit gut getan. Laut US-VHS-Cover empfiehlt Stephen King ’The Boogens’. Aber kann man dem Regisseur von ’Rhea M’ trauen? Traut lieber mir und lasst es sein. Hier kommen weder Horror-Freaks, noch Monster-Buffs zum Schuss.


Hudson