The Bone Eater



Originaltitel: Bone Eater (2007) Regie: Jim Wynorski
Drehbuch: William Langlois & Jim Wynorski
Darsteller: Paul Rae, Adrian Alvarado, Bruce Boxleitner FSK: 16


„Wir müssen die heilige Knochenaxt suchen und die Kreatur damit zerstören, bevor die sechs wieder zu einem werden!“

Protestmarsch gegen miesen Genreschund

Jim Wynorski ist einer meiner persönlichen Lieblinge (gleich hinter Fred Olen Ray, versteht sich) im Bezug auf moderne B-/Exploitation-Ware. In den 80ern und 90ern war er für eine Vielzahl mehr als spaßiger Filme verantwortlich und bis heute ist er munter im Geschäft. Sogar eine ganze Dokumentation namens 'Popatopulis' wurde zu seinen Ehren gedreht. Doch kann der '07er Horror-Trash 'The Bone Eater' mit den 20 Jahre älteren Kult-Streifen wie 'Deathstalker 2' mithalten?
Die Antwort ist ganz einfach: Nein. Der Bone Eater ist ein rundum belangloses TV-Filmchen, das weder viele der Wynorski-typischen Fun-Elemente (allen voran nackte Brüste und verrückter Humor), noch sonst besonders viele Qualitäten aufweisen kann. Ist der Film trotzdem sehenswert? Naja. Für Typen wie uns, die Allesgucker-Fraktion, die jedem käsigen Streifen hinterher hechtet, stets auf der Suche nach einer Perle - nein, eigentlich auch für die nicht. Aber sie werden's trotzdem machen und das ist auch gut so.

Low Five!
Im sonnigen Kaff Sweet Water möchte der geldgierige Bösewicht Richard Krantz ein Luxus-Hotel errichten und Millionen scheffeln. Dummerweise hat er sich als Standort dafür ausgerechnet (you guessed it) einen alten Indianerfriedhof ausgesucht. Den hiesigen Rothäuten gefällt das natürlich gar nicht. Diese sind überzeugt, dass auf dem Platz etwas Böses lauert und bald schon findet man unter der Erde alte indianische Relikte. Eine mystische CGI-Kreatur namens Bone Eater - ein fünf Meter großes Skelett-Monstrum, das seine Opfer zu Staub zerfallen lässt - wird bei den Ausgrabungen zum Leben erweckt und tyrannisiert von jetzt an sämtliche Nebenfiguren dieses Films. Der Einzige, der sich dem Unheil entgegenstellt ist Sheriff Evans (Bruce Boxleitner, 'Babylon 5'), der sich hierzu auf seine indianischen Wurzeln berufen muss.

Der den Plasteadler hütet
Die Story klingt nach relativ großem Unfug und ähnlich fällt auch der fertige Film aus. Leider ist das nicht zwingend die Art von Unfug, die auch Unmengen an Spaß macht und so beschränken sich die Höhepunkte des Films vor allem auf alle Szenen, in denen das titelgebende Monster zu sehen ist. Dieses tritt in seiner ziemlich schäbbigen CG-Form allerdings zahlreich auf. Das Problem, dass ich mit dem Bone Eater habe, ist, dass das CG zwar größtenteils schlecht aussieht, aber auch nicht behämmert genug, um wirklich lustig zu sein, wie beispielsweise in Asylum- Produktionen à la 'Mega Shark vs. Crocosaurus'. Es handelt sich eben einfach um eine billige Kreatur aus dem Computer, auch wenn ich zugeben muss, dass es den einen oder anderen ganz anschaulichen Effekt-Shot zu sehen gibt. Der CGI-Gehalt ist insgesamt der wohl größte Abstrich, den ich zu machen habe. Vor allem nämlich, dass man auch in Szenen auf Computer Tricks zurückgegriffen hat, die es eigentlich nicht direkt erfordern. Wenn z.B. die Straße aufreißt, ein Truck verunglückt, ein Motorrad über eine Klippe fährt oder eine verdammte Strohhexe (!) durch die Wüste weht... CGI! Das mag teilweise ganz lustig aussehen, wirkt aber selbst in einem Quatsch-Film wie diesem noch deplatziert. Unterhaltsame CG-Szenen gibt es, wenn der Bone Eater sich ein Skelett-Pferd verschafft und dann zum Western-Theme des Films Verfolgungsjagden startet oder die Opfer sich auflösen (ich könnte übrigens schwören, dass Wynorski hier einen uncredierten Cameo hingelegt hat).

Cameo Time

Von der schauspielerischen Seite her gibt es nicht viel zu bemerken. Bruce Boxleitner spielt sich ohne größere Emotionen durch den Film, ist aber bei der Sache und macht das Beste draus. Über die meisten anderen Figuren, darunter einige alte B-Movie Regulars, kann man fast das Selbe behaupten. Jeder spielt hier routiniert, aber keiner gibt alles. Wenn man bedenkt, durch was für dümmliche Dialoge („Ist dein Großvater zu Hause?“ - „Er ist gerade in der Schwitzhütte.“ - „Oh okay. Dann komm ich später wieder.“) die Darsteller sich hier spielen müssen, kann man's ihnen irgendwie nicht übel nehmen. Einzig erwähnenswert sind wohl die Gastauftritte von Walter 'Chekov' Koenig („Tut mir Leid, Steve, ich schick Dir ’n paar Aspirin auf Staatskosten!“) und William Katt ('House'), die beide im weißen Kittel auftauchen und weniger als zwei Minuten Screentime haben. (Hab ich erwähnt, dass Koenig auf dem Cover Second Billing hat? Schaha!). Auch von den meisten Figuren hat man im Film nicht viel, denn eine Menge Charaktere werden eigentlich nur vorgestellt, um wenige Minuten später vom Bone Eater gekillt zu werden. Noch eine kurze Kostprobe für die Vater/Tochter Beziehung der Protagonisten: „Schau dich mal an, wie groß du geworden bist!“ - „So ist das nun mal.“ - „Ja, das stimmt wohl.“ Echte Gefühle, nicht wahr?

[Sleazy Spoon] Wenn das'n Porno wär, hieße der Film "Boner Eater". [/Sleazy Spoon]

Fazit: ‚The Bone Eater’ ist kein grauenhafter Film. Jedenfalls für mich nicht, denn ich habe weit Schlimmeres gesehen. Das heißt aber noch nicht, dass mir irgendein guter Grund einfällt, den Streifen irgendjemandem da draußen zu empfehlen. Die Effekte sind schlecht, aber nicht schlecht genug, um drüber zu lachen. Die Darsteller sind unspektakulär, die Story ist 08/15 und die Frauen sind zwar attraktiv, aber dank PG-13 Freigabe nicht nackt. Die Highlights sind die Western-Chase-Szenen, wenn der Bone Eater mit Pferd ein Motorrad jagt, oder ähnlich absurde Bilder (z.B. der alte Indianer mit Plastik-Adlerkopf). Das rechtfertigt aber immer noch nicht, den Film anzusehen. Ich hab nicht mal was gegen den Streifen - er ist weder todlangweilig, noch zum Knochen kotzen. Er ist nur eben ziemlich austauschbar. Wynorski kann's eigentlich viel besser, was er auch oft genug unter Beweis gestellt hat. Für verzweifelte Sammler (wie mich) ist das womöglich einen Griff wert. Überleben kann man’s jedenfalls.



PS: Wer beim deutschen DVD-Cover, dass eine Art Knochen-Lurch zeigt, wie ich an die Tierhorror Ecke gedacht hat, liegt falsch. Das Vieh hat mit dem Film nichts zu tun.


Spooner